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Stress im Beruf : Achtung, Achtsamkeit!

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Das Leben als Balanceakt: Wie ist der Stress im Berufsalltag am besten zu meistern? Bild: Hannes Jung

Für die einen ist es die wirksamste Methode, um Stress im Arbeitsalltag entgegenzuwirken, für andere esoterischer Klimbim. Zumindest liegt Achtsamkeit derzeit voll im Trend. Was bringt’s?

          Auch Manager mögen Meditation. Spätestens seitdem die globale Wirtschaftselite bei ihrem Jahrestreffen in Davos frühmorgens mit der Iso-Matte unterm Arm zusammenkommt, um sich beim besinnlichen Atmen für den Terminmarathon fit zu machen, hat das Schlagwort Achtsamkeit auch in Chefetagen Konjunktur. Seminare bei Achtsamkeits-Trainern sind gefragt, und zur Vertiefung der Übungen gibt es natürlich längst auch die richtige App auf Smartphone oder Tablet: Einschalten zum Abschalten - dabei sollte die Technik eigentlich außen vor bleiben. Aber es gibt keine allgemein anerkannte Definition des Begriffs Achtsamkeit, es gibt nur unterschiedliche Lehrmeinungen.

          Als eine Koryphäe der Zunft gilt jedoch Jon Kabat-Zinn, der auch die globale Elite in den Schweizer Alpen coacht. Für ihn beinhaltet Achtsamkeit, „auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen“. Ziel sei vor allem in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Der amerikanische Medizinprofessor Kabat-Zinn ist Begründer des Stressbewältigungsprogramms durch Achtsamkeit, einem weltanschaulich neutralen Training, das vom Buddhismus und der Zen-Meditation inspiriert ist. Eine halbe Stunde Atemübung auf der Yoga-Matte, und der härteste Arbeitstag kann kommen!

          Kritikern missfällt die gegenwärtige Kommerzialisierung der Achtsamkeitsbewegung. Sie führe die buddhistische Tradition ad absurdum, denn schließlich gehe es nicht darum, die Leistungsfähigkeit von Managern zu steigern. Auch medial erfährt das Thema einen Hype und füllt viele Zeitungs- und Magazinseiten sowie Fernsehsendungen. Unzählige Bücher beschäftigen sich damit, und es gibt Trend-Magazine wie „Flow“ und „Happinez“ rund um Achtsamkeit, Entschleunigung und Müßiggang. Verfechtern der Achtsamkeitsmeditation fühlen sich dadurch in die esoterische Ecke gestellt. Dabei handelt es sich um eine mittlerweile auch wissenschaftlich anerkannte Entspannungstechnik. Sicher ist es aber nicht für jeden die passende Methode zur Stressbewältigung. Eine gewisse Offenheit und Aufgeschlossenheit ist hilfreich, sonst lassen sich Erfolge kaum erzielen.

          „Achtsames Sitzen“ und „achtsames Tee trinken“

          Ulrike Wenisch hat eine einjährige Ausbildung zur Trainerin für Achtsamkeit am Arbeitsplatz (TAA) gemacht. Sie wirbt dafür, sich mehrmals täglich kleine Auszeiten zu nehmen. „Achtsames Innehalten“, „achtsame Körperwahrnehmung“, „achtsames Sitzen“ oder „achtsames Tee trinken“ seien kleine Übungen, die nur ein paar Minuten dauern und so konzipiert sind, dass sie überall möglich seien. Die Übungen dienten dazu, sich bewusst eine Pause zu nehmen, runterzufahren und sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Letztendlich gehe es darum, aus dem täglichen Hamsterrad der Verpflichtungen immer wieder auszusteigen, um mit Stress besser umgehen zu können.

          Wenisch hat das Thema schon vor einigen Jahren für sich entdeckt. Der Frankfurterin ging es nicht nur darum, selbst besser mit Stress umzugehen, sondern auch darum, mehr Zufriedenheit im Leben zu erreichen und mit Gefühlen und Gedanken besser umzugehen, sagt sie: „Wir bewerten automatisch alles, was wir tun und was geschieht. Dabei sind 90 Prozent aller Bewertungen unnötig, sorgen für Konflikte und rauben Energie.“ Es reiche, Dinge erst mal so wahrzunehmen, wie sie sind. Stelle sich eine Situation als untragbar dar, könne man im nächsten Schritt über Veränderungen nachdenken oder lernen damit umzugehen.

          Viele Führungskräfte in Unternehmen tun sich mit dem Thema Achtsamkeit am Arbeitsplatz aber noch schwer. Zu sehr haftet ihm das Image von Esoterik und Wollsocken an. „Ich kann es verstehen, ich war selbst anfangs skeptisch“, sagt Justus Ludwig vom Düsseldorfer Beratungsunternehmen „performance up“. Er war zwanzig Jahre in Vertriebs- und Führungspositionen tätig, bevor er beruflich umschwenkte und heute Unternehmen zum Thema Achtsamkeit coacht. Wegen gesundheitlicher Probleme begann er sich vor rund 14 Jahren mit Stressreduktion und Achtsamkeit zu beschäftigen. Überzeugt hat Ludwig letztendlich die Wirkung. Er konnte wieder Spaß und Freude an der Arbeit haben und merkte, dass er nicht nur funktionieren muss.

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