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Start-ups : Gründer-Gen gesucht

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Hinfallen erlaubt: Gründer sollten auf Rückschläge gefasst sein, sich aber nicht allzu lange mit ihnen beschäftigen. Bild: Albrecht Weißer/Westend61/F1onl

Es gab schon bessere Zeiten, um Start-ups zu gründen: Wer’s trotzdem wagt, muss Widerstände aushalten. Über das Gründerdasein zwischen Enthusiasmus, Skepsis und Spott.

          Was wird aus einem, für den die Selbstbestimmung das höchste Gut ist? Der sich trotz des geringsten Taschengeldes als erster ein eigenes Auto zulegen kann? Und der damit die Schulkameraden für kleines Geld zur Eisdiele chauffiert, um die laufenden Kosten des Fahrzeugs zu decken? Eberhard Dittmann wird Lehrer. Selbst als er den Job auf Lebenszeit gekündigt, seine Leidenschaft fürs Skaten erfolgreich zum Beruf gemacht und sich in Titus umbenannt hat, kommt dem 68er das Bekenntnis zum Unternehmertum lange nicht über die Lippen: „Ich habe nie beschlossen, Unternehmer zu werden. Ganz im Gegenteil. So eine Type wollte ich doch nie werden.“

          Inzwischen aber prägt der „Lord of the boards“ nicht nur die Skater-Szene, sondern ist auch für viele Gründer ein Vorbild geworden. Eine Funktion, die Dittmann akzeptiert: Vorbildfunktion. „Meiner Meinung nach sollte jemand, der ins Unternehmertum einsteigt, erst mal gucken, ob er ein guter Skateboarder geworden wäre“, sagt Dittmann. „Denn dann hat man diese Eigenschaften alle: Nirgendwo fällt man öfter auf die Schnauze. Man muss auch lernen, dass es nach dem Auf-die-Schnauze-Fallen weh tut, aber man sich nicht lange mit seinen Schmerzen beschäftigen darf.“ Sondern Zähne zusammenbeißen, den Dreck aus den Klamotten klopfen und weiter probieren, bis es klappt. „Im Unternehmertum ist das eins zu eins genauso.“

          Die junge Frau, der Titus Dittmann diese Lektion erteilt, ist ebenfalls Gründerin. Aber sie sucht nicht den ultimativen Tipp und will auch keinen Leitfaden für ihre Unternehmung: Marie Christine Carrillo forscht nach dem Umgang mit dem absoluten Unverständnis. So jedenfalls fasst die 31-Jährige die Reaktionen auf ihren Schritt in die Selbständigkeit zusammen – und damit auf die Kündigung im Controlling eines Hamburger Krankenhauses. Da waren die Eltern, die sich um die Zukunft der Tochter Sorgen machten, außerdem Freunde, die vorübergehend den Kontakt mieden, weil sie nicht wussten, wie sie mit der Situation umgehen sollten, und obendrein Kollegen, die sich vielleicht ein wenig auf den Schlips getreten fühlten.

          „Ich fühlte mich häufig ausgebremst“

          Dabei kenne sie genügend Leute, die ihre Festanstellung verloren haben – oder eben das Gefühl von Selbstbestimmung vermissten. „Im Job fühlte ich mich häufig ausgebremst und wurde immer unzufriedener“, sagt sie. Dabei hat sich die gelernte Kauffrau im Gesundheitswesen und studierte MBA die Entscheidung keinesfalls einfach gemacht, hat Geld beiseitegelegt, genau abgewogen, eigene Motive hinterfragt. „Ich möchte etwas bewegen, eigene Ideen umsetzen, einfach mal machen – und für schön gemachte Bücher konnte ich mich schon immer begeistern.“ Marie Christine Carrillos Ursprungsidee, einen Verlag für Kinderbücher zu gründen, hat sie inzwischen modifiziert: „Ich fühle mich für das Thema Kinder doch noch nicht so reif. Die Gründer, ihre Motive und Unterstützer haben mich mehr interessiert.“

          Im Fokus der Gründerin steht vor allem die Frage: Wie hält man es aus, wenn kaum jemand an einen glaubt, und wie schafft man es dennoch, an seiner Entscheidung festzuhalten? In ihrem Fall war der Ehemann die Stütze, selbst ein Unternehmer und „Macher“, wie seine Frau sagt. „Aber was machen die Gründer, die nicht so einen Mentor und Motivator neben sich haben?“, wollte sie wissen und bat zwölf erfahrene und erfolgreiche Unternehmer um ein Interview. Darüber ist Carrillos erstes Buch „Lionhearted“ entstanden. Der Titel steht für beherztes Handeln. Auf die Frage, was einen guten Gründer ausmache, antwortet Titus Dittmann: „Die Haupteigenschaft ist in meinen Augen ein brennendes Herz.“

          Gerade Vater geworden, kündigte Dittmann mit 36 Jahren den Beamtenjob, erzählte aber den Eltern erst gar nicht davon. Sie hätten den Schritt sowieso nicht verstanden. So wie auch die Lehrerkollegen urteilten: „Du bist unverantwortlich gegenüber deiner Familie.“ Einzig Dittmanns Ehefrau stand voll und ganz hinter der Entscheidung.

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