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Start-ups : „Gründe nicht mit guten Freunden“

Test bestanden? Für Björn Bergsteins Spiel galt am Ende eher: Game over. Bild: Tivola Publishing

Ein Unternehmen gemeinsam mit Freunden zu gründen ist verlockend. Das fand auch Björn Bergstein, der mit seinen Kumpels eine Computerspielefirma aufmachte. Doch bald hieß es: Game over. Ein kleines Lehrstück.

          Sein Hobby zum Beruf machen. Das hatte Björn Bergstein sich vorgenommen, als er nach zwölf Jahren Dienst bei der Bundeswehr beschloss, künftig Computerspiele zu entwerfen. Bergstein nahm sein Erspartes und investierte es erst in eine Ausbildung an der Games Academy in Berlin, dann in eine eigene Firma, die er zusammen mit Studienfreunden gründete. Heute ist das Ersparte weg, die Firma gibt es nicht mehr. Das Spiel, das in Bergsteins Träumen die Hitlisten der App Stores anführen sollte, kennt kaum jemand.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei hatte Bergstein schon im zweiten Semester gemeinsam mit Kommilitonen eine tolle Idee für ein Puzzle-Logikspiel auf dem Smartphone gehabt: „LabRATory“ heißt die App, in der eine Laborratte den komplizierten Weg hinaus aus einem Käfig finden soll. 2012 gewannen sie den Deutschen Entwicklerpreis „Gameforge Newcomer Award“ dafür. Ein Jahr später gründete Bergstein eine Firma, um LabRATory zu vermarkten, weitere Spiele sollten folgen. Für seine Gründung tat er sich mit einer guten Studienfreundin zusammen, die zuvor Jura studiert hatte, und mit einem Bekannten, „der sich mit Medien auskannte“. Mehrere ehemalige Kommilitonen arbeiteten auf Minijobbasis mit den drei Gründern zusammen. Alle kannten sich auch privat, alle verstanden sich gut, alle liebten Computerspiele, ihr eigenes Spiel, nerdige Gespräche, skurrile Details. Geschäft und Feierabend, Arbeit und Spaß verschwammen. Doch schnell ging alles den Bach runter: Als ein Spieleverleger - in der Branche „Publisher“ genannt - das Spiel herausbringen wollte, zerstritten sich die Gründer über die Frage, ob das angebotene Geld angemessen oder viel zu wenig sei. Nach langem Hin und Her hatte der Publisher kein Interesse mehr. Die Freunde brachten das Spiel selbst in die App Stores, doch der Erfolg blieb aus.

          Wer Björn Bergstein fragt, was schiefgelaufen ist, bekommt eine einfache Antwort: „Gründe nicht mit guten Freunden - das ist die Lehre, die ich gezogen habe“, sagt er. „Letzten Endes hatten wir viele Probleme genau durch unser freundschaftliches Verhältnis.“ In Bergsteins Unternehmen gab es Chefs nur auf dem Papier. Jeder durfte mitreden, auch die Minijobber. „Wir waren ja alle Studienkollegen und hatten alle unseren Teil zu der Entwicklung dieses Spiels beigetragen.“ Doch die Vorstellungen darüber, welche Ziele das Unternehmen verfolgen sollte, waren höchst unterschiedlich. „Ich wollte erst einmal den Spatz in der Hand haben, andere wollten direkt das ganz große Ding drehen und das Spiel auf keinen Fall unter Wert verkaufen. Im Rückblick hätten wir einen richtigen BWLer im Team gebraucht, der auf die Zahlen guckt“, sagt Bergstein. „Und nur einen Chef, der wirklich was zu sagen hat.“

          Ideen entstehen nicht am Schreibtisch

          Fachleute bestätigen, was der gescheiterte Gründer erzählt. „Gründungspartner nach Sympathie auszusuchen ist meist ein großer Fehler“, sagt Andreas Kuckertz, Leiter des Fachgebiets Unternehmensgründungen und Unternehmertum an der Universität Hohenheim. „Dass es trotzdem so oft passiert, liegt daran, wie Ideen entstehen.“ Nämlich oft genug nicht am Schreibtisch, sondern abends beim Feierabendbier. Dann werden oft diejenigen, die im ersten Moment dabei waren, wie zwangsläufig für die Unternehmensgründung rekrutiert. „Gut daran ist natürlich, dass Freunde sich gegenseitig meist blind vertrauen können“, sagt Kuckertz. „Doch die Nachteile überwiegen oft.“

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