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Sekretärinnen : Von wegen Tippse

  • -Aktualisiert am

Bild: Jan Banning

Adrette Vorzimmerdamen nur fürs Tippen und Kaffeekochen sind ein Auslaufmodell. Chefsekretärinnen sind heute hochqualifiziert - und meistens ziemlich gut bezahlt.

          Fräulein Müller, zum Diktat! Wenn der Chef ruft, klackert seine Sekretärin prompt auf Pumps und im Bleistiftrock aus dem Vorzimmer ins Vorstandsbüro - Stift und Block schon parat, um virtuos in schönster Stenographierschrift den Brief an Kunden Meier mitzuschreiben. Hübsch frisiert und mit frisch lackierten Fingernägeln macht sie sich anschließend ans Briefetippen und Kaffeekochen. Wehe, einer der Untergebenen wagt sich derweil ohne Termin und ihre Genehmigung ins Chefbüro. Dann wird die adrette Vorzeigedame zum Vorzimmerdrachen. Wer sich mit dem Chef gut stellen will, der sollte sie mit einem kleinen Flirt und Pralinen besänftigen.

          So oder so ähnlich sollen sie ausgesehen haben, die Chefsekretärinnen der sechziger Jahre. Vermutlich haben das Klischee schon damals nur die wenigsten Damen erfüllt. Und doch lebt der Sekretärinnen-Mythos bis heute in vielen Köpfen weiter. Die Realität sieht längst anders aus.

          Manchen Anrufer bei der Deutschen Bank ereilt der Realitätsschock in Gestalt von Torsten März. „Wenn ich den Telefonhörer abnehme, bekomme ich oft die Frage zu hören: Können Sie mich bitte mit seiner Sekretärin verbinden? Wenn ich sage: Ich bin sein Sekretär - dann ist die Leitung erst einmal für mehrere Sekunden wie tot“, erzählt der 39-Jährige, der eigentlich das Bäckerhandwerk erlernen wollte, sich dann aber doch für eine Ausbildung zum Fremdsprachensekretär entschied. Neun Jahre lang war er Sekretär des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Norbert Walter. Nachdem Walter in Rente gegangen war, wechselte März ins Vorzimmer einer anderen Führungskraft. „Als ich bei Herrn Walter anfing, war das schon eine kleine Sensation in der Bank“, erinnert sich März. Als Mann in dem Beruf sei man nun mal ein Exot. Schätzungen zufolge sind 99 Prozent der Sekretariatsposten in Deutschland mit Frauen besetzt. Als Mann brauche man für diesen Beruf Nerven aus Stahl, müsse verunsicherte Blicke aushalten können und auch das irritierte Schweigen am Telefon.

          Auch wenn ihm in seinem Job manches Vorurteil begegnet: März ist gerne Sekretär. Mit Vorurteilen und Klischees müssten schließlich auch die Kolleginnen leben. „Ich kenne durch meinen Job viele Sekretariate“, sagt März. „Und es gibt sie alle: die Sekretärinnen, die Kaffee kochen, ebenso wie die Sekretärinnen, die sagen, wo es langgeht.“ Man könne in diesem Beruf viel weiter kommen als bis zur Kaffeeküche oder zum Kopierer, sagt er. Stolz ist März zum Beispiel auf den Newsletter „Ein Fall für Walter“, den er für seinen Chef entwarf und der jahrelang kursierte. „Wie viel Verantwortung man als Sekretär übernimmt und wie viel Freiheit man in seinen Aufgaben hat, hängt eben immer vom jeweiligen Chef ab.“

          Im Vorzimmer der Macht

          In vier Sprachen flüssig mit Geschäftspartnern und Kunden parlieren, Präsentationen und Reden für den Chef vorbereiten, Projekte, Besprechungen und Konferenzen organisieren, den Vorstand für die Termine des Tages coachen und über wichtige Entwicklungen auf dem Laufenden halten - und sich trotzdem nicht zu schade sein, auch einmal schnell über den Konferenztisch zu wischen, ein Geschenk für die Ehefrau zu besorgen oder, ja, eben auch Kaffee zu servieren. Diese Ambivalenz müsse man als Chefsekretärin schon aushalten, erzählt Petra Balzer. Mehr als zwanzig Jahre lang hat sie in den Vorzimmern von Konzernvorständen als persönliche Sekretärin gearbeitet. Vor sechs Jahren dann schrieb sie sich unter dem Pseudonym Katharina Münk ihre Erfahrungen von der Seele. Ihr erstes Buch hieß: „Und morgen bringe ich ihn um. Als Chefsekretärin im Top-Management“. Es erzählt von cholerischen, selbstverliebten Managern, die ihre Sekretärinnen allzu oft als Betriebsinventar sehen. Das Prinzip, als Frau in einer Position mit hoher Dienstleistungsfunktion als Mutter, Mädchen, Managerin einem Mann zuzuarbeiten, werde wohl so lange fortbestehen, wie die Führungsetagen männlich dominiert seien, schrieb Balzer.

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