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Kritik erlaubt : Glückwunsch zum Fehler des Monats

„Manchmal gehen wir gar nicht diplomatisch miteinander um“: Hotelchefin Nicole Kobjoll (links) und Caroline Deeg, die Herzlichkeitsbeauftragte Bild: Tobias Schmitt

Wer hier arbeitet, darf den Chef kritisieren, Pannen zugeben und sein Gehalt selbst bestimmen – und das ausgerechnet in der sonst oft ruppigen Hotelbranche.

          Sue Hortolani ist Herzlichkeitsbeauftragte. Selbst in einem Hotel, dessen Kerngeschäft die Dienstleistung ist, klingt das merkwürdig. Die quirlige Hotelfachfrau trägt ihren Titel aber voller Stolz, findet ihren Aufgabenbereich überhaupt nicht seltsam und geht voll in ihrer Gastgeberrolle auf. Der Posten sei wie für sie geschaffen: Sie hat die Restaurant- und Bankettleitung, die Serviceabläufe und das Wohl der Gäste im Blick. Verlass ist auf ihr Gespür dafür, ob sich die Geschäftsreisenden an Tisch fünf über Smalltalk freuen oder sich nach Terminmarathon lieber still der Pasta widmen. Dem Herrn, der offenkundig die Brille vergessen hat und die Augen kneift, weist sie den Fenstertisch zu. Mag Ihr Hund auch einen Aperitif? Die enthusiastische 30-Jährige weiß, ob Hundebesitzer für derlei Gags empfänglich sind oder wo sie sich diese besser verkneift.

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          „Unser großes Ziel ist es, eine Pilgerstätte für Herzlichkeit zu bauen“, erklärt Hotelchefin Nicole Kobjoll, als sie mit Hortolani vor ihrem Latte macchiato sitzt. Ein blumig formuliertes Ziel, das zahlengetriebene Manager anderer Tagungshotels belächeln dürften. Nicht belächeln würden sie jedoch die gute Auslastungsquote, die Verweildauer der Mitarbeiter und nicht zuletzt die vielen Auszeichnungen, die das Hotel nahe Nürnberg vorzuweisen hat. Denn im Schindlerhof im beschaulichen Boxdorf läuft einiges komplett anders als in vergleichbaren Unternehmen.

          Vor allem wird hier viel miteinander geredet, manchem Mitarbeiter mag das mitunter zu viel sein. Insgesamt aber läuft die Kommunikation rund. Gründer Klaus Kobjoll, der sich Markenbotschafter nennt, den Stab an seine Tochter Nicole weitergereicht hat und sein Konzept als Vortragsreisender verbreitet, hält nichts davon, sich im Chefbüro zu verschanzen. Die beiden sind ein gutes Team und davon überzeugt, dass der Unternehmenserfolg maßgeblich davon abhängt, wie miteinander umgegangen wird.

          Was das 92-Zimmer-Hotel überdies so wohltuend anders macht: Es ist kein effizient hochgezogenes, austauschbares Kettenhotel, sondern ein kleines, idyllisches Dorf für sich, entstanden aus einem 300 Jahre alten verfallenen Bauernhof. Es gibt mehrere Gebäude, die auf Pflastersteinwegen miteinander verbunden sind, heimelige Gutshofgemütlichkeit ausstrahlen, moderne, neu gebaute Tagungsräume umschließen, die mit ungewöhnlichen Lichtkonzepten, stylishem Aquarium und knallroter englischer Telefonzelle im Foyer um Originalität wetteifern. Passend zur Jahreszeit wird gepflanzt und dekoriert, zurzeit gibt es Populationen von Holzhasen und geschnitzte Blütenköpfe, robust und nicht überzuckert. „Unsere Detailverliebtheit kostet uns viel Geld“, notiert Kobjoll, winkt das aber durch.

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