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Sabbaticals : Aussteiger auf Zeit

  • -Aktualisiert am

Entspannt im Hier und Jetzt: achtsame Manager Bild: Getty

Ob Yoga-Kurse im Ausland oder in einem Jahr rund um die Welt - immer mehr Manager nutzen Fluchtpunkte, um dem Stress im Büro zu entfliehen. Aber sind Sabbaticals eine Karrierebremse?

          Ein stressfreieres Leben, zumindest für eine gewisse Zeit, ist für viele Mitarbeiter ein gern geäußerter Wunsch. Die wenigsten setzen aber ihr Vorhaben in die Tat um und nehmen sich die ersehnte mehrmonatige Auszeit von ihrem beruflichen Alltag. Früher belächelt, ist der Ausstieg aus dem Alltag - häufig Sabbatical genannt - in vielen Unternehmen selbstverständlicher geworden. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft boten 2003 noch 4,1 Prozent aller Betriebe so etwas an. Fast zehn Jahre später waren es 9,7 Prozent, also etwa jedes zehnte Unternehmen.

          Einer, der diesen Schritt gemacht hat, ist Philipp Heim. Er ist beim Laserspezialisten Trumpf in Ditzingen als Softwareentwickler beschäftigt und hat während einer sechsmonatigen Auszeit im vergangenen Jahr eine Weltreise gemacht. Der 35-Jährige begab sich dabei mit seiner Lebensgefährtin auf Entdeckertour.

          Heim wollte etwas mehr von der weiten Welt sehen: „Wenn man nur sporadisch in den Urlaub gehen kann, ist die Zeit für so etwas immer knapp.“ Der Trumpf-Mitarbeiter startete seinen Trip zunächst in Sevilla mit einer Wanderung, „um den Kopf frei zu kriegen“. Über Portugal flog das Paar dann nach Bali und lernte dort die Gelassenheit der Einheimischen kennen und schätzen. „Seit ich das Sabbatical gemacht habe, bin ich weniger bereit, Routine abzuspielen“, sagt der 35-Jährige, der anfangs mehrere Wochen gebraucht hatte, nicht jeden Tag an die Arbeit zu denken. Die gehe er heute allerdings intensiver als früher an.

          Bloß nicht aufs Abstellgleis

          Australien und Tokio standen ebenfalls auf dem Programm von Heim und seiner Partnerin. Nach der Hälfte der Zeit kehrte das Paar nach Stuttgart zurück und machte sich von der Schwabenmetropole zu Fuß auf in Richtung Pfälzer Wald. Für den Trumpf-Mitarbeiter aus heutiger Sicht wohl die „intensivste Zeit“ während seines Ausstiegs aus dem Arbeitsleben. Der Wiedereinstieg in den Job sei hart gewesen. „Man kommt zwar schnell in den produktiven Modus rein“, sagt er, „aber im Kopf dauert das länger.“ Nach dem Sabbatical erhielt er über sechs Monate nur die Hälfte seines Gehalts. Dieser Betrag wurde ihm auch während der Reise ausbezahlt.

          Bei Trumpf gibt es seit 2009 ein entsprechendes Programm. Am Standort der Hauptverwaltung wird es jährlich von rund 30 Beschäftigten genutzt, wie Christiane Grunwald, die Leiterin des Personal- und Sozialwesens, berichtet. Die entsprechende Fehlzeit im Unternehmen kann vor- oder nachgearbeitet werden. „Es nimmt zu, dass die Mitarbeiter für sich eine Auszeit möchten“, bestätigt die 51 Jahre alte Managerin.

          Wichtig ist den Aussteigern auf Zeit, dass ihr Arbeitsvertrag normal weiterläuft und sie weiterhin versichert sind. Früher sei ein Mitarbeiter gezwungen gewesen, seinen Arbeitsplatz zu kündigen. Durch das eigens entwickelte Sabbatical-Programm ist das nicht mehr notwendig. Solche Vereinbarungen tragen laut Grunwald dazu bei, dass der Wunsch nach Auszeit nicht mehr als exotisch angesehen wird, wie es in der Vergangenheit öfters der Fall war. „Wer bei uns ein Sabbatical macht, gerät nicht auf das Abstellgleis“, versichert die Personalmanagerin.

          Nur vorübergehend weg

          Markus Weber, der Geschäftsführer der Personalberatung Dr. Maier und Partner, betrachtet das Thema differenzierter: „Kann der Mitarbeiter nachweisen, dass er etwas tut, wovon auch sein Unternehmen langfristig profitiert, und so einen Mehrwert schafft, ist der Arbeitgeber eher bereit, sich dem Thema zu öffnen“, berichtet er. Oft würden die Vorbehalte gegenüber Sabbaticals hinter einer positiven Rhetorik versteckt, aber in vielen Chefetagen werde das heikle Thema laut Weber immer noch sehr kritisch gesehen. Aus der Sicht von mittelständischen Unternehmen sei das Gewähren einer Auszeit häufig mit hohem organisatorischen Aufwand verbunden und daher oft nur unter großen Anstrengungen der übrigen Mitarbeiter zu leisten. In vielen Fällen sei es für ein Großunternehmen leichter, die Abwesenheit eines Mitarbeiters etwa durch Umbesetzungen auszugleichen.

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