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Resilienz : Die unsichtbare Kraft

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Ein erster Schritt, den auch Psychologin Jansen den Teilnehmern ihrer Seminare eröffnet, ist beispielsweise die Möglichkeit, darüber nachzudenken, welche Herausforderungen sie bereits in ihrem Leben bewältigt haben – der erste Liebeskummer sei ein gutes Beispiel dafür. „So werden die Ressourcen bewusst, über die man bereits verfügt, um sie bei künftigen Krisen wieder abrufen zu können“, erklärt Jansen. Gleichzeitig würde den Menschen auch klar, dass sie nur mit eigener Kraft etwas verändern könnten. Ein weiterer Lernaspekt solcher Überlegungen sei im Umkehrschluss aber auch: zu erkennen, dass Dinge im Leben nicht immer so laufen, wie man es sich vorgestellt hat, und zu erkennen, trotz vieler Anstrengungen einer Situation manchmal machtlos gegenüberzustehen. „Dabei geht es nicht darum, alles bedingungslos hinzunehmen“, sagt Jansen.

Vielmehr lässt sich so leichter akzeptieren, dass man sein Wunschziel nicht mehr erreichen kann und womöglich ad acta legen muss, ohne mit dieser Entscheidung zu hadern oder daran zu zerbrechen. Ebenfalls regt Jansen ihre Seminarteilnehmer dazu an, vermeintliche eiserne Regeln zu hinterfragen. Gängige Beispiele reichen von „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“. Die Wirkung solcher Glaubenssätze ist laut Jansen ambivalent: „Sie sind in manchen Situationen für die Person, die sie verwendet, sinnvoll und zielführend – in anderen aber auch nicht“, ist die Expertin überzeugt. Wenn Menschen „ihre“ jeweiligen Glaubenssätze näher durchleuchten, erschließe sich ihnen damit auch die Freiheit, zu wählen, wann sie diese befolgen wollen und wann nicht.

Widerstandskraft ist nichts naturgegebenes

Selbstreflexion ist also der zentrale Schlüssel zu mehr Widerstandskraft? Die Antwort orientiert sich an der persönlichen Situation des Betroffenen: „Jeder Mensch kennt Situationen, die er zum ersten Mal bewältigen muss. Für die er keine Erfahrungswerte hat, auf die er zurückgreifen kann“, sagt Jansen. Zudem könne es sein, dass Menschen eine Situation zwar als belastend empfänden und auch wüssten, wie sie zu meistern sei, aber diesen Befreiungsschlag praktisch nicht umsetzen können. Und schließlich gebe es laut Jansen bei manchen Menschen einen „blinden Fleck“, wonach die optimale Lösung für ein besonderes Problem partout nicht auf dem persönlichen Radarschirm erscheint. „In allen Fällen kann ein professioneller Blick von außen dann den richtigen Anstoß zur Lösung geben“, ist die Psychologin überzeugt.

Widerstandskraft ist also nichts naturgegebenes. Jeder kann resilienter werden. Nicht von ungefähr investieren Unternehmen in entsprechende Schulungen, um die Produktivität der Belegschaft zu erhalten oder sogar zu erhöhen. Ein resilienter Mitarbeiter ist schließlich ein rentabler Mitarbeiter. „Der betriebswirtschaftliche Hintergrund des vom Arbeitgeber finanzierten Resilienztrainings ist nicht von der Hand zu weisen“, räumt Jansen ein. Denn das Ziel eines solchen Trainings sollte nicht sein, einen erschöpften Mitarbeiter so auf die Schnelle wiederaufzurichten. Wichtiger sei es, dass ein Teilnehmer lerne, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen auf sich selbst zu achten und somit auf lange Sicht psychisch gesund zu bleiben.

„Ein Resilienztraining trennt nicht zwischen Beruf und Privatleben“, sagt Jansen, „Es zielt darauf ab, die Widerstandskraft eines Menschen ganz allgemein zu erhöhen.“ Auch das Buch von Wissenschaftsjournalistin Berndt beschränkt sich nicht nur auf die Erhöhung der Resilienz im Arbeitsalltag. Sie beschreibt das Thema zunächst allgemein und fragt dann über Selbsttests ab, wie gut jemand schläft oder wie zielstrebig die Karriere verläuft – Faktoren also, die für die sogenannte Work-Life-Balance verantwortlich sind. Die Gründe für den nachhaltigen Erfolg des Buches liegen auf der Hand. Viele Leser haben sich beizeiten an den bewährten Glaubenssatz erinnert, wonach „jeder seines Glückes Schmied“ ist.

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