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Rabenmütter!? : Mutterliebe und Au-pair-Erziehung

  • -Aktualisiert am

Daniela Weber-Rey mit Vincent, Léonie und Julien (von links) Bild: Marcus Kaufhold / F.A.Z.

Lassen Frauen ihr Kind frühzeitig betreuen, werden sie schnell als Rabenmütter tituliert. Der Nachwuchs sieht das oft wesentlich entspannter. Wir haben einmal näher hingeschaut und präsentieren Mütter, Kinder und verschiedene Betreuungsmodelle in einer losen Porträtserie.

          Wenige Stunden nach der Geburt ihres zweiten Sohns Vincent verabschiedete sich Rechtsanwältin Daniela Weber-Rey in eine Telefonkonferenz mit New York. „Eine Geburt hat mich zum Glück körperlich nie groß belastet. Ich weiß noch, dass sich die Mandanten erkundigt haben, wann denn mein Kind kommt. Dabei war es schon da.“

          Drei Kinder haben Daniela Weber-Rey und ihr Mann großgezogen, eine längere berufliche Auszeit haben die beiden sich dafür nicht gegönnt. Als die Anwältin vor mehr als 20 Jahren ihr erstes Kind erwartete, warnte der geschäftsführende Partner ihrer Kanzlei sie: „Warten Sie die Geburt ab, Sie kommen ja doch nicht zurück!“ Aber Daniela Weber-Rey kam immer wieder.

          Heute ist sie Partner der internationalen Großkanzlei Clifford Chance, Spezialistin für Unternehmenstransaktionen im Finanz- und Energiesektor, Verwaltungsratsmitglied einer französischen Großbank und als erste und bislang einzige Frau Mitglied der Regierungskonferenz für Corporate Governance, die Empfehlungen für eine gute Unternehmensführung entwickelt. In manchen Wochen kommt sie mit 17 Stunden Schlaf aus.

          „Kritik kam immer nur von außen“

          Familie Rey wohnt im Frankfurter Westend, in einem großen Altbau, nur wenige Minuten entfernt von dem Büroturm von Clifford Chance. Im zweiten Obergeschoss hat Vater Stephan Rey sein Büro eingerichtet, er war früher Investmentbanker und ist heute selbständiger Unternehmensberater. Unten im Wohnzimmer sitzen Julien, Vincent und Léonie mit ihrer Mutter am Esstisch und wundern sich, dass schon wieder jemand hören will, wie sie es ihre ganze Kindheit nur mit Fremdbetreuung ausgehalten haben.

          „In unserer Familie hat niemand dieses Zusammenleben in Frage gestellt“, sagt Léonie, 17 Jahre alt, die gerade das Abitur an der Europäischen Schule in Frankfurt hinter sich hat und vor einem Auslandsjahr in Marokko steht. „Kritik kam immer nur von außen. In der Schule musste ich mir immer mal wieder von Lehrern anhören, dass meine Mutter ja wohl viel zu wenig Zeit für uns hat.“ Sie selbst hätte dieses Gefühl nie gehabt, sagt Léonie: „Allerdings kannten wir auch kein anderes Leben.“

          Ihr älterer Bruder Julien, der vor dem Berufsstart als Unternehmensberater steht, hält die Lebensplanung seiner Mutter auch für selbstverständlich. „Ich wundere mich zunehmend über die Berichte, dass Frauen es so schwer im Job hätten. Ich kenne vor allem die Situation meiner Mutter, die ihre Arbeit liebt und alles erreicht hat, was sie wollte. Ich kann nicht nachvollziehen, wie jemand seine Frau drängen kann, daheimzubleiben.“

          Auf das Prinzip „quality time“ gesetzt

          Nach Juliens Geburt vor 22 Jahren blieb Daniela Weber-Rey einen knappen Monat zu Hause und reduzierte dann ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent - was in anderen Branchen noch immer 110 Prozent wären. Als ein Jahr später Vincent und dann Léonie folgten, stieg die Mutter gleich nach der Geburt wieder voll ein in den Beruf. Um die Kinder kümmerten sich Au-pair-Mädchen und Haushälterinnen - „oft nicht schlechter ausgebildet als ich selbst“, sagt die Anwältin. Ihre Sekretärin hatte Anweisung, alle Anrufe von daheim durchzustellen, die ihr wichtig erschienen. Die Betreuung hatte ihren Preis: „Lange Zeit ging ein ganzes Nettogehalt dafür drauf“, sagt Daniela Weber-Rey. Anfangs halfen ihre Eltern aus, die beiden Töchtern versprochen hatten, für jedes Enkelkind im ersten Lebensjahr die Betreuung zu finanzieren.

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