http://www.faz.net/-gyl-6laww

Quereinstieg in Finanzberufe : Auf verschlungenen Wegen

  • Aktualisiert am

Kalkulation statt Partitur: Raphael von Hoensbroech Bild: Matthias Lüdecke / F.A.Z.

Sie begannen ihre Karrieren im Konzerthaus, im Operationssaal und mit der Erforschung theologischer Fragen. Sie landeten in Banken, Versicherungen und in der Beratung. Ihre Unternehmen schätzen die Quereinsteiger. Fünf Porträts.

          Musik ist sein Leben. Im Alter von drei Jahren ging es los: Da begann Raphael von Hoensbroech mit dem Geigenunterricht. Auf einer Geige, mit der schon mehrere Generationen vor ihm in der Familie gespielt hatten. Im Haus seiner Eltern fanden regelmäßig Konzerte statt, von Hoensbroech lernte Künstler aus aller Welt kennen. Im Alter von zwölf Jahren schließlich hörte er verschiedene Varianten der Matthäus-Passion von Bach - und verkündete seiner Mutter, was er anders machen würde. In diesem Moment sei ihm klargeworden, dass er Dirigent werden wolle, erzählt von Hoensbroech. Heute ist der Dreiunddreißigjährige Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG).

          Dazu kam es auf Umwegen: Von Hoensbroech studierte Musikwissenschaft, zusätzlich aber auch noch Jura und Philosophie. Er wollte sich möglichst viele Optionen offenlassen. Aus demselben Grund hängte er nach dem Studium noch eine Promotion an. Im Jahr 2005 stand dann eine Entscheidung an. Der Musik treu bleiben? Immerhin war er schon Chefdirigent des Münchner Jugendorchesters. Oder ins Management wechseln? Immerhin hatte er schon Veranstaltungen wie das Beethovenfest in Bonn mitorganisiert. „Wie so oft im Leben: Ich habe mich für einen dritten Weg entschieden.“ Ihm war aufgefallen, dass im Kulturbereich anders als in der Wirtschaft wenig optimiert wurde. Mit welcher Auslastung arbeitet ein Konzerthaus profitabel? Wie wird ein Festival zu einer Marke, die Menschen aus ganz Deutschland anzieht? Darin sah von Hoensbroech eine Nische. Um sich das wirtschaftliche Rüstzeug zu holen - und um sich auch weiter alle Optionen offenzuhalten - bewarb er sich bei BCG. Mit Erfolg.

          Nach zwei Wochen „Exotentraining“ - einem Crashkurs in BWL - stand der erste Einsatz an: eine Kooperation zwischen zwei Versicherern. „Beratung ist zahlenlastig, dafür muss man als Nicht-BWLer eine Leidenschaft entwickeln“, sagt er. Schwerpunkt seiner Arbeit sind Marketing-Projekte quer durch alle Branchen. Gelegentlich bekommt von Hoensbroech auch einen Auftrag im Kulturbetrieb, plant ein Konzerthaus oder entwickelt für eine Stadt ein Kulturkonzept. Geld verdient sein Arbeitgeber damit aber in der Regel nicht.

          Fünf Jahre Beratung - das ist mehr, als von Hoensbroech anfangs gedacht hatte. Geige spielen ist heute sein Hobby, gelegentlich nimmt er für ein Engagement als Dirigent unbezahlten Urlaub. Sein Berufsleben ist weiter offen. Vielleicht steigt er bei BCG auf, vielleicht wechselt er doch noch in die Musikindustrie. Eine Intendanz, das reizt ihn. Trotz der schlechteren Bezahlung, trotz der ebenfalls wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten. Die Musik ist eben sein Leben. „Durch meine Arbeit als Berater bin ich auch als Dirigent besser geworden.“

          Weitere Themen

          Handys raus?

          Streitgespräch : Handys raus?

          Haben Smartphones, Laptops und Tablets etwas in Vorlesungen und Meetings zu suchen? Die Professoren Miloš Vec und Jürgen Handke sind darüber diametral anderer Meinung. Wir haben sie an einen Tisch geholt – und es gab Streit.

          Drei Sekunden Blickkontakt

          Knigge für Flüchtlinge : Drei Sekunden Blickkontakt

          Umgangsformen sind im Beruf wichtig, aber von Land zu Land unterschiedlich. In Seminaren lernen Flüchtlinge, was hier wichtig ist und dass nicht alles strenger ist

          Starthelfer für Flüchtlinge

          Gründerserie : Starthelfer für Flüchtlinge

          Das Start-up Social Bee vermittelt Flüchtlinge an Unternehmen und kümmert sich um das gesamte Drumherum: vom Sprachkurs bis zum Kontakt mit den Behörden. Eine provokative Werbekampagne machte das Start-up schnell bekannt.

          Topmeldungen

          Das Handy im Studium: Notwendiges Lerngerät oder lästige Ablenkung?

          Streitgespräch : Handys raus?

          Haben Smartphones, Laptops und Tablets etwas in Vorlesungen und Meetings zu suchen? Die Professoren Miloš Vec und Jürgen Handke sind darüber diametral anderer Meinung. Wir haben sie an einen Tisch geholt – und es gab Streit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.