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Psychologieprofessor Cornelius König : „Eine Stunde ohne Telefon und E-Mail wirkt Wunder“

  • Aktualisiert am

Cornelius König ist Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlandes. Bild: Jörg Pütz / Universität des Saarlandes

Arbeitnehmer sollten täglich eine Stunde lang Telefon und E-Mail-Benachrichtigungen ausstellen und ein „Bitte-nicht-stören“-Schild an die Bürotür hängen. Sie würden so produktiver, behauptet der Psychologieprofessor Cornelius König.

          Herr König, Sie haben in einer neuen Studie untersucht, wie gestresste Arbeitnehmer ihre Bürotage besser managen können und empfehlen, täglich eine „Stille Stunde“ einzulegen. Was ist das genau?

          Es geht darum, eine Stunde am Tag das Telefon abzustellen und ein „Bitte nicht stören“-Schild an die geschlossene Bürotür zu hängen. Neue E-Mails sollten während dieser Zeit auch nicht auf dem Bildschirm aufpoppen. Diese Stunde ist rein für das konzentrierte Arbeiten reserviert. Ohne störende Ablenkungen.

          Und das ist jetzt eine neue wissenschaftliche Erkenntnis? Es klingt banal...

          Als Zeitmanagement-Technik ist die „Stille Stunde“ sicherlich keine Wahnsinnsneuigkeit. Aber unsere Studie kann jetzt belegen, dass sie tatsächlich etwas bewirkt.

          Funkstille - mal ganz bewusst
          Funkstille - mal ganz bewusst : Bild: ZB

          Und zwar?

          Wer an einem Arbeitstag eine „Stille Stunde“ einlegt, berichtet hinterher, nicht nur während dieser dieser einen Stunde produktiver gearbeitet zu haben, sondern auch den gesamten restlichen Tag über.

          Wie sind Sie zu diesem Ergebnis gekommen?

          Wir haben 27 Führungskräfte aus der Finanzindustrie zwei Wochen lang begleitet. Die erste Woche über sollten sie so weiterarbeiten wie bislang. In der zweiten Woche sollten sie jeden Tag eine „Stille Stunde“ einlegen. Jeden Abend haben die Testpersonen einen Fragebogen zu ihrem vergangenen Arbeitstag ausgefüllt. Die Bögen haben wir dann schließlich statistisch ausgewertet.

          Es klingt nicht schwierig, sich eine Stunde am Tag freizuschaufeln...

          Aber es wird im Büroalltag nur ganz selten umgesetzt.

          Warum?

          Weil man es planen muss. Man muss einen guten Zeitpunkt dafür finden und ihn am besten im Kalender festhalten. Und man muss Kollegen und Chefs Bescheid sagen, sonst werden die sauer, wenn einfach das Telefon ausgestöpselt ist. Gestressten Menschen erscheint eine solche Planung aufwendig. Sie schieben sie hinaus und realisieren die „Stille Stunde“ am Ende gar nicht.

          Ist es eine Lösung das Ganze am frühen Morgen machen, wenn sowieso erst wenige im Büro sind oder am späten Abend, nach der regulären Arbeitszeit?

          Bestimmt machen das viele Menschen so, aber es ist nicht Sinn der Sache. Es geht dann in der Regel auf Kosten von Familie und Freizeit. „Stille Stunden“ einzulegen heißt nicht, Überstunden zu machen. Im Gegenteil: Ziel ist es, dass weniger Überstunden nötig werden, weil man seine Aufgaben innerhalb der regulären Arbeitszeit besser bewältigen kann.

          Klingt alles ein bisschen zu schön um wahr zu sein. Wie still sind denn diese „Stillen Stunden“ tatsächlich?

          Es stimmt, das Telefon kann man aus der Steckdose ziehen, Menschen, die ins Büro reinplatzen kann man dagegen nicht so einfach ausschalten. Es gilt aber: Selbst wenn die „Stille Stunde“ nicht von klosterartiger Atmosphäre ist, ist sie doch in der Regel ruhiger als der Rest des Arbeitstags.

          In der jüngeren Vergangenheit wurde das Home-Office schwer gescholten. Aber ist das nicht eigentlich der perfekte Arbeitsort, um Ihre „Stillen Stunden“ zu verwirklichen?

          In der Tat, Heimarbeitsplätze sind prädestiniert dafür. Vorausgesetzt, man lässt sich dort nicht von anderen Reizen ablenken. Man darf eben nicht zwischendurch aufspringen, wenn die Waschmaschine fertig ist.

          Sollte die „Stille Stunde“ eigentlich tatsächlich eine Stunde dauern? Ist das der ideale Zeitraum?

          Das ist ein Richtwert. Es hängt in der Praxis stark von der Art der Aufgaben ab, die man zu erledigen hat. Für Wissenschaftler kann es vorteilhaft sein, statt einer Stunde täglich alle paar Tage einen ganzen Vormittag für konzentriertes Schreiben herzunehmen. Manager dagegen können das selten mit ihrem Berufsalltag vereinbaren.

          Zur Person

          Der Psychologe Cornelius König ist Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlandes. Er ist spezialisiert auf die Themen Personalauswahl, Arbeitsplatzunsicherheit und Zeitmanagement. So widmete er sich in der Vergangenheit auch der Frage, wie berufliche Meetings effizienter gestaltet werden können.

          Das Gespräch führte Nadine Bös.

          Quelle: FAZ.net

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