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Psychische Erkrankungen : Wenn der Beruf gesund macht

Manchmal ohne Hoffnung - auch am Arbeitsmarkt: Psychisch kranke Menschen Bild: dpa

Wer unter einer schweren psychischen Krankheit wie Schizophrenie oder Depression leidet, hat es schwer am ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Dabei hätte die Arbeit in vielen Fällen sogar heilende Wirkung.

          Schwer psychisch kranke Menschen sind überdurchschnittlich oft arbeitslos. Das zeigt eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN), die an diesem Montag veröffentlicht wird und die FAZ.NET vorliegt. Die Tragik dabei: „Für die Gesundheit der Betroffenen wäre es sehr förderlich, wenn sie einer geeigneten Arbeit nachgehen könnten“, sagt Uta Gühne, eine der Verfasserinnen der Untersuchung.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das klingt erst einmal überraschend. Wird doch die Berufstätigkeit sonst oft als stressig verteufelt und gar als Auslöser für Burnout und andere psychische Leiden abgestempelt. Doch geht es um wirklich schwere psychische Erkrankungen schreiben Ärzte einer Berufstätigkeit sogar therapeutische Wirkung zu. „Weil sich die Menschen heutzutage sehr stark über ihre Arbeit definierten, können gerade psychisch Kranke überdurchschnittlich davon profitieren, diese Art von Teilhabechance zu erhalten“, so Gühne.

          „Die Expertise zeigt, was wir als Ärzte im Praxisalltag immer wieder erleben“, sagt die Präsidentin der DGPPN, Iris Hauth. Die Aufnahme einer Beschäftigung führe meist dazu, dass sich Symptome verbessern, weniger Behandlung nötig ist und die Patienten zufriedener und selbstbewusster werden. Gerade für Menschen, die schon in jungen Jahren erkrankten, sei die Diagnose aber oft mit einem „Knick in der Erwerbsbiografie“ verbunden – der sich oft kaum wieder aufholen lässt. „Zukunftsträume zerplatzen dann sofort“, so Gühne. „Oft sind die Karrieren dann schon an der Schwelle zwischen Schule und Arbeitsmarkt zu Ende – also bevor sie überhaupt begonnen haben.“

          Der Kreis der Betroffenen ist nicht klein: Zwischen einer halben und einer Million Menschen leiden in Deutschland unter einer schweren psychischen Krankheit, wie aus der Studie weiter hervorgeht. Als schwer gilt ein solches Leiden immer dann, wenn jemand länger als zwei Jahre krank ist, in psychiatrischer Behandlung ist und wenn er in seinem täglichen Leben durch die Krankheit eingeschränkt ist. Besonders oft ist das bei Schizophrenie der Fall. „Im ersten Arbeitsmarkt kommen diese Menschen nur äußerst selten unter“, sagt Gühne. „In ganz Europa sind es nur zehn bis zwanzig Prozent. Dabei hat ein Großteil der schwer psychisch Kranken den Wunsch zu arbeiten.“

          Stigmatisierung als Problem

          Das scheitert oft an Vorurteilen. Befrage man Kollegen und Vorgesetzte zu ihrer Meinung über Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz, so würden diejenigen mit einer psychischen Störung meist als problematischer wahrgenommen als diejenigen mit körperlichen Leiden, so Gühne. „Chefs befürchten, dass die Kontinuität der Arbeitsleistung unter der Erkrankung leiden könnte. Dass die Leute oft oder über längere Zeitspannen ausfallen.“

          Dabei gibt es durchaus Hilfen. „Eine gute Möglichkeit ist es, den Betroffenen einen so genannten Job Coach an die Seite zu stellen“, sagt Gühne. Solche Trainer unterstützen die Kranken im Alltag mit Rat und Tat und stehen immer als Ansprechpartner bei Problemen zur Verfügung - auch für Chefs und Kollegen. „Ganz wichtig ist auch die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten.“ Denn bei vielen Betroffenen schwanke die Belastbarkeit. Gühne sieht aber nicht nur die Arbeitgeber in der Pflicht, sondern auch die Therapeuten der Betroffenen. „Sie müssen ihren Patienten gegenüber das Thema Arbeit frühzeitig ansprechen.“ Schließlich sei eine Beschäftigung in vielen Fällen richtig gut für den Behandlungserfolg.

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