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Pilotenausbildung : Nur die Besten heben ab

Im Cockpit sind noch Plätze frei Bild: picture-alliance/ dpa

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, singt Reinhard Mey. Das ist sie nicht. Trotzdem: Pilot gilt als gut bezahlter Traumjob. Der Weg dorthin ist schwierig. Die meisten fallen durch den ersten Test.

          Wir sind die Letzten. Die letzten vierzig. Das ist in diesem Fall eine gute Nachricht. Übriggeblieben aus mehreren hundert Bewerbern, die allesamt einen Traum hatten: Pilot werden bei der Lufthansa. Zwei Auswahlrunden später sitzen nun also vierzig junge Frauen und Männer in Hamburg in der Endauswahl. Vier Tage voller Prüfungen in Mathematik, Physik, Koordinationsfähigkeit, Englisch, Fitness und so weiter, dann winkt die Karriere über den Wolken. Ein Mann, korrekt gekleidet in weißem Hemd mit Krawatte, betritt zackig den Raum und spricht: "Guten Tag, ich bin DC-10-Kapitän. Ich werde Sie den Tag über begleiten. Und ich sage Ihnen gleich: Von Ihnen werden am Ende dieser Auswahl nur zwei oder drei übrigbleiben. Vielleicht auch gar keiner."

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Ein Mann Ende dreißig steht im Arbeitsamt Frankfurt, am Hemd locker den obersten Knopf geöffnet, und spricht zu den siebzig jungen Frauen und Männern im Saal: "Guten Tag, mein Name ist Ralf Nagel. Ich bin Kapitän und Ausbildungsleiter der Air Berlin. Und ich komme zu Ihnen, um Ihnen zu sagen, Pilot ist ein toller Beruf." Erste Frage aus dem Publikum: "Wie viele schaffen denn den Weg bis zum Piloten?" "Das können Sie alle schaffen. Wer etwas wirklich will, der packt es auch. Und wir sind hier, um Ihnen dabei zu helfen." Zwei Stunden lang wirbt Nagel für seinen Beruf und seinen Arbeitgeber mit Sätzen wie "Wir sind alle eine große Familie", "Wir wollen zum Wohle der Gäste ein tolles Produkt anbieten" oder "Wenn Sie die Prüfung schaffen, wünschen wir uns, dass Sie dann auch bei uns fliegen".

          Wie sich die Zeiten ändern

          Zwanzig Jahre liegen zwischen den beiden Erlebnissen. Wie sich die Zeiten ändern. Wahrscheinlich wäre der Lufthansa-Kapitän Mitte der achtziger Jahre nicht im Traum darauf gekommen, in irgendein Arbeitsamt zu fahren, um dort den Nachwuchs anzuwerben. Und ob sich ein Lufthansa-Kapitän dorthin heute verirren würde? Ganz ohne Roadshow kommt aber selbst Deutschlands führende Airline nicht mehr aus. Auch die Lufthansa wirbt auf Messen um Cockpit-Nachwuchs, macht Aktionen in Universitäten, um Studenten anzusprechen, die möglicherweise die Aussicht auf ein Examen gegen die auf eine Pilotenlizenz tauschen wollen. Der Hintergrund der Werbeaktionen klingt im Technokratendeutsch etwas brutal, zeigt aber die ganze Wahrheit: Die Fluggesellschaften brauchen schiere Bewerbermasse, damit sie ihren Bedarf decken können. Denn die Durchfallquote in den Einstellungstests ist hoch: Rund 93 Prozent der Bewerber, die sich dem Test der Lufthansa stellen, bestehen ihn nicht. Das gilt damals wie heute, auch der unterkühlt wirkende DC-10-Kapitän von einst sollte recht behalten: Aus unserem Kurs mit 40 jungen Männern und Frauen wurden drei in die Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer übernommen.

          Mehrere zehntausend Euro Eigenanteil

          Zwei Jahre dauert die Ausbildung. Die Lufthansa verlangt von ihren Flugschülern 40.000 Euro Eigenanteil, Air Berlin fordert 60 000 Euro der insgesamt rund 120 000 Euro teuren Ausbildung. Die Unternehmen stehen den Schülern mit Finanzierungen zur Seite und ziehen die Raten später vom Gehalt ab. Dieses ist attraktiv: Die Lufthansa bietet als Einstiegsgehalt 56 000 Euro im Jahr, Air Berlin 50 000. Wer es zum Kapitän bringt, steigt auch im Gehalt auf: Bei der Lufthansa dauert es 9 bis 12 Jahre, bis man im Cockpit links sitzen darf, dann winken 110 000 Euro Jahresgehalt zu Beginn und im Laufe der Jahre deutlich mehr. Air Berlin stellt den Sesselwechsel schon nach 4 Jahren in Aussicht und bietet dann 98 000 Euro brutto. Bis zu 360 Nachwuchspilotinnen und -Piloten sucht die Lufthansa im Ausbildungsjahr 2007, jeden Monat fangen rund 30 an. Auch Air Berlin sucht, etwa 50 Stellen sind noch frei.

          Wer den Sitz im Cockpit ergattert, hat einige Routine vor sich, die Regeln sind starr, Warteschleifen über verstopften Flughäfen zerren an den Nerven, die Langeweile auf Langstreckenflügen ödet manchen an. Es wartet aber auch ein Beruf, dessen Faszination sich immer wieder aufs Neue zeigt, wenn die Maschine abflugbereit auf der Startbahn steht, der Tower "cleared for take-off" meldet und der Pilot das Gas reinschiebt. Dieses Gefühl lässt sich am besten bei einem Schnupperflug auf einem der zahlreichen Freizeitflugplätze erleben. Das wäre auch der erste Schritt auf dem eher steinigen Weg, wenn Lufthansa oder Air Berlin kein Interesse haben. Die Ausbildung über private Flugschulen oder Luftfahrtvereine ist teuer und dauert lange, erfordert viel Eigeninitiative und Durchhaltevermögen, kann aber ebenfalls ans Ziel führen. Auch fertige Piloten werden von den großen Gesellschaften bisweilen eingestellt. Oftmals führt der Weg dorthin über eine Warteschleife als Mitarbeiter am Boden oder als Stewardess - oder über ein paar Jahre Turboprop-Fliegerei etwa in der Dominikanischen Republik oder sonst irgendwo auf der Welt. Aber auch das kann ja Spaß machen.

          Das will die Lufthansa

          • Mindestalter zum Ausbildungsbeginn 18 Jahre, maximal 29 Jahre, fließende Deutsch- und Englischkenntnisse
          • Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife (Fachhochschulreife reicht nicht aus)
          • Gute körperliche Konstitution
          • Körpergröße: 1,65 bis 1,98 Meter
          • Gutes Sehvermögen (+/- 3 Dioptrien)
          • Staatsangehörigkeit eines EU-Landes oder eine Aufenthaltsberechtigung oder eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik Deutschland
          • Uneingeschränkter Reisepass
          • Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit
          • Überzeugende Darlegung der Berufsmotivation

          Quelle: F.A.Z., 09.06.2007, Nr. 131 / Seite C4

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