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Peter Sillem : Mit 50 noch mal ganz neu anfangen

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Das klingt einleuchtend, beantwortet aber nicht die Frage, wie man solch enge Vertrauensverhältnisse aufbaut, wenn man aus einer ganz anderen Branche kommt. Sillem ist die Sache systematisch angegangen: Privat hat er schon immer Kunst gesammelt, vor allem Fotografien. Seine Frau und er pflegen die schöne Tradition, sich zu besonderen Anlässen stets ein Bild zu schenken. Der frühere Lektor kennt darum privat einige Galeristen und Künstler, bei denen er sich Tipps für sein neues Leben holte.

„Kalt-Akquise“

Das allein reicht aber nicht: Sillem reist viel in diesen Tagen, ist heute in Paris und morgen in Amsterdam, um sich auf Kunstmessen umzuschauen und Kontakte zu knüpfen. Er betreibt aber auch das, was er selbst mit einem Augenzwinkern als „Kalt-Akquise“ bezeichnet – so wie im Falle der jemenitisch-bosnischen Künstlerin Alia Ali. Deren Arbeiten entdeckte Sillem in einem Online-Magazin für Fotografie und nahm per E-Mail Kontakt zu ihr auf. Die Künstlerin meldete sich zuerst nicht zurück, schlug dann aber kurzerhand ein Treffen in Madrid vor. Also setzte sich Sillem in das nächste Flugzeug nach Madrid und traf sie zum Mittagessen. Zurück flog er mit der Zusicherung, dass er Alia Ali und ihre Werke exklusiv in Nordeuropa vertreten könne.

Wie genau sich Künstler und Galerist die Einnahmen beim Verkauf eines Bildes teilen, mag niemand in der Branche gerne offenlegen. Auch der Neuling Peter Sillem macht da keine Ausnahme. Er gibt aber einen recht konkreten Überblick, welche Ausgaben der Traum von der eigenen Galerie mit sich bringt. Neben der Miete ist vor allem die Beleuchtung des Ladenlokals eine wichtige Investition. Gut 15 000 Euro hat Sillem dafür ausgegeben. Natürlich gehen auch die Reisen ins Geld, außerdem hat Sillem Profis mit dem Aufbau seiner Internetseite beauftragt. „Mehrere zehntausend Euro an Investitionen sind zu Anfang nötig“, sagt Sillem. Das Geld dafür hat er im Laufe seines erfolgreichen Berufslebens angespart, er ist zuversichtlich, in absehbarer Zeit von seiner neuen Arbeit leben zu können – „Break-even“ würde man in der Managersprache dazu sagen.

Zunächst aber muss Sillem in Vorleistung gehen. Ausstellungen mit sieben Künstlern hat er schon geplant, das allein ist schon ein Erfolg für einen, der gerade erst angefangen hat. Dieser Tage sind die ersten Bilder von Alia Ali eingetroffen, noch stehen sie säuberlich verpackt in einer Ecke des Raumes. Sillem musste die Werke versichern und ihren Transport organisieren, auch das kostet ein paar tausend Euro.

Jetzt heißt es, Sammler zu finden, die die Bilder in Sillems Galerie kaufen wollen. Auch auf diesem Feld war der frühere Lektor bereits aktiv, seine Antrittsbesuche bei Museen, Kunstvereinen und Kuratoren größerer Sammlungen hat er schon hinter sich gebracht. In der ein oder anderen Fachzeitschrift schaltet er zudem Anzeigen, um sich bekannt zu machen. Wenn Sillem Ende Oktober seine Galerie offiziell eröffnet, hofft er auf ein volles Haus. Illusionen macht er sich nicht: „Sollte ich in ein paar Jahren nicht von meiner Arbeit leben können, dann müsste ich ehrlich zu mir sein und einräumen: Vielleicht ist das alles doch nicht mehr als ein teures Hobby.“

Eines wird sich Peter Sillem im Rückblick auf sein Leben aber nie vorwerfen müssen – es nicht mit aller Kraft versucht zu haben.

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