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Peter Sillem : Mit 50 noch mal ganz neu anfangen

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Von da an machte Sillem innerhalb seiner Branche eine beeindruckende Karriere: Vom Lektor stieg er bis zum Programmgeschäftsführer auf. Am Ende war er verantwortlich dafür, mit welchen Büchern und Autoren der Verlag die Leser zu umwerben suchte. Budgetbeschlüsse, Organisationsfragen, Personalentscheidungen – daraus bestand jetzt sein Arbeitsalltag. Aus Sillem war ein Unternehmensmanager geworden, auch wenn er weiterhin einzelne Bücher selbst lektorierte.

„Ein Ort, wo ich mich hindenken konnte“

Dies hätte immer so weitergehen können, wenn Peter Sillem nicht im Spätherbst 2016 auf eine Immobilienanzeige aufmerksam geworden wäre – zu eben jenem Ladenlokal in Frankfurt-Sachsenhausen, das früher mal ein Internetcafé war. Sillem fuhr dorthin und war wie elektrisiert: „Ich hatte plötzlich einen Ort, wo ich mich hindenken konnte.“ Bis heute kann er nicht fassen, wie reibungslos von da an alles lief – fast so, als hätten die Räume ihn gesucht und nicht er die Räume. Der Makler hatte sogleich Zeit, schnell war man sich handelseinig. Und ehe er sich versah, hatte Sillem das Ladenlokal gemietet, ohne überhaupt genau zu wissen, was er mit den Räumen eigentlich machen wollte.

Spätestens jetzt hätten eigentlich die Zweifel kommen müssen: „Du hast zwei schulpflichtige Kinder, es ist unverantwortlich, was du da tust.“ Doch Sillem sagt, dass er keine einzige schlaflose Nacht hatte. Nach einem Gespräch mit seiner Frau war klar: Er würde in diesen Räumen ein Vorhaben verwirklichen, das schon immer einen festen Platz in seinem Lebensrückblick hatte einnehmen sollen – die Gründung einer Galerie. Ein wenig nervös, aber ohne lange zu zögern, unterrichtete er die Unternehmensspitze der S. Fischer Verlage von seiner Entscheidung. Die Reaktion war immer die gleiche, mit wem er auch sprach: großes Bedauern, aber auch große Begeisterung für sein Vorhaben. Merke: Wer etwas Neues wagen will, muss die Gelegenheit beim Schopfe packen, wenn sie sich bietet.

Allerdings könnte man sich fragen, ob die Gelegenheit wirklich so günstig ist, wie Sillem behauptet. Neueröffnungen von Galerien sind derzeit ein seltenes Phänomen, Schließungen dagegen kommen häufiger vor. Die Konkurrenz hierzulande ist groß. Muss er sich vielleicht doch Sorgen machen? Sillem ist sich des Risikos bewusst. Aber er ist überzeugt: „Die Leute überlegen sich in Zeiten niedriger Zinsen genau, was sie mit ihrem Geld machen. Kunst ist schön, man kann sie sich an die Wand hängen und sich jeden Tag daran erfreuen. So betrachtet, sind es vielleicht gute Zeiten, um Kunst zu kaufen.“

Blauäugig ist er nicht

Dazu muss man allerdings auch Kunstwerke haben, die man potentiellen Kunden anbieten könnte. Die Wände in Sillems Ladenlokal sind zwar frisch renoviert, die Fenster geputzt, in einer Ecke stehen ein paar Stühle und ein Schreibtisch, an der Wand aber hängt nur ein einziges Bild. Wie will es der frühere Lektor nur anstellen, diesen Raum mit Kunst zu füllen?

Wenn man ihn danach fragt, zeigt Sillem ein zuversichtliches Lächeln. Sein Vorhaben mag kühn erscheinen, doch blauäugig an die Sache herangegangen ist er nicht. Sillem verfolgt einen genauen Plan, bei dem ihm hilft, was er während seiner vielen Jahre im Verlagsgeschäft gelernt hat. „Für Galeristen gibt es genau wie für Verleger eigentlich nur eine Daseinsberechtigung: Dass sie Motor sind, um das in die Welt zu bringen, was die Künstler oder eben die Autoren leisten. In beiden Fällen vertraut uns jemand etwas sehr Persönliches an – ob es nun Manuskripte sind oder Kunstwerke, macht da keinen Unterschied. Künstler wie Autoren müssen das Gefühl haben, dass sie ihre Werke in gute Hände geben.“

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