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Personalberatung : Integrationshilfe für Manager

Michael Ensser Bild: Miriam May / Egon Zehnder

Wenn Manager das Unternehmen wechseln, haben sie oft Schwierigkeiten, sich an der neuen Wirkungsstätte einzugewöhnen. Der neue Chef der Personalberatung Egon Zehnder hat sich nun auf die Fahnen geschrieben, das zu ändern.

          Was es bedeutet, ins kalte Wasser geworfen zu werden, hat Michael Ensser schon früh gelernt. Im Jahr 1990 war das, da hatte er gerade sein Jura- und Politikstudium beendet. Weil er weder als Anwalt noch als Journalist, Letzteres sein Traumberuf aus der Jugendzeit, arbeiten wollte, bewarb er sich kurzerhand auf eine Stellenanzeige der Treuhandanstalt. Diese privatisierte zu dieser Zeit die Volkseigenen Betriebe der DDR - oder legte sie still. „Viele spannende Persönlichkeiten sind dorthin“, erinnert sich Ensser. Als Assistent von Behördenchefin Birgit Breuel arbeitete er sich in die unterschiedlichsten Betriebe ein. Unter anderem fand er sich in einer Hutfabrik in Guben an der Grenze zu Polen wieder, halb staunend, halb entsetzt. Arbeitsbedingungen wie in der Dritten Welt seien das gewesen, sagt der heute Fünfzigjährige.

          Julia Löhr

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Mittlerweile ist es seine Profession, anderen beim Sprung ins kalte Wasser zu helfen beziehungsweise dabei, dass sie das Wasser als nicht ganz so kalt empfinden. Seit Anfang des Jahres führt Ensser die Personalberatung Egon Zehnder International, eine der führenden in der Vermittlung von Führungskräften, auf dem deutschen Markt. Eines seiner Anliegen ist die aus seiner Sicht oft mangelhafte Integration von Managern an einer neuen Wirkungsstätte. Eine kürzlich von der Beratung durchgeführte Umfrage unter rund 500 Führungskräften auf der Welt hat ergeben, dass diese sich nach einem Stellenwechsel mehr Unterstützung von ihrem neuen Arbeitgeber wünschen. Nur 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich gut betreut fühlen. Allzu oft mangelt es dagegen offenbar an Informationen, wie die Arbeitsprozesse in einem Unternehmen ablaufen. Auch Misstrauen von Kollegen und Untergebenen sowie der Druck, möglichst schnell Erfolge zu liefern, erschweren den Start.

          „Man hat keine Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten“

          Egon Zehnder kommen die Umfrageergebnisse durchaus gelegen. Zwar ist es schon jetzt oft so, dass ein Personalberater seinem vermittelten Kandidaten auch in den ersten Wochen und Monaten in einer neuen Position mit Rat zur Seite steht, doch findet diese Begleitung oft informell und ohne Honorar statt. Das soll sich nun ändern. Derzeit wird nach Angaben von Ensser bei rund 5 Prozent aller vermittelten Positionen zusätzlich ein professionelles „Onboarding“ gebucht, wie die enge Begleitung in den ersten drei bis sechs Monaten im Personalberaterdeutsch heißt. Dieser Anteil soll spürbar wachsen. Dazu wurde eine Kooperation mit dem amerikanischen Autor Michael Watkins und seiner Beratungsgesellschaft Genesis Advisers vereinbart, die sich schon seit längerer Zeit mit den Tücken der ersten 90 Tage in einer neuen Position beschäftigt.

          Sind große Unternehmen mit all ihren Seilschaften und ungeschriebenen Regeln unregierbar geworden? Keineswegs, sagt Ensser. Wie die meisten Personalberater hält auch er sich mit Kritik an der deutschen Wirtschaftselite zurück. Vielmehr seien es die Globalisierung und die Digitalisierung, die das Tempo in der Wirtschaft so erhöhten und die Linien zwischen Freund und Feind so verwischten, dass Manager Unterstützung brauchten. „Man hat nicht mehr die Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten“, sagt der Berater. „Eine Führungskraft kann dem Personalberater Fragen stellen, die sie intern nicht immer stellen könnte. Zumindest nicht, ohne dabei womöglich unbedarft zu wirken.“


          Quelle: F.A.Z.

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