http://www.faz.net/-gyl-920c7

Personalarbeit digital : Apps, Bots und Algorithmen

Roboter Quinn Nao tritt auf der Messe „Zukunft Personal“ auf. Bild: Nadine Bös

Weiterbildung vom Bot oder Kantinenverabredung per Algorithmus: Die Spielereien der Personalabteilungen in der digitalen Arbeitswelt werden immer verrückter. Hier sind ein paar spannende Beispiele.

          Videointerview statt Bewerbungsanschreiben, Weiterbildung vom Bot, Kantinenverabredung per Algorithmus: Auf der Messe „Zukunft Personal“ in Köln ließen sich in der vergangenen Woche die neuesten Trends aus der Welt der Talentsuche, Weiterbildung und Mitarbeiterbindung bewundern – von komplexen Bewerbermanagementsystemen bis hin zu kleinen Raffinessen für die Arbeitswelt.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Da trat zum Beispiel der Roboter Quinn Nao von IBM auf, um zu zeigen, wie die Künstliche Intelligenz des Supercomputers Watson heute schon in Personalabteilungen zum Einsatz kommen kann: Etwa, indem er Bewerber und offene Stellen möglichst optimal zusammenbringt. Die Künstliche Intelligenz wertet aus, welche Stellen am dringlichsten zu besetzen sind und wie der „Traumkandidat“ dafür aussähe. Anhand von Daten gleicht der Roboter ab, welche Bewerber diesem Profil am nächsten kommen. Füttern kann man Watson mit Stellenbeschreibungen, Inhalten von Lebensläufen, Arbeitsproben, Zeugnissen und vielem mehr. Auch soll er heute schon in der Lage sein, längere Texte so zu analysieren, dass sich Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale des Verfassers ziehen lassen. Mit Hilfe von Informationen aus sozialen Netzwerken will der Roboter auch herausfinden können, wie gut jemand zur Unternehmenskultur passt.

          Aber nicht nur Konzerne, auch viele junge Gründer präsentierten spannende – und zumeist digitale – Ideen für die Personalarbeit der Zukunft: So führte das Start-up „Everskill“ den Bot „Tobi“ vor, der Mitarbeiter sechs Wochen lang an die Inhalte ihrer letzten Schulung erinnern kann. Nach einem Training für besseres Arbeitsplatzmanagement sagt Tobi zum Beispiel täglich Bescheid, dass man sich vorgenommen hatte, die E-Mails besser zu sortieren. Er kann zu diesem Zweck eine kurze Erinnerung aufs Smartphone schicken oder den Mitarbeiter anrufen.

          Das ebenfalls noch junge Unternehmen „Talentcube“ hat eine App entwickelt, mit deren Hilfe Bewerber anstelle eines Anschreibens drei Fragen per Live-Video auf dem Smartphone beantworten können. Anhand der Antworten und eines damit verbundenen Xing-Profils entscheidet dann der Arbeitgeber, ob er den Kandidaten zum Vorstellungsgespräch einladen möchte. Anschreiben und Lebenslauf: überflüssig.

          Die Gründer des Unternehmens „Jobunication“ entführen mit einer Virtual-Reality-Brille die Besucher der echten auf eine digitale Ausstellung: Sie simulieren eine Karrieremesse für Studenten, über die man ganz bequem vom Wohnheim-oder WG-Sofa aus bummeln kann. Vom Sofa aus funktioniert auch „Selfapy“, eine Online- Psycho-Beratung, die Mitarbeiter vor Stress und Burnout bewahren soll. Das geht per Klick und ohne Wartezeit auf einen Therapieplatz.

          Ganz analog, also von Angesicht zu Angesicht. zusammenbringen möchte das Start-up „Mystery Lunch“ die Mitarbeiter von Unternehmen. Indem es ihnen einen Mittagessenspartner vermittelt, den sie vorher noch nicht kannten. Das soll den Kontakt zu neuen Kollegen fördern und den Austausch zwischen Abteilungen. Völlig ohne digitale Elemente kommt aber auch das nicht aus: Um die Essensteams besonders schlau zu paaren, nutzt das System einen Algorithmus.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          China, Reich der Ideen

          Eigene Innovationen : China, Reich der Ideen

          Bisher haben die Chinesen nur kopiert. Jetzt versuchen sie es mit eigenen Innovationen. Könnte die Weltwirtschaft bald aus dem Reich der Mitte heraus regiert werden?

          Topmeldungen

          Auch Andrea Nahles hat in der deutschen Politik schon häufig Erfahrungen mit Sexismus gemacht.

          SPD-Fraktionschefin : Nahles: Viel Sexismus in der deutschen Politik

          Sexismus in der deutschen Politik? Überall, immer wieder, sagt Andrea Nahles und beschreibt typische Situationen. Zumindest in der SPD will die neue Fraktionschefin das nun ändern. Frauen sollten Männer mit ihren eigenen Waffen schlagen.
          Mitte September in München: Urteilsverkündung im Prozess gegen zwei mutmaßliche islamistische Kämpfer aus Syrien. 2017 leitete die Bundesanwaltschaft schon mehr als 900 Verfahren wegen Terrorismus ein.

          Bundesanwaltschaft : 2017 schon mehr als 900 Terror-Verfahren

          Die Zahl der Terrorismus-Verfahren in Deutschland nimmt deutlich zu. Das geht einem Bericht zufolge aus den aktuellen Zahlen der Bundesanwaltschaft hervor. Der rapide Anstieg stellt die Behörde vor große Probleme.

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Die Zentralregierung greift härter als erwartet durch, aus Protest gehen hunderttausende Katalanen auf die Straße. Regionalpräsident Puigdemont bezeichnet Madrids Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens als „schlimmste Attacke“ gegen die Region seit der Franco-Diktatur.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.