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Palomar 5 : Die Hippies aus dem Ideenhaus

  • -Aktualisiert am

Sie sind kreativ... Bild: Norbert Ittermann

Für sechs Wochen sind in Berlin junge Kreative zusammengekommen. Viele sind Freiberufler, manche kommen aber auch aus Festanstellungen oder sind bereits Unternehmer. Allen gemeinsam ist ein Ziel: Sie wollen die Arbeitswelt revolutionieren.

          Rund 76.000 Lichtjahre ist der Kugelsternhaufen Palomar 5 von der Erde entfernt. Ungefähr genauso weit weg scheint auf den ersten Blick das Camp Palomar 5 in Berlin-Tempelhof von der Arbeitswelt: „Wie könnte ein Arbeitgeber besser den Bedürfnissen seiner Angestellten gerecht werden?“, fragt ein Poster an einem riesigen Raumteiler in der alten Fabrik, wo sich das Projekt seit dem 9. Oktober eingemietet hat. „Leidenschaft“, „Umarmung“, „Verliebtsein“ sind als Antworten eingekreist.

          Dem Brainstorming lag der Begriff der Liebe als Metapher zugrunde; die Idee, eine Festanstellung als feste Beziehung zu denken und das Freiberuflerleben als Singletum. „Wir müssen ungewöhnliche Wege gehen, wenn wir mit alten Paradigmen brechen wollen“, sagt Jonathan Imme auf einem roten Mini-Liegestuhl in einem der Arbeitsräume, die mit bekritzelten Wänden und bunten Skulpturen in den Ecken an eine Mischung aus Künstleratelier und Kindergarten erinnern. Dass ein Bruch in der Arbeitswelt notwendig ist, steht für den Organisator von Palomar 5 außer Frage. „Die klassische Festanstellung mit klar geregelten Aufgaben und Arbeitszeiten ist für viele Menschen nicht mehr attraktiv. Geld und Sicherheit sind als Motivationsfaktoren nicht mehr genug.“

          Um herauszufinden, was genau verändert werden sollte, hat der 25-Jährige mit fünf Mitstreitern Palomar 5 gegründet. In einer Diskussionsrunde auf einer Veranstaltung in Berlin kam der Musikbusiness-Student auf die Idee, ein „Ideenhaus“ zu bauen. Der Vorstand Produkt und Innovation der Deutschen Telekom, Christopher Schläffer, war dabei: „Ich spüre hier eine gute Idee. Macht doch mal ein Konzept dazu“, schlug er Imme und dessen Freunden vor. Fünf Tage später saßen sie in einem von der Telekom gemieteten Büro, um ein sechswöchiges Camp mit 30 Kreativen aus der ganzen Welt zu organisieren.

          ...dynamisch...

          600 Bewerbungen aus der ganzen Welt

          Für das Camp haben Imme und sein Team 600 Bewerbungen aus der ganzen Welt erhalten, 28 Teilnehmer aus 13 Ländern haben sie herausgesucht. Alle sind unter 30 Jahren. Das war die Vorraussetzung. Ansonsten ist die Mischung bunt. Vom Künstler über den Ingenieur bis zum Wissenschaftler sind verschiedene Kreativrichtungen vertreten. Viele sind Freiberufler, manche kommen aber auch aus Festanstellungen oder sind bereits Unternehmer.

          „Ich bin eine Art Megamaniac“, sagt Kosta Grammatis, ein 24 Jahre alter Amerikaner. Er will ein satellitenbasiertes, kostenloses Internet anbieten. Eine Gruppe von fünf Palomar-5-Teilnehmern hat sich jetzt um Grammatis geschart, um die Idee weiterzuentwickeln. „Mit nur einem Satelliten kann man einen ganzen Kontinent abdecken“, schwärmt er. Am besten fände Grammatis es, wenn die Vereinten Nationen sich des Themas annehmen würden. Freier Zugang zu Informationen sei ein Menschenrecht, den er und sein Team nicht nur von Unternehmen kontrolliert sehen möchten. „Wir sind hier bei Palomar 5 schon zu einem ziemlich hohen Maß echte Hippies.“

          Hippies mit Expertenwissen

          Hippies mit Expertenwissen - Grammatis weiß, wovon er spricht. Für das Unternehmen Space X hat er eine Rakete mitkonstruiert, die einen kommerziellen Satelliten ins All geschossen hat. Medienaufmerksamkeit bekam er durch die künstliche Augenprothese Eyeborg, die er für den Filmemacher Rob Spence konstruiert hat. Grammatis hat Abschlüsse in Kreativem Schreiben und Ingenieurwissenschaft. Eine Festanstellung kann er sich momentan schwer vorstellen.

          Einen ähnlich selbstbewussten Weg hat Jyoti Guptara gewählt. Mit 15 Jahren entschied Guptara, indisch-britischer Herkunft und in der Schweiz wohnhaft, dass er sich besser zu Hause selbst unterrichten könnte, und brach die Schule ab. Zur gleichen Zeit publizierte Guptara das erste Mal im „Wall Street Journal“. Davor hatte er bereits mit seinem Zwillingsbruder begonnen, eine Fantasy-Trilogie zu schreiben. „Calaspia“ machte die beiden zu Bestsellerautoren.

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