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Nachwuchs für die Werbebranche : Jung von Matt gründet Akademie

Jung von Matt kümmert sich nun um die Ausbildung des Werber-Nachwuchses. Bild: Florian Sonntag / F.A.Z.

Google, McKinsey, Start-ups: Wer kreativ arbeiten möchte, hat heute viele Möglichkeiten. Die Folge: Werbeagenturen mangelt es an Nachwuchs. Jung von Matt steuert nun mit einer eigenen Schule dagegen.

          Die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt gründet eine Akademie, die Fachkräfte für die sich im Umbruch befindliche Werbebranche ausbilden soll. Die Agentur wird dafür nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Peter Figge jedes Jahr einen hohen sechsstelligen Betrag investieren. „Vielleicht wird es auch ein siebenstelliger Betrag“, sagte Figge im Gespräch mit dieser Zeitung. Die „JvM-Academy“ soll im April 2014 ihre Arbeit in einem früheren Rinderstall auf dem Schlachthofgelände in Hamburg aufnehmen und jährlich 20 Schüler ausbilden. Vorbild für das Vorhaben sei jene Akademie, in der Axel Springer in Berlin Journalisten ausbildet, sagte Figge. Einer der Schwerpunkte der Ausbildung ist der Einsatz digitaler Medien in der Werbung.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Schon seit geraumer Zeit beklagen führende Köpfe der Werbebranche, dass es schwieriger wird, Nachwuchs für die Arbeit in den Agenturen zu begeistern. Technologiekonzerne wie Google, Unternehmensberatungen wie McKinsey, aber auch Start-ups gelten unter Hochschulabsolventen mittlerweile als ebenso spannende Alternativen und bieten bei ähnlich hoher Arbeitsbelastung häufig eine deutlich bessere Bezahlung. „Unsere Gehälter sind nicht wettbewerbsfähig - das ist so“, sagte Lothar Leonhard, der Präsident des Agenturverbandes GWA, am Dienstag in Frankfurt, als er die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage des Verbands vorstellte. In dieser Umfrage beklagen sich die Agenturen unter anderem über den Mangel an qualifiziertem Nachwuchs.

          „Die Qualität der Bewerbungen wird nicht unbedingt besser“

          Zwar hat Jung von Matt als eine der führenden und vielfach ausgezeichneten Adressen in der deutschen Werbebranche vergleichsweise geringe Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Aber: „Die Qualität der Bewerbungen wird nicht unbedingt besser“, sagte Agenturchef Figge. Die Akademie sei explizit offen für Mitarbeiter anderer Agenturen beziehungsweise Schüler, die später in anderen Agenturen arbeiten wollten. „Wir hoffen natürlich, dass sich die Besten dafür entscheiden, bei uns zu bleiben.“ Die Schüler müssen für die Ausbildung 800 Euro im Monat zahlen. Sie erhalten zugleich ein Praktikantengehalt von ebenfalls 800 Euro im Monat.

          Jung von Matt betreibt die Akademie gemeinsam mit der Good School in Hamburg, die auf den Umgang mit neuen Medien spezialisiert ist. Beide sind zu gleichen Teilen Gesellschafter der gemeinnützigen JvM-Foundation (gGmbH). Um die Kräfte auf den Aufbau der Schule zu konzentrieren, nimmt Jung von Matt in diesem wie in den folgenden ungeraden Jahren nicht an Kreativfestivals teil. Die Teilnahme etwa beim ADC oder den Cannes Lions ist mit hohen Kosten verbunden. Viele Agenturen geben stattliche sechsstellige Summen im Jahr aus, um ihre Arbeiten zu den Wettbewerben einzureichen. Dieses Geld soll nach den Worten Figges nun in die Akademie fließen.

          Wirtschaftlich steht die inhabergeführte Agentur - anders als so manche Deutschland-Niederlassung internationaler Werbekonzerne - gut da. Der Umsatz der Jung-von-Matt-Gruppe wuchs im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 128 Millionen Euro. Die Agentur konnte zuletzt Werbeetats wie Edeka und Nivea sowie zusätzliche Projekte des Stammkunden Mercedes für sich verbuchen. Die Zahl der Mitarbeiter legte im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf nun 1230 zu. Mehr als ein Viertel davon seien Spezialisten für digitale Werbung, berichtete Figge. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich. Die Stimmung der Kunden sei von Vorsicht geprägt.

          Die Verantwortlichen in anderen Agenturen sehen das Bild ähnlich, waren zuletzt aber nicht so erfolgreich. Wie GWA-Präsident Leonhard vermeldete, erwarten die Mitglieder des Verbands in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 5,6 Prozent. Im vergangenen Jahr sind die Einnahmen der Agenturen der Umfrage zufolge um 5,4 Prozent gewachsen. Die mittlere Umsatzrendite gaben die Agenturen mit 10,5 Prozent an. Vor einigen Jahren waren noch Werte von 15 Prozent und mehr üblich. Schwierig sei es, dass die Unternehmen immer mehr auf Projektbasis bezahlten. „In Zukunft wird man Agenturen viel stärker betriebswirtschaftlich führen müssen“, sagte Leonhard. Wie wichtig eine bessere Nachwuchsarbeit ist, zeigte sich in der Frage, ob die Werber ihren Kindern raten würden, selbst in die Werbung zu gehen: Mit „Ja“ antworteten nur 67 Prozent der Befragten. Das übrige Drittel riet lieber ab.

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