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Home Office, Großraumbüro : Die großen Büromythen

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Kurze Wege, schnelle Absprachen: Mitarbeiter des amerikanischen Finanzdienstleisters Bloomberg in einem Großraumbüro der New Yorker Konzernzentrale. Bild: LAIF

In der schönen neuen Arbeitswelt stellt sich manche vermeintliche Segnung am Ende als ziemlich heikel heraus. Vier Beispiele, was passieren kann, wenn das Gutgemeinte ein schlechtes Ende nimmt.

          Wird im beruflichen Umfeld eine Lösung für ein spezielles Problem gefunden, so neigen viele Firmen dazu, mit dieser Lösung flächendeckend das ganze Unternehmen zu beglücken. Doch wie gesund ist das wirklich? Wir haben vier  Allzweckwaffen, mit der fast jede Abteilung arbeitet, genauer unter die Lupe genommen.

          Stress im Großraumbüro

          Architekten und Vorgesetzte lieben das Großraumbüro. Die einen entwerfen lichtdurchflutete Räume und dürfen großzügig planen, anstatt kleinteilige Zellen zu skizzieren. Die Chefs mögen zusammengelegte Büros, weil sie die Mannschaft auf einen Schlag im Blick haben. Außerdem schätzen viele Führungskräfte das Macht manifestierende Ritual, einen Mitarbeiter im eigenen, abgeschotteten Reich zu empfangen. Für Großraumbüros wird deshalb mit den Totschlagargumenten der kurzen Wege, der Zusammenarbeit auf Zuruf, der schnellen Kommunikation geworben. Aber mögen es die Mitarbeiter eigentlich, auf engstem Raum zusammenzusitzen? Nicht wirklich. „Wir reagieren auf zu hohe Dichte mit Stress, vor allem in einer Kultur wie der unseren, die Wert auf Individualität legt“, sagt Michael Ziegelmayer, Vizepräsident des Berufsverbands Deutscher Psychologen. Das zeige die Evolution: Selbst Tiere, die sozial gut organisiert sind, wie Ratten oder Lemminge, bringen sich gegenseitig um, wenn sie auf zu engem Raum zusammengepfercht sind.

          Dass das durchaus auch auf Menschen übertragbar ist, stellt ein Projekt von Studierenden der Technischen Universität München am Lehrstuhl für Strategie und Organisation von Isabell M. Welpe fest. Sie dokumentierten den Stresswert in verschiedenen Bürokonstellationen. In Großgruppenbüros mit mehr als vier Kollegen wurde dabei der höchste Stresspegel gemessen, im Büro mit bis zu vier Mitarbeitern herrschte der niedrigste Stresswert. Für die Arbeit im Großraumbüro gilt also: Wer die immer gleichen Vorgänge abwickelt, die sich quasi blind erledigen lassen, kann dort routiniert seine Arbeit erledigen.

          Bei anspruchsvollen Aufgaben mit geringen Routineanteilen braucht es hingegen Stille und Rückzugsmöglichkeiten. Haben Mitarbeiter kein stilles Plätzchen, an das sie sich bei Bedarf zurückziehen und konzentriert arbeiten können, ohne dabei ständig durch Telefonate oder Diskussionen der Kollegen abgelenkt zu werden, kann sich das negativ auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz und somit auch negativ auf die Motivation der Mitarbeiter auswirken. Und schlecht motivierte Mitarbeiter verursachen laut einer Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup aus dem Jahr 2013 in Deutschland jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 118 Milliarden Euro.

          Tücken des „Brainstorming“

          Die Abteilung wird zum Rapport gerufen. Die Zeit drängt, der Kunde will Ergebnisse sehen. Alle Kollegen treffen sich und sollen zwischen elf und zwölf Uhr gemeinsam mindestens drei brillante neue Geschäftsstrategien entwickeln. Die Vorgesetzten reiben sich die Hände in freudiger Erwartung ob des Ideensturms, den sie da gerade entfesselt zu haben glauben. Kann das berühmte Brainstorming, in den 1930er Jahren von dem amerikanischen Werbefachmann und Philosophen Alex F. Osborn erfunden, wirklich funktionieren? „Ja, wenn das Unternehmen eine wertschätzende Führung und offene Kommunikationskultur hat. Und eine Fehlertoleranz besteht“, sagt Psychologe Ziegelmayer.

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