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Crowdfunding : Seriöser Student sucht Sponsoren

  • -Aktualisiert am

Addis aus Addis möchte nach Frankfurt. Bild: Privat

Über das Internet Investoren für Startup-Firmen zu suchen - das ist schon halbwegs gängig. Als Mittel zur Studienfinanzierung ist Crowdfunding noch weniger bekannt. Kann das denn funktionieren?

          Addis aus Addis nennen ihn seine Freunde. Addis Tigabu ist in der Hauptstadt Äthiopiens aufgewachsen und hat dort an der Universität Englisch und Literatur studiert. In der Landessprache Amharisch heißt Addis Abeba „Neue Blume“.

          „Der Neue“ bedeutet auch sein Vorname, er fühle sich mit 30 Jahren allerdings nicht mehr ganz neu, sagt Tigabu und lacht. Nach seinem Studium hat er zuerst als Englischlehrer gearbeitet, seit vier Jahren arbeitet er in der Kommunikationsabteilung des „International Food Policy Research Institute“ in Addis Abeba. Das Institut erforscht, wie mit Hilfe der Agrarwissenschaften Armut und Hunger bekämpft werden können.

          Im Wintersemester möchte Tigabu an der Frankfurt School of Finance and Management den Masterstudiengang International Business beginnen. Er hat von der Hochschule ein Stipendium zugesprochen bekommen, das den größten Teil der Studienkosten abdeckt. Um ein Visum zu bekommen, muss er aber nachweisen, dass er auch seinen Lebensunterhalt, eine Unterkunft und eine Krankenversicherung finanzieren kann. Mit seinem äthiopischen Gehalt wäre das unmöglich.

          Gemeinsam mit der Deutschen Eva Hanau hat Tigabu das Projekt „Fundmystudies“ gegründet, eine Crowdfunding-Plattform für begabte Studenten, die aus finanziellen Gründen keinen Zugang zu renommierten Universitäten haben. Beim Crowdfunding wird über eine Website Geld gesammelt, sei es als Anlage oder als Spende. Eva Hanau hat in Tübingen studiert und danach in Addis Abeba mit Tigabu zusammengearbeitet. Seit Beginn dieses Jahres haben die beiden an der Plattform getüftelt, die Website www.fundmystudies.org erstellt und Kontakte geknüpft.

          Den Förderern etwas zurückgeben

          Manchmal hätten sie bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet, sagt Tigabu. In Afrika sei Crowdfunding noch sehr selten. Auch auf der deutschen Plattform Startnext und der amerikanischen Website Kickstarter sammeln vor allem Künstler und Jungunternehmer Kapital, Ausbildungsprojekte gibt es kaum. Tigabu will das ändern und eine Möglichkeit zur „demokratischen Studienfinanzierung“ schaffen. In der Dritten Welt gebe es nichts Kostbareres als Bildung. Er möchte deshalb ein Vorbild für andere Studenten sein und sie ermutigen, für ihre Bildung zu kämpfen. Der Aufwand hat sich gelohnt, 6020 Euro sind für Tigabu schon gespendet worden. Einige Unterstützer haben ihm außerdem einen privaten Kredit zugesichert, damit er für den Visumsantrag bei der deutschen Botschaft in Addis Abeba die benötigten 8040 Euro vorweisen kann. Auf einer Benefizveranstaltung in Frankfurt soll noch einmal gesammelt werden. Tigabu ist voller Enthusiasmus, sein größter Traum ist es, den Masterabschluss einer international renommierten Hochschule zu erreichen.

          Seinen Förderern will er etwas zurückgeben, er wird sie auf dem Laufenden halten über sein Studium und sein Leben in Deutschland. Laut Angelika Werner, Sprecherin der Frankfurt School, hat Tigabu das Aufnahmeverfahren mit Bravour bestanden. „Wir freuen uns sehr, dass ein Student aus Äthiopien zu uns kommt und dass er sich so engagiert.“ Die Stipendien würden von der Frankfurt School nach Leistung und Bedürftigkeit vergeben, Tigabu sei außergewöhnlich gut qualifiziert. Einmal war er schon in Deutschland, zu Besuch bei Freunden. Sie haben ihm Frankfurt, Berlin, München gezeigt. Das schönste Erlebnis sei es gewesen, als sie mit dem Rad um sieben Uhr früh von München aus losgefahren seien nach Schloss Neuschwanstein. „Das war wie im Märchen“, sagt Tigabu. Er sei begeistert von der überwältigenden Landschaft gewesen, von der wunderbaren Luft und dem klaren Wasser in den Flüssen und Seen.

          Als Studienort war Frankfurt für ihn erste Wahl. Die Frankfurt School biete einen äußerst renommierten Abschluss und zugleich ein sehr internationales Umfeld. Tigabu fährt für sein Leben gern Rad, wann und wo immer er kann. Wenn er nach Frankfurt kommt, möchte er sich als Erstes ein Rad kaufen und damit die Stadt entdecken.

          Die Benefizveranstaltung findet am 10. Juli im Frankfurter Kulturlokal Orange Peel, Kaiserstraße 39, statt.

          Quelle: F.A.Z.

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