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Leitsätze : Glauben heißt nicht wissen

  • -Aktualisiert am

Banale Weisheit: Gute Karrieretipps gibt es nicht zum Dessert. Bild: Getty

Im Berufsleben folgen wir gern althergebrachten Leitsätzen - oft genug in die falsche Richtung. Dagegen hilft nur, solche Prinzipien regelmäßig in Frage zu stellen.

          „Wer beruflich erfolgreich sein will, muss viel arbeiten.“ Diesen Satz hört man häufig, gerade in Deutschland, wo der Soziologe Max Weber über Protestantische Arbeitsethik geschrieben hat. Doch stimmt der Satz? Was ist mit der Umkehrung: Sind Menschen, die bislang (noch) keine hochgesteckten beruflichen Ziele erreicht haben, deshalb faul?

          Der Karriereberater Valentin Nowotny zweifelt daran. „Erfolg basiert auf vielen Faktoren“, sagt der Psychologe aus Berlin. Zwar gehöre Leistungsbereitschaft dazu, doch spielten zum Beispiel auch Talent, Berufung, Leidenschaft und ein gut gepflegtes Netzwerk eine Rolle. Natürlich auch der Zufall. Wer zufällig im passenden Moment einer einflussreichen Person begegnet, kann ihr seine Ideen unterbreiten und beruflich vorankommen. Auch der Hinweis auf eine Stellenausschreibung im geeigneten Augenblick kann einen Menschen mehr voranbringen als das jahrelange Schuften im betrieblichen Hamsterrad.

          „Wer beruflich erfolgreich sein will, muss viel arbeiten.“ Ist man dieser Überzeugung, muss man zwangsläufig Fünfzig-Stunden-Wochen einplanen und jede Ablenkung vermeiden. Wer hat dann noch die Kraft, eine Weiterbildung zu besuchen, durch die sich auch neue Karrierechancen ergeben können? Freiberufler, die stur ihre Aufträge abarbeiten, finden meist kaum Zeit, über neue Geschäftsstrategien nachzudenken. Folglich bleiben sie auf einem Niveau stecken. „Wer beruflich erfolgreich sein will, muss viel arbeiten“ - dieser Zusammenhang stimmt manchmal. Oft aber auch nicht, wie Biographien berühmter Studienabbrecher und Querdenker belegen. Trotzdem hält sich die Überzeugung, dass der Satz richtig ist.

          Oft unhinterfragt: „Mädchen können kein Mathe“

          Manche Karriereberater sprechen von „Glaubenssätzen“, die uns prägen und leiten. Bisweilen in die falsche Richtung. Valentin Nowotny definiert sie als „Beobachtungen und Erfahrungen, die sich verdichtet haben“ zu festen Überzeugungen. In seinen Beratungen hat er häufig damit zu tun. Viele Menschen folgen ihr Leben lang Glaubenssätzen, manchmal, ohne sich dessen bewusst zu sein. Oft handelt es sich durchaus um positive Botschaften, die in einer Familie von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, wie „Uns kann nichts umhauen. Wir sind noch mit jeder Krise fertig geworden“. Richtig gemein klingt dagegen der Satz „Mädchen können kein Mathe“. Trotzdem haben ihn Lehrer früherer Jahre nicht hinterfragt und ihn an ihre Schülerinnen weitergegeben. Auch in vielen Unternehmen gibt es ausgesprochene oder unausgesprochene Glaubenssätze. „Wir müssen uns um das Internet nicht kümmern, davon redet in ein paar Jahren kein Mensch mehr“ lautete vor Jahren eine Überzeugung, die manchen Manager viel Geld oder den Posten kostete.

          Die Münchner Psychologin Madeleine Leitner mag das Wort „Glaubenssätze“ nicht, weil es ihrer Beobachtung nach oft von Menschen aus der Esoterikszene verwendet wird. Lieber benutzt sie den Fachbegriff „Kognitionen, der aus der wissenschaftlich fundierten Psychologie“ kommt: Hier gehe es um Einstellungen, Bewertungen und Überzeugungen sowie die Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Handeln, erklärt sie.

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