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Leistung und Laster : Raucher in die Zone

Was vom einstigen Lebensgefühl geblieben ist Bild: dpa

Es gibt kaum Unternehmen, in denen der Raucher noch Raucher sein darf. Viele schicken die Süchtigen vor die Tür. Die stört das wenig - sie rauchen unverdrossen weiter. Und knüpfen neue Kontakte.

          Passionierte Raucher haben es schwer. Nicht nur, dass ihnen der Zug an der Zigarette in Restaurants, Kneipen und öffentlichen Gebäuden weitgehend untersagt ist, auch am Arbeitsplatz können sie kaum noch ihrem Laster nachgehen. Oftmals hilft da nur der Gang in eine abgelegene Ecke, in der Hoffnung, kein aufgesetztes und abwertendes Husten vorbeieilender Nichtraucher abzubekommen. Vorbei sind die Zeiten, als der Marlboro-Cowboy die Zigarette zum Symbol der Freiheit stilisierte. Wayne McLaren war wohl der bekannteste dieser Cowboys und verstarb an Lungenkrebs. Das ist es, was vom einstigen Lebensgefühl geblieben ist: die todbringende Sucht.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          So sieht zumindest die vorherrschende Meinung in den großen Unternehmen in Deutschland aus. Froh sein darf der Raucher, der sein eigenes Büro zuqualmen darf oder noch die Gelegenheit hat, nur einen mehr oder weniger kurzen Weg zur "Raucherzone" zurücklegen zu müssen. So wie Anette Trapp. Sie ist Referentin im Rechnungswesen der Allianz Deutschland AG - und Raucherin. Seit Jahren bestehen in dem Unternehmen Betriebsvereinbarungen zum Nichtraucherschutz. Die jeweiligen Details werden mit lokalen Betriebsratsgremien vereinbart. Generell gilt immer der Vorrang der Nichtraucher. In München gibt es Raucherzonen, bis vor kurzem durfte auch in der Cafeteria geraucht werden. "Wir haben einen Raucherraum im Erdgeschoss. Zudem darf man an einem Übergang zwischen zwei Gebäuden rauchen", sagt Trapp. Raucher seien die Minderheit im Betrieb, und ab und an sage der eine oder andere Nichtraucher auch etwas, vor allem, wenn man an der Automatenstation am Übergang rauche. "Aber wenn die Fenster geschlossen sind, ist es da auch oft recht stickig. Das stimmt schon."

          Unvorstellbar, das Gebäude verlassen zu müssen

          Dennoch komme es eigentlich zu keinen Auseinandersetzungen. "In dem Raum, in dem wir rauchen, kommt eh kein Nichtraucher vorbei." Natürlich gebe es hin und wieder den Vorwurf, dass Raucher Zeit vertrödelten. "Dies stimmt so aber nicht, da man die Zeit zum Beispiel sehr gut zum Lesen von Fachartikeln nutzen kann. " Zudem rauche sie während der Arbeit auch wesentlich weniger als am Wochenende. "Das ist eine Sache der Gewohnheit."

          Draußen vor der Tür: die Zeit vertrödelt?

          Unvorstellbar ist es für Trapp, das Gebäude ganz verlassen zu müssen, um sich eine Zigarette genehmigen zu können. Das müssen die Mitarbeiter von Daimler seit Juli vergangenen Jahres tun. "Raucher sollen nicht diskriminiert werden", sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm. Aber Nichtraucher dürften nicht gezwungen werden, "am Arbeitsplatz, in der Pause oder auf dem Weg dorthin den Rauch anderer einzuatmen". Also müssen die Raucher nach draußen. Immerhin hält das Unternehmen dort Möglichkeiten zum Unterstellen für sie bereit. Ein kleiner Trost, wenn mal wieder ein Regenguss die Zigarettenpause begleitet.

          Ein herabwürdigendes Gefühl

          Andere Unternehmen, andere Lösungen: Siemens hat in seiner Zentrale sogenannte "Raucherpilze" eingerichtet: zehn Stück für 1000 Mitarbeiter. Die Wege seien nicht weiter als zur Toilette, sagt ein Sprecher. Und so stehen die Raucher unter den Raucherpilzen, in deren Dach sich Filter befinden, die den Rauch einsaugen und die Luft reinigen. Für den ein oder anderen firmenfremden Raucher ein herabwürdigendes Gefühl. Das sei ja wie in einem Staubsauger.

          Doch von den Siemens-Mitarbeitern selbst seien keine Klagen zu hören, lässt der Sprecher verlauten. Schließlich sei der Nichtraucherschutz schon seit Ende der achtziger Jahre Thema und seit drei Jahren das Rauchen laut der Betriebsvereinbarung auf ausgezeichnete Zonen beschränkt. "Die Raucherpilze haben sich mittlerweile zu beliebten Treffpunkten entwickelt. Auch Nichtraucher kommen dort gerne hin." Das sei doch besser als die Raucherkabinen an den Fertigungsstandorten. Denn dort ist auch der Trend "Smirting" eher unwahrscheinlich. Ganz im Gegensatz zu den Raucherpilzen: "smoke" und "flirting" am Arbeitsplatz.

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