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Offene Lehrstellen : Azubi-Lücke versetzt Regierung in Unruhe

  • Aktualisiert am

Auszubildende werden zunehmend rar. Bild: dapd

Die Regierung warnt, dass es immer schwerer wird, Lehrstellen zu besetzen. Schon jetzt gebe es eine Azubi-Lücke. Sogar in Maßnahmen für schwer vermittelbare Kandidaten werden schon weniger Jugendliche geparkt.

          Schon länger schwelt in Deutschland die Debatte über eine möglicherweise zu starke Akademisierung. Wirtschafts- und Industrieverbände beklagen, immer mehr junge Leute würden lieber studieren, statt eine Ausbildung zu machen. Gleichzeitig gingen auch durch die demographische Entwicklung die Lehrstellenbewerber verloren. Die Bundesregierung stimmt nun in diesen Tenor ein: Sie erwartet einem Medienbericht zufolge, dass die deutsche Wirtschaft zunehmend Probleme bei der Besetzung ihrer Lehrstellen bekommen wird.

          Es werde „grundsätzlich schwieriger, das betriebliche Angebot und die Nachfrage der Jugendlichen zusammenzuführen“, und zwar „nach Berufen, regional und anforderungsspezifisch“, heißt es nach Angaben der „Bild“-Zeitung (Freitagsausgabe) in einem Schreiben von Bildungsstaatssekretär Stefan Müller (CSU) an die Linken-Bundestagsabgeordnete Rosemarie Hein. Im vergangenen Jahr konnten demnach 33.534 Lehrstellen bundesweit nicht besetzt werden. Das sei ein neuer Höchststand gewesen.

          Neue Nahrung erhält die Debatte auch durch eine weitere Meldung zum Arbeitsmarkt für junge Menschen: Im Jahr 2013 gab es weniger Teilnehmer an so genannten Bildungsprogrammen im Übergangsbereich als im Vorjahr. Das heißt: Weniger Jugendliche waren in Maßnahmen geparkt, weil sie keine Lehrstelle fanden. In solchen Maßnahmen erwerben junge Menschen üblicherweise Grundkenntnisse etwa in Mathematik oder handwerklichen Fertigkeiten oder holen den Haupt- oder Realschulabschluss nach.

          Die stärksten Rückgänge im Übergangsbereich verbuchten die so genannten Einstiegsqualifizierungen (minus 9,2 Prozent) und die berufsvorbereitenden Bildungsgänge der Bundesagentur für Arbeit (minus 7,4 Prozent), wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das passt ins Gesamtbild: Wenn es insgesamt schwieriger wird, Lehrstellen zu besetzen, liegt es nahe, dass weniger Jugendliche in Übergangsmaßnahmen verweilen müssen.

          Eine berufliche Ausbildung haben im Jahr 2013 insgesamt rund 718.500 Personen begonnen. Das waren 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Zahl der Ausbildungsanfänger im dualen System um 1,6 Prozent zurückging, nahmen 1,5 Prozent mehr junge Menschen eine schulische Ausbildung in Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens auf.

          Quelle: nab./FAZ.NET/AFP

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