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Lehrer mit Migrationshintergrund : „Die Schüler warten auf euch“

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Optimismus verbreiten, anspornen und motivieren - darauf sind Lehrer mit eigener Zuwanderungsbiographie spezialisiert. Im Bild: Nurgül Altuntas Bild: Frank Röth / F.A.Z.

Dringend gesucht sind Lehrer, die als Fremde ins Land kamen. Denn Studien belegen: Solche Pädagogen motivieren Migrantenkinder besonders erfolgreich. Ihnen nehmen Schüler mit Migrationshintergrund ab, dass auch sie Chancen haben.

          Heißt es der Welpe - oder doch das Welpe? Wenn Bernice Boama vor ihren Siebtklässlern steht, stellt sie manchmal überraschende Fragen. Anfangs haben ihre Schüler darüber gekichert. Sie konnten nicht glauben, dass ihre schlaue Lehrerin so etwas „Babyeierleichtes“ tatsächlich nicht parat hat. „Inzwischen“, sagt die in Ghana geborene Deutsche, „wissen sie, dass das keine Fangfrage von mir ist, und freuen sich sogar, dass sie mir helfen können.“

          Dabei fällt der temperamentvollen Lehrerin kein Zacken aus der Krone, schon gar nicht tut es ihrer Autorität Abbruch. Vorbilder müssen nicht unfehlbar sein: Abgesehen von minimalen Unsicherheiten beherrscht Frau Boama die deutsche Sprache perfekt und ist eine Lehrerin, wie sie sich jeder wünscht: temperamentvoll, unterhaltsam, aber auch anspruchsvoll. Über bestimmte Regeln lässt sie nicht mit sich diskutieren. Kraftausdrücke sind tabu, und dass Lehrer Respekt verdienen, versteht sich von selbst.

          Eine Ausnahme, die keine bleiben soll

          Frau Boama, die Englisch und Sport am Hamburger Margaretha-Rothe-Gymnasium unterrichtet, ist die Ausnahme, die keine bleiben soll. Zuwanderer als Lehrer einstellen: In vielen Bundesländern gilt dieses Rezept als neue Formel, um Probleme zu lösen. Schüler mit „Migrationshintergrund“ haben etwa doppelt so häufig wie deutsche Jugendliche keinen oder einen niedrigen Schulabschluss. Daran muss sich dringend etwas ändern. Eine immer wieder vorgetragene Forderung läuft darauf hinaus, diesen Schülern Rollenmodelle anzubieten - in Gestalt von Pädagogen, die ebenso wie sie Deutschland als Fremde erlebt und kennengelernt haben.

          Solche Kollegen sind allerdings bislang hierzulande wahre Exoten: Nur ein Prozent der Lehrer in Deutschland stammt aus Zuwandererfamilien. Das Kalkül: Diese Lehrer bringen nicht nur fachliche Kompetenz mit, sondern sind der lebende Beweis, dass Schulerfolg möglich und eine Karriere keine Utopie ist. Wer von Erwachsenen unterrichtet wird, deren Lebensweg ähnliche Stationen durchlaufen hat, fühlt sich ermutigt.

          „Ich bin die einzige schwarze Lehrerin“

          Tatsächlich funktioniert diese Ermutigung bereits, wenn Lehramtsstudenten unterschiedlicher Herkunft Migrantenkindern Förderunterricht geben, wie eine eben veröffentlichte Studie der Universität Bamberg belegt. Die Pädagogen werteten dafür ein Modellprojekt der Mercator-Stiftung aus - gemessen wurde die Notenentwicklung der Schüler. 40 Prozent von ihnen verbesserten sich schlagartig im Fach Deutsch um mindestens eine Note.

          „Ich bin die einzige schwarze Lehrerin, die die Kinder je gesehen haben“, stellt Frau Boama fest, die mit ihren Eltern als Dreizehnjährige nach Berlin kam. „Sie stellen mir besondere Fragen. Wie ist das für Sie, hatten Sie es schwerer als deutsche Lehramtsstudenten? Was haben Ihre Eltern gesagt? Das erlebe ich jeden Tag.“

          In der Rolle der Ermutigerin

          Auch Gülümser Aytekin, die Geschichte und Englisch am Alsterring-Gymnasium unterrichtet, macht häufig die Erfahrung, in der Rolle der Ermutigerin wahrgenommen zu werden. „Meist muss ich gar nicht von mir aus erzählen, sondern werde direkt angesprochen von diesen Schülern. Sie möchten Tipps von mir haben. Ich stelle aber auch Ansprüche an diese Kinder. Ich sage: Leute, es ist zu schaffen, wenn ihr wirklich etwas dafür tut. Man möchte eben auch, dass sie es schaffen . . .“

          Dass sie schaffen, sich gute Zukunftaussichten zu erarbeiten und nicht hinterherzuhängen. Dafür setzt sich auch Nurgül Altuntas ein. Die Klassenlehrerin an einer Wiesbadener Gesamtschule, Tochter eines türkischen Facharbeiters, duldet keine Durchhänger, gleich welcher Herkunft: „'Wenn aus mir nichts wird, dann hilft mir Vater Staat' - so etwas möchte ich von euch nicht mehr hören“, erklärt sie ihnen. Schulerfolg hängt nicht zuletzt von überzeugenden Lehrern ab. Doch in den höheren Klassen der Gymnasien sind zu wenige Schüler mit Migrationshintergrund zu finden. Wie können diejenigen, die das Potential und die Energie für den Lehrerberuf haben, ermutigt werden? Dreißig Schüler mit familiären Wurzeln in der Türkei, Russland, Litauen, Afghanistan und Spanien trafen sich vor kurzem in Hamburg zu einer Motivationstour: „Mehr Migranten werden Lehrer“, lautete das Motto einer Veranstaltung, mit der die „Zeit-Stiftung“ diese Jugendlichen anstiften wollte, sich für ein Pädagogikstudium zu entscheiden. Eine Frage tauchte in der Runde im Goßlerhaus immer wieder auf: „Kann ich das überhaupt?“

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