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Krisenmanager : Immer auf den Skandal gefasst

Bild: Cyprian Koscielniak

Auf einmal steht die Bestechungsaffäre im Raum. Oder der Verdacht auf Kinderarbeit. Unternehmen sind oft überfordert, wenn sie in einen Skandal geraten. Oft brauchen sie Hilfe von außen.

          Auf Wiedersehen“ zu sagen, sei in seiner Branche verpönt, erzählt Frank Roselieb, „denn wir sind das Gesicht eines unangenehmen Themas.“ Wenn der Diplom-Kaufmann und seine Mitarbeiter einen Einsatz beendet haben, und sei das Ergebnis auch noch so positiv, sind seine Kunden in der Regel einfach erleichtert. An einem abermaligen Zusammentreffen haben sie kein Interesse. Roseliebs Mannschaft kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Not groß und der Skandal schon in vollem Gang ist. Dann brauchen Unternehmen und Behörden Spezialisten, die auch in höchster Not kühlen Kopf bewahren und die richtige Strategie entwickeln. Dann schlägt die Stunde der professionellen Krisenmanager.

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Krisenmanager sind nach wie vor zumeist Quereinsteiger, auch wenn vereinzelt - wie etwa an der Universität Bonn - spezielle Studiengänge existieren. In den Unternehmen werden mit der heiklen Mission oft langgediente Mitarbeiter mit hoher Unternehmens- und Branchenkenntnis beauftragt. Roselieb ist wahrscheinlich der dienstälteste deutsche Krisenmanager, zumindest ist er einer der bekanntesten. Obwohl er und seine Leute stets im Hintergrund agieren. Sie beraten Unternehmen, schlagen zur Überwindung der Krise sowohl Management- als auch Kommunikationsstrategien vor. Aber vor die Kameras treten sie nie, die wahrnehmbar handelnden Akteure sind immer andere. Doch Roselieb hat es mittlerweile zu einer gewissen persönlichen Präsenz in der Öffentlichkeit gebracht. Ob nun irgendwo auf der Welt entführte Mitarbeiter deutscher Unternehmen befreit werden sollen oder heimische Verbraucher über die Folgen des neuesten Lebensmittelskandals aufgeklärt werden müssen - häufig wird der sympathische Mitvierziger mit dem hohen Redetempo um seine Einschätzung gebeten.

          Schichtdienst rund um die Uhr

          Schon als Student hat er sich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit Krisenthemen beschäftigt. Im Jahr 2002 entstand als Ausgründung der Dienstleister „Krisennavigator“. Waren dessen Leistungen zunächst noch auf staatliche Einrichtungen beschränkt, zählen mittlerweile auch private Unternehmen zu den Kunden. Roselieb hat mehr als ein Dutzend Mitarbeiter, alles Akademiker verschiedener Fachrichtungen, in seinem Institut. Im Schichtdienst organisiert, sind die Krisenmanager rund um die Uhr im Einsatz. In kleinen Unternehmen ist häufig Hilfe im operativen Geschäft gefragt. Häufig seien etwa Landwirte völlig überfordert, wenn nach Bekanntwerden eines „Lebensmittelskandals“ der mediale Ansturm über sie hereinbricht. Dann ist nicht nur ein Kommunikator gefordert, sondern auch ein Agrarökonom, der gemeinsam mit den zuständigen Behörden die notwendige Aufklärung leistet. Denn: „Die beste Krisenkommunikation ist ein gutes Krisenmanagement.“

          In Konzernen dagegen ist häufiger ein Moderator zwischen beteiligten Personen und Abteilungen vonnöten. Über Akzeptanzprobleme beklagt sich Roselieb jedoch auch in größeren Organisationen nicht. „Wir werden meistens vom Vorstand oder Geschäftsführer am Empfang abgeholt, das wirkt dann schon.“ Außerdem wüssten die Beteiligten in der Regel selbst, dass etwas schiefgelaufen sei und eine Lösung in aller Interesse liege.

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