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Kommunikation : Männer wollen Lösungen, Frauen wollen reden

Bild: Cyprian Koscielniak

Frauen kommunizieren anders als die meisten Männer, rechtfertigen sich, wollen gemocht werden. Alles ganz schlecht, sagen Kommunikationsexperten. Sie raten zu mehr Klarheit und weniger Konjunktiven.

          Die Kollegin sagt: „Die erste Viertelstunde in Gremien kann man bei Männern vergessen. Da geht es nur darum, Reviere abzustecken und der Profilierungssucht zu frönen. Außerdem unterbrechen sie andere oft.“ Der Kollege kontert: „Männer möchten Lösungsvorschläge, keine Problembeschreibungen. Sie bringen Dinge schneller auf den Punkt. Frauen sind umständlicher, da schwingt häufig etwas Emotionales mit. Andererseits nervt mich, dass Männer aus Eitelkeit Sachen wiederholen, die ihre Vorredner schon gesagt haben. Das ist ebenso ineffizient.“

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Redundanzen in Konferenzen sind eine mögliche Erklärung dafür, dass der Redeanteil von Männern fast durchgängig größer ist als der von Frauen. „Denn Männer nehmen sich mehr Raum, Frauen drücken sich knapper aus, das gängige Vorurteil stimmt nicht“, beharrt die Psychologin Monika Stützle-Hebel. Viele Gespräche folgten Ritualen und dienten dazu, die Hackordnung festzulegen, das funktioniert selten ohne rhetorische Gockelei. Die psychologische Psychotherapeutin aus Freising berät Teams und erlebt, dass Männer mit Worten und Gesten mehr auf ihren Status und Platz in der Hierarchie verweisen. Nicht selten fällt bei ihren Kursen anerkennend der Satz über einen exponierten Redner: „Dir hat man schon angemerkt, dass du eine Führungskraft bist.“ „Frauen denken weniger hierarchisch“, sagt sie. „Platzhirsche regen Frauen eher auf als Männer. Männer haben die Neigung, das stehen zu lassen, Frauen reiben sich daran.“

          „Männer und Frauen leben in verschiedenen Sprachwelten“

          Natürlich bietet das Thema Frauensprache, Männersprache eine Steilvorlage für Schwarzweißmalerei. Selbstverständlich gibt es nüchtern argumentierende Frauen, die so eisenhart Arabesken meiden wie die meisten Männer kullernde Tränen. Natürlich gibt es Männer, die ihre Verbindlichkeit übertreiben, die die Teflonsprache virtuos beherrschen und Konflikte persönlich nehmen. Die Regel ist das nicht. „Männer und Frauen leben in verschiedenen Sprachwelten“, behaupten Katrin Oppermann und Erika Weber in ihrem Buch über „Frauensprache - Männersprache“ und blicken auf die unterschiedlichen Kommunikationsstile.

          Frauen sprechen anders, Männer auch. Und interpretieren Gespräche unterschiedlich. Das nährt Missverständnisse, schließlich wird im Berufsleben ständig kommuniziert, mündlich wie schriftlich. Und da ziehen Frauen manchmal den Kürzeren, eben weil sie Dinge anders ausdrücken und in einer von Männern dominierten Welt nicht oder falsch verstanden werden. Die Krux: Frauen möchten nicht nur an knallharten Konferenzen teilnehmen, sie möchten auch gemocht werden. Ihnen liegt daran, Beziehung herzustellen.

          Angst als Motiv

          „Sprache ist der Spiegel der Geisteshaltung, wer seine Sprache verändern will, der muss an seiner Geisteshaltung arbeiten“, sagt Eva Engelken. Die Kommunikationstrainerin aus Mönchengladbach ist überzeugt: „Wir sind geprägt vom klassischen Frauenbild der christlich-patriarchalischen Kultur, in dem sich Frauen entschuldigen müssen für das, was sie sagen.“ Die Autorin des Buchs „Klartext für Juristen“ wird noch grundsätzlicher: „Männer sind selbstbewusster, das beobachte ich überall. Das schlägt sich in der Art, wie sie kommunizieren, nieder.“ Frauen hingegen, auch jene in einer Leitungsfunktion, hätten eher das Gefühl, unzulänglich zu sein, und wollten das durch Perfektion überwinden.

          Der Juristin Engelken fällt auf, dass Partnerinnen in Kanzleien mitunter steif wirkten, „weil sie penibel darauf achten, richtig zitiert zu werden“, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, sie seien dabei freundlich im Ton. Ein Motiv sei die Angst, ansonsten nicht weit zu kommen. „Sie tendieren dazu, sich zu rechtfertigen, lange Erklärungen abzugeben.“ Zum Beweis nennt sie den Mail-Verkehr. Von Männern geschriebene Mails, gerade bei Chefs, seien kurz angebunden, ein knappes „Ja“ oder „Nein“ reicht den Verfassern. „Frauen tun sich mit knackigen Statements schwer, schieben aus Unsicherheit konziliante Erklärungen hinterher“, sagt Engelken. Wer Zugeständnisse einräumt, wirkt nicht führungsstark. Anweisungen sind keine Bitten. Der Konjunktiv ist kein Karrierebeschleuniger. Die indirekte Rede soll Nähe herstellen, wirkt aber unsicher. „Ich würde einen Vorschlag machen“, der Satz kommt machtbewussten Männern selten über die Lippen.

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