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Karriere als Daten-Analyst : Die Jäger des verlorenen Datenschatzes

Schüler am Computer - wer Daten analysieren kann, hat beste Arbeitsmarktchancen. Bild: dpa

Daten-Analysten suchen in Zahlensätzen nach Trends oder berechnen, wann eine Maschine ihren Geist aufgibt. Sogar Quereinsteiger ohne Studium können Karriere machen – denn echte Spezialisten sind rar gesät.

          Dieses Angebot ließ Daniel Kress nicht lange zögern: eine Stelle in der Heimat Ostwestfalen, nahe bei den Eltern, die mit ihrer Enkelin bislang nur skypen konnten, in einem angesehenen Elektronikunternehmen, analytisch interessant und gut bezahlt. Dabei war es nicht irgendein Ort, den Kress für Detmold verlassen hat. Zweieinhalb Jahre lang hatte er im kalifornischen Stanford, dem intellektuellen Reservat des Silicon Valley, mit fliegenden Robotern und beflügelten Drohnen gearbeitet. Doch nun rief Weidmüller, ein Arbeitgeber mit 4500 Mitarbeitern, der sich auf alles für den Schaltschrank spezialisiert hat: Reihenklemmen, Router, Lösungen für die Photovoltaik-Industrie. Nichts, womit man als promovierter Neurobiologe zu tun hat. Aber die Zeit im Fachbereich Maschinenbau der Vorzeige-Universität war ein guter Einstieg.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ich habe in der Systembiologie gelernt, wie man Modelle bildet, um biologische Prozesse darzustellen“, sagt Kress. Ein Beispiel: Wie nutzen Tiere ihre Sinne, um Muskeln oder Gliedmaßen zu steuern? In seiner neuen Arbeit beschäftigt er sich mit neuronalen Netzen und „Deep Learning“. „Es geht um statistisch-mathematische Modelle, die auf Basis von Sensordaten Prognosen ableiten“, erläutert er. Kress hat sich auf die Stellenausschreibung als „Data Scientist“ beworben und wurde mit seinem akademischen Hintergrund sofort genommen.

          Echte Spezialisten sind rar gesät

          Das Unternehmen Weidmüller baut gegenwärtig eine Abteilung für Datenanalysen (Industrial Analytics) auf: Neuland für einen Industriebetrieb, der nie Software geschrieben hatte – bis er über die Auswertung von Daten erkannt hat, wie er mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren kann, wann eine Produktionsanlage ausfällt. Seit 2016 sucht das Unternehmen Fachleute auf dem Gebiet und landet zwangsläufig bei promovierten Naturwissenschaftlern mit Informatikkenntnissen, denn echte Spezialisten sind rar gesät.

          Dabei wächst der Bedarf überall in der Industrie. Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Trieb die Kohle den Motor des Industriezeitalters an, so gelten Daten als die wichtigste Wohlstandsquelle des Informationszeitalters. Auch in Unternehmen ist diese Botschaft angekommen. Immer mehr Hersteller suchen nach Data Scientists vom Schlage eines Daniel Kress. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat jüngst für seinen Hochschulbildungsreport 2017/18 den Bedarf ermittelt. Auf Basis der Stellenangebote auf der Online-Jobbörse Stepstone hat er hochgerechnet, dass in Deutschland rund 10.000 Spezialisten auf diesem Gebiet gesucht werden.

          Erweitert man den Kreis um Mediziner, Ingenieure, Betriebswirte und andere Akademiker mit fortgeschrittenem Wissen in statistisch-informatischen Methoden, dürfte die Nachfrage noch größer sein. Nach einer Umfrage unter deutschen Unternehmen kam der Stifterverband auf einen Bedarf von 60.000 bis 85.000 Arbeitskräften.

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