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Serie „Anders Arbeiten“ : Lass uns reden

  • -Aktualisiert am

Wohnküche im Büro: Hier beim Compterspiel-Ambieter Wooga in Berlin Bild: dapd

Die Kaffeeküche hat eine phänomenale Karriere hinter sich. Heute ist sie der Hort der Kreativität in einem Unternehmen.

          In der Mitte eine Wendeltreppe, die drei Etagen miteinander verbindet. Betritt man das Gebäude in der Caffamacherreihe 7 im Hamburger Brahmsviertel, wähnt man sich eher in einem stilvoll eingerichteten Hostel als in der Deutschlandzentrale eines Digitalkonzerns. Überall stehen Sessel in Gelb und Türkis auf lila Teppichen. Und als böte sich dort nicht schon genug Raum für sozialen Austausch, gibt es nicht nur weitere 15 Meetingräume, sondern auch noch andere Zimmer, die nur diesem Zweck dienen – Spielekonsole, Tischkicker und Massagesessel inklusive.

          Hier residiert die deutsche Tochtergesellschaft von Facebook. Der Konzern beschäftigt mehr als 17 000 Mitarbeiter weltweit und macht einen Jahresüberschuss von über 27 Milliarden Dollar. Facebook besteht nicht nur aus dem sozialen Netzwerk, dem weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen angehören. Auch die digitale Plattform zum Teilen von Fotos, Instagram, und der Textnachrichtendienst Whatsapp gehören mittlerweile dazu. Mit dem Netzwerken verdient der Konzern also sein Geld. Kein Wunder, dass sich das auch in der Firmenkultur – und in den Büroräumen – niederschlägt.

          Netzwerken zwischen Küchenzeile und Kühlschrank

          Der Austausch unter den Kollegen am Arbeitsplatz war schon immer wichtig, das war auch vor Facebook & Co. so. Früher jedoch fand er in der eher entlegenen Kaffeeküche oder auf dem Raucherbalkon statt. Dort erfuhr man – eingequetscht zwischen Küchenzeile und Kühlschrank – den überlebenswichtigen Firmenklatsch, vertiefte Themen und feilte praktisch im Vorbeigehen an neuen Ideen. Doch jetzt muss man nicht einmal mehr Kaffeetrinker und schon gar kein Raucher sein, um Kontakt zu Kollegen zu bekommen, die man sonst nicht einmal gegrüßt hätte. Jetzt rücken Unternehmen diesen Nebenaspekt des Arbeitslebens in den Vordergrund, so gut sie können - auch räumlich.

          Der Raum ist der dritte Erzieher, schrieb schon der italienische Erziehungswissenschaftler Loris Malguzzi. In modernen Bürokonzepten wird das „Netzwerken“ unter Mitarbeitern einer Bürogemeinschaft institutionalisiert: Größer, zentraler, gemütlicher sind die Kaffeeküchen von heute. Das sieht eher nach Wohnen als nach Arbeiten aus. Doch der Eindruck täuscht. Hier soll Kreatives und Nützliches entstehen.

          Austausch zwischen Einzelkämpfern und Teams

          „Move fast and break things“ steht in großen roten Buchstaben an der Wand im Hamburger Büro von Facebook. Wenn man sich schnell bewegt, bleibt eben das eine oder andere auf der Strecke, könnte das heißen. Das muss nichts Schlechtes sein, so schafft man bekanntlich Raum für Neues. Die „Facebook Wall“ bietet Platz für Gedanken der Mitarbeiter, wenn denn einer davon wichtig genug ist, um niedergeschrieben zu werden. Es gibt zwar eine einheitliche Struktur für alle Facebook-Standorte auf der Welt, die es den Mitarbeitern ermöglichen soll, sich überall sofort zurecht zu finden, doch können alle ihre Wünsche und Vorlieben in Bezug auf Gestaltung und Ausstattung der Büroräume einbringen. Jeder soll dazu beitragen.

          Nicht nur bei Facebook lässt sich der Trend beobachten: Kaum betritt man ein Büro, schon fällt man in die Kaffeeküche. Dem sozialen Austausch soll sich niemand entziehen können, so sieht man das auch in den neuen „Co-working“-Büros, die nun überall aus dem Boden sprießen. Dort, zwischen vielen Solo-Selbständigen und kleinen Teams, ist der Austausch auch besonders wichtig. Nur so ergattert man neue Aufträge, holt sich Hilfe von außen, die man sich sonst nicht leisten könnte. Die Welt wird immer mobiler und immer flexibler, deshalb ist der Austausch immer wichtiger.

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