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Investorensuche im Paternoster : In vier Minuten zum Geschäftserfolg

Auf und ab im Paternoster. Bild: Bergmann, Wonge

In einem Wiener Paternoster versuchen junge Gründer etablierte Geldgeber zu gewinnen. Es ist wie beim Speed-Dating - der erste Eindruck zählt. Wer hat bei so etwas Erfolg?

          In Deutschland wären sie im vergangenen Jahr aus Sicherheitsgründen fast abgeschafft worden, in Österreich hingegen sorgen sie für Fortschritt und Emporkommen: die Paternoster. Der vielleicht älteste Aufzug der Welt aus dem Jahr 1911 dreht sich im Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz in Wien. Hier hat die Industriellenvereinigung ihren Sitz. Deren Nachwuchsorganisation, die Junge Industrie (JI), nutzt den Paternoster für einen ungewöhnlichen Gründer-Wettbewerb: Junge Unternehmer steigen einzeln mit einem erfahrenen Konzern- oder Verbandsvertreter in die enge Kabine und müssen versuchen, ihn während einer Runde von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die angelsächsische Welt kennt den „Elevator-Pitch“ schon länger, das sprichwörtliche Anpreisen im Fahrstuhl. In dem Bemühen, eine Idee innerhalb kürzester Zeit an den Mann zu bringen, gehen die Wiener ihren eigenen Weg. „Wir lassen es in Österreich gemütlicher angehen, und wir bewegen uns im Kreis“, sagt JI-Bundesgeschäftsführer Martin Amor, der sich den Paternoster-Pitch ausgedacht hat. „Die Sache ist eine Verknüpfung von Tradition und hochmoderner Geschäftswelt.“

          Hochmodern ist zum Beispiel das Produkt von Stephan Gspandl aus Hart bei Graz. Sein Unternehmen Incubed-IT entwickelt autonome Transportroboter. Die kastenartigen Fahrzeuge, die wie große Staubsaugergehäuse aussehen, können sich in Werkshallen selbständig orientieren und bewegen. Stoßen sie auf ein Hindernis, suchen sie sich einen anderen Weg. Gspandl hat früher Fußballroboter programmiert, dann machte er sich selbständig.

          Intelligente Helferlein aus der Steiermark

          Im Paternoster hat der bärtige Brillenträger gerade einmal viereinhalb Minuten Zeit, um sein Geschäftsmodell vorzustellen. Mit ihm steht Therese Niss in der Kabine, Geschäftsführerin des Beschichtungsspezialisten High Tech Coatings aus Oberösterreich. Die Bundesvorsitzende der JI ist eine Jurorin, aber sie ist auch Unternehmerin, die Incubed-IT darauf abklopft, ob sich die Gesellschaft als Lieferant, Investitionsobjekt oder Empfänger von Wissenstransfer eignet.

          Gspandl versucht, sie mit seinen bisherigen Erfolgen zu überzeugen. Etwa damit, dass man schon namhafte Konzerne beliefere, darunter die Bundesdruckerei in Berlin. Die intelligenten Helferlein aus der Steiermark seien ideal für die nächste Generation der Automatisierung, die sogenannte Industrie 4.0, wenn Maschinen mit Maschinen kommunizieren.

          Während der Gründer über die Zukunft redet, zuckelt der betagte Holzaufzug gemächlich ins nächste Stockwerk. Er poltert, knarrt und ächzt, zwischen den Etagen ist es manchmal so dunkel, dass nur der Schein der iPads die Kammer erleuchtet. Besonders urtümlich wird die Fahrt, wenn der Paternoster im Dachboden und Keller die Richtung wechselt.

          „Macht Ihre Entwicklung nicht Arbeitsplätze überflüssig?“

          Die Passagiere lassen sich davon nicht ablenken. Niss fragt nach, unterbricht, bohrt: „Macht Ihre Entwicklung nicht Arbeitsplätze überflüssig? Lässt sich das in den Betrieben überhaupt durchsetzen?“ Wie sieht die Finanzierung aus? Wie die Skalierbarkeit? Welcher Partner produziert die Roboter? Für die Antworten bleibt wenig Zeit, schon kommt das Ausgangsstockwerk in Sicht. Niss und Gspandl schütteln sich die Hände, der nächste Kandidat steigt zu.

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