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Interim-Manager : Aushilfen für den Chefsessel

  • -Aktualisiert am

Manager auf Zeit: Vera Mintenig ist als Finanzexpertin in vielen Branchen zu Hause. Bild: Max Kesberger

Die Zahl der Interim-Manager steigt. Dabei hatte das Chefsein auf Zeit einst einen eher schlechten Ruf. Warum immer mehr Akademiker am Job des Aushilfs-Chefs viel Spaß haben.

          Interim-Management ist eine Beziehung auf Zeit. Die Männer und Frauen springen bei den Unternehmen nur dann ein, wenn es brenzlig wird oder wenn es um ein klar definiertes, zeitlich begrenztes Projekt geht. Das macht die Aufgabe besonders spannend. Und der Bedarf an den Aushilfen für den Chefsessel nimmt stetig zu: Die Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM) schätzt, dass deren Zahl allein in diesem Jahr auf 7500 nach 7000 im Vorjahr steigt. Einer von diesen gefragten Spezialisten ist Volker Kiefer.

          Der 52 Jahre alte Informatiker und Elektrotechniker war jahrelang in Führungspositionen bei verschiedenen Unternehmen tätig, Zuletzt bei dem Halbleiterhersteller Qimonda. Als dieser in die Insolvenz ging, stellte sich für ihn die Frage: Wie geht es weiter? „Nur Beratung wollte ich nicht mehr machen. Ich wollte die Themen umsetzen.“ So kam er im Frühjahr 2010 zum Interim-Management. Eine Festanstellung kann er sich nur noch schwer vorstellen. „Ich bekomme Geld für genau das, was ich leiste, nicht mehr und nicht weniger“, sagt er. „Mich motiviert das viel mehr als der monatliche Automatismus des Gehalts.“ Und die zeitliche Begrenzung eines Mandats mache ihn unabhängiger von den Unzulänglichkeiten im Alltag.

          Informatiker Volker Kiefer hilft beim Sonderfahrzeughersteller WAS aus.

          Aktuell ist der Vater von drei erwachsenen Kindern bei der Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH mit Sitz in norddeutschen Wietmarschen im Einsatz. Dort ist er auf Zeit Leiter der Abteilung Konstruktion und Entwicklung. Das mittelständische Unternehmen mit 360 Mitarbeitern und einem Umsatz von 85 Millionen Euro fasse diverse Abteilungen zu einer neuen Einheit zusammen. Dazu müssen die Entwicklungsprozesse standardisiert und die Produktstruktur neu definiert werden. Dabei muss das normale Tagesgeschäft weitergehen. Der Mittelständler baut unter anderem Rettungsfahrzeuge und entsprechende Aufbauten. Kiefer, der aus dem Großraum München stammt, sagt, am Anfang habe er intensive Einzelgespräche führen müssen, um sich in das Thema einzuarbeiten. „Wichtig war, zu klären, wo die Probleme sind.“ Zugleich müsse Vertrauen zu den 15 Mitarbeitern aufgebaut werden.

          Es braucht viel Sozialkompetenz

          Manager auf Zeit haben in der Regel eine mehrjährige Führungserfahrung, und besonders gefragt ist eine hohe Sozialkompetenz. Die sei wichtig, um eine tragfähige Beziehung zu den jeweiligen Mitarbeitern aufzubauen, sagt Marei Strack. Die 57-Jährige ist Vorstandsvorsitzende der DDIM. „Man hat keine hundert Tage Zeit. Nach spätestens zwei Wochen will der Auftraggeber wissen, wie die Lage beurteilt wird.“ Klassische Aufgaben seien Krisensituationen, Vakanzüberbrückung oder komplexe Projektaufgaben. Das Gros der Aufträge liegt bei mittelständischen Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Kleinere Betriebe können sich die Manager kaum leisten. Konzerne haben dagegen meist eigene Manager, die sie übergangsweise auf brisante Posten setzen – wie zuletzt etwa beim Mannheimer Bilfinger-Konzern, wo der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Bodner den vakanten Chefposten wieder übernommen hatte. Ein Hemmschuh ist nach wie vor die Unbekanntheit dieser Management-Form: „Um die Nachfolgeproblematik von Familienunternehmen zu lösen, wird Interim-Management nur vereinzelt eingesetzt“, sagt Strack weiter. Gerade beim Nachfolgethema sieht der Verband größeres Potential. Hier könne eine gewisse Zeit überbrückt werden, bis der entsprechende Nachfolger gefunden oder eingearbeitet sei. Bei diesem Thema sei aber die Rückendeckung der Gesellschafter notwendig. „Doch vor allem Familienunternehmen tun sich damit schwer“, sagt er.

          Die wichtigsten Branchen für die Manager auf Zeit sind laut DDIM Maschinenbau (25 Prozent), die Automobilindustrie mit 18 Prozent sowie IT- und Telekommunikationshersteller (acht Prozent). Die Mandate dauern etwa ein halbes Jahr. Natürlich hängt die Laufzeit auch von der Aufgabenstellung ab. Kiefer nahm seine Tätigkeit im April auf. Sie geht bis Ende des Jahres. Er freut sich dann auch schon wieder auf etwas mehr freie Zeit.

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