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Stephan Aarstol experimentiert mit dem 5-Stunden-Tag. Bild: Anton Hallmann

Neue Arbeitswelt : Das sind die schrägsten Chefs der Welt

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Wer ausgefallene Führungsstile sucht, muss in Start-ups und im Mittelstand gucken: Mancher Chef lässt die Mitarbeiter im Bällebad spielen oder beendet den Arbeitstag um 13 Uhr. FAZ.NET stellt die innovativsten Beispiele vor.

          Wer ausgefallene Führungsstile sucht, muss in Start-ups und im Mittelstand gucken: Mancher Chef lässt die Mitarbeiter im Bällebad spielen oder beendet den Arbeitstag um 13 Uhr. FAZ.NET stellt die innovativsten Beispiele vor.

          Stephan Aarstol: Feierabend um 13 Uhr

          Es fing mit einem verkorksten Fernsehauftritt an: Vor gut fünf Jahren wagte sich Stephan Aarstol in die Investorenshow „Shark Tank“, das amerikanische Vorbild für „Die Höhle der Löwen“. Er warb für sein Unternehmen Tower, einen Anbieter von Paddelbrettern aus San Diego. Er kam lässig daher, mit Flipflops und Shorts, hatte neben sich eine Frau im Bikini und war anfangs noch recht souverän, als er sagte, das Paddeln mit diesen Brettern sei der am schnellsten wachsende Wassersport der Welt. Aber dann geriet er ins Stottern und brachte kein Wort mehr heraus. Die Unternehmerin Barbara Corcoran aus dem Investorengremium nannte ihn den „wahrscheinlich schlechtesten Präsentator, den ich je getroffen habe“. Die Geschichte ging aber gut aus. Milliardär Mark Cuban ließ sich nicht abschrecken und versprach im Gegenzug für einen 30-Prozent-Anteil an Tower eine Geldspritze von 150.000 Dollar. Das Unternehmen hat sich seither prächtig entwickelt.

          Aarstol hat indessen nicht nur mit jener denkwürdigen „Shark Tank“-Episode von sich reden gemacht, sondern auch mit einem sehr ungewöhnlichen Arbeitszeitmodell: Vor zwei Jahren führte Tower Fünf-Stunden-Tage ein. Die regulären Bürostunden wurden auf 8 bis 13 Uhr festgesetzt, durchgehend, ohne Mittagspause und bei vollem Gehalt. Verglichen mit den klassischen Nine-to-five-Arbeitstagen klingt das geradezu paradiesisch. Aarstol hat gesagt, damit habe er seinen Beschäftigten „ihr Leben zurückgeben“ wollen. Schließlich gehe es in seinem Unternehmen ja um „Strand-Lifestyle“, und da spiele eine „gesunde Work-Life-Balance“ eine große Rolle. Es sei Zeitverschwendung, den ganzen Tag im Büro zu sitzen, denn so lange arbeiteten Menschen üblicherweise ohnehin nicht mit hoher Produktivität.

          Der Fünf-Stunden-Tag bei Tower war somit auch keineswegs ein Freibrief zum Faulenzen, denn Aarstol schärfte seinen Mitarbeitern ein, dass sie in der kürzeren Zeit das gleiche Pensum zu erledigen hätten wie vorher, anderenfalls drohe ihnen die Entlassung. Als zusätzliches Bonbon versprach er, fünf Prozent der Gewinne an die Belegschaft auszuschütten.

          Von seiner Philosophie war Aarstol so überzeugt, dass er darüber ein ganzes Buch veröffentlichte. Nach gut einem Jahr zog er eine positive Zwischenbilanz. „Meine Mitarbeiter sind glücklicher und produktiver.“ Und auch das Geschäft in seinem damals aus zehn Personen bestehenden Unternehmen habe nicht gelitten, der Jahresumsatz nähere sich zehn Millionen Dollar. Mittlerweile aber sind die Erfahrungen offenbar nicht mehr uneingeschränkt positiv. Vor einigen Monaten gestand Aarstol der Wirtschaftspublikation „Success“ Schattenseiten des Experiments. Manche seiner Angestellten hätten sich angesichts der geringen Arbeitszeit dem Unternehmen nicht mehr so verbunden gefühlt, einige hätten sogar gekündigt. Tower habe deshalb sein Modell verändert: Der Fünf-Stunden-Tag gelte jetzt nur noch zwischen Juni und September. Ansonsten werde wieder acht Stunden gearbeitet.

          Philip Siefer: Unendlich Urlaub und Mitsprache beim Gehalt

          Ob ihn mal jemand den besten Chef der Welt genannt hat? „Ja, das ist tatsächlich schon passiert“, sagt Philip Siefer. „Vor allem in Kommentaren auf Facebook.“ Oft hatten die Leute dort gelesen, wie es in Siefers Unternehmen zugeht und wie ein Chef handelt, wenn er sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Chefsein so weit wie möglich abzuschaffen. Siefer ist zusammen mit seinem Ko-Gründer Waldemar Zeiler vor mehr als zwei Jahren relativ unbedarft in seine Führungsrolle gestolpert. Die beiden hatten ein Start-up geschaffen, das vegane Kondome vertreibt, bei deren Herstellung auf ein Milchprotein verzichtet wird, das sonst in der Latexproduktion üblich ist. Die Präservative sind in Chipstüten verpackt, eine Anspielung darauf, dass es niemandem peinlich sein sollte, sie im Laden zu kaufen. Die Idee zog so sehr, dass Siefers Unternehmen „Einhorn Products“ recht schnell mehr als eine Million Euro Umsatz machte.

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