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Billige Elektroautos : Solo gegen den Strom

Rohbau, Presswerk und Lackiererei? Kann weg!

An der RWTH bekomme er auf jede Frage rasch und auf unbürokratischem Weg Antworten, sagt er. Der Fundus an technischem Wissen beflügelt E.Go, so wie er vorher den Streetscooter beflügelt hat. Insofern ist diese Geschichte auch eine über die hohe Leistungsfähigkeit einer deutschen Hochschule. Die RWTH Aachen Campus GmbH hat Platz für knapp 20 Forschungs-Cluster, mehr als 300 Unternehmen sind immatrikuliert, bis zu 700 sollen es mal sein. Sie zahlen eine Gebühr und verpflichten sich, mit hochqualifizierten Leuten vor Ort zu sein.

Der Zwei-Meter-Mann Schuh wäre als Tausendsassa noch zu energiearm beschrieben. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionssystematik an der RWTH, Direktor des dortigen Werkzeugmaschinenlabors, Vorstandsvorsitzender der E.Go Mobile AG sowie Geschäftsführer und Initiator der RWTH Aachen Campus GmbH. Und das ist nur ein Ausschnitt seiner Positionen und Posten. Schuh, obendrein Gründer eines eigenen Beratungsunternehmens, wirkt nicht so, als strenge ihn dieses Programm sonderlich an. Er sprüht vor Energie, führt auf dem Campus mit federnden Schritten durch Werkshallen, in denen geschraubt, geschweißt und gebastelt wird, und flankiert das Projekt mit einem rhetorischen Feuerwerk.

An dessen Anfang stand eine Verweigerung. Schuh wollte nicht wahrhaben, dass es in Deutschland unmöglich sein soll, günstige Elektroautos für den Stadtverkehr zu bauen, und dass es dafür angeblich keine Nachfrage gibt. Der Streetscooter war der erste Gegenbeweis. Was mit ihm begann, findet seine Fortsetzung in E.Go. Schuh warf all seine Erfahrung in der Verbesserung industrieller Prozesse ins Rennen um das bessere E-Auto und entschied: Der teure Apparat von Volkswagen, BMW oder Daimler ist durchaus verzichtbar.

Es war das Ende für Rohbau, Presswerk und Lackiererei – Investitionen, die als unverzichtbar in der Herstellung von Autos gelten, die aber auch Hunderte Millionen Euro verschlingen. Das kann weg, entschied Schuh mit seinen Mitgründern. Zumal sie so viel Geld ja auch gar nicht haben. Also hat sein Auto eben keine selbsttragende Stahlkarosserien, sondern einen Rahmen aus Aluminiumrohren. Das war bis zu den siebziger Jahren noch weit verbreitet, kam danach bei den Autoherstellern aber aus der Mode. Für die Außenhaut hat er ebenfalls einen verdrängten Klassiker wiederbelebt: Thermoplast. Vorgängerprodukte davon wurden mal im Trabi verbaut, inzwischen aber ist das Material um einiges formstabiler und haltbarer.

Ganz ohne die Autobranche geht es nicht

„Das Feedback auf den Life übertrifft alles, was wir erwartet hatten“, sagt Schuh. „Die Hälfte der Tagesproduktion, die wir bauen könnten, haben wir gerade täglich an Bestellungen.“ Knapp 10.000 sollen es schon sein. 145 Mitarbeiter habe E.Go derzeit, jeden Monat kämen 10 neue hinzu. 2019, im ersten kompletten Produktionsjahr und mit dann zwei Modellen, sollen 15.000 Fahrzeuge gebaut werden, im dann folgenden Jahr bereits 20.000.

So ganz ohne Partner aus der Autobranche gehe es natürlich nicht, ein Alleingang wäre unmöglich gewesen. Bosch etwa liefert die Batterie, die in der Mitte des Life unter der Sitzbank verbaut ist und dem Fahrzeug eine ungewöhnliche Stabilität verleihe. Auch ZF Friedrichshafen ist mit im Boot. Und für Werk II, einem Chassis-Werk, hat er ein Joint Venture mit dem mittelständischen Zulieferer Linde und Wiemann abgeschlossen. Ein Autokonzern sei nie auf die Idee gekommen, sich seine Idee einzuverleiben, sagt Schuh. Dabei ist er der Branche nah. Schuh gründete schon 1989 ein Unternehmen namens GPS, das eine Software zur Optimierung von Produktionsprozessen anbot. Sein Beratungsunternehmen mit knapp 50 Mitarbeitern bekommt etwa die Hälfte seiner Aufträge aus der Autoindustrie. Trotzdem sagt er: „Mich hat nie einer aus der Autobranche gefragt, ob ich diese Idee für ihn umsetzen will – obwohl ich viele missionarische Vorträge gehalten habe.“ Er habe „davon geträumt, dass wir mit unserer Positionierung eine Branchenlogik zur E-Mobilität widerlegen – nämlich dass nur ein Zuwachs an Reichweite Nachfrage schafft. Inzwischen sind wir unserem Traum schon sehr nah.“

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