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Bundesländer-Vergleich : Wo arbeiten die glücklichsten Deutschen?

  • Aktualisiert am

In den Stadtstaaten wohnen Deutschlands zufriedenste Arbeitnehmer. Bild: dpa

Glückliche Mitarbeiter sind produktiver und engagierter. Wie gut, dass deutsche Arbeitnehmer immer zufriedener werden – zwei Bundesländer machen sie besonders froh.

          Hamburg und Berlin sind spitze – zumindest bei der Frage, in welchen Bundesländern die glücklichsten Arbeitnehmer zu finden sind. Die beiden Städte belegen die beiden ersten Plätze, auf den letzten beiden landeten Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

          Das zeigt, dass zwischen Ost- und Westdeutschland nicht nur in punkto Gehalt, sondern auch mit Blick auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz noch ein Gefälle besteht. Allerdings nähern sich die Zufriedenheitswerte zwischen den alten und neuen Bundesländern stetig an.

          Das geht aus einer Analyse der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu hervor, die das Onlineportal schon zum dritten Mal gemacht hat. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, Bewerber und Lehrlinge bewerten auf der Plattform Unternehmen beispielsweise in den Kategorien Arbeitsbedingungen, Karrierechancen und Gehalt. Die Skala reicht dabei von 1 (sehr unzufrieden) bis 5 (sehr zufrieden).

          Neue Bundesländer mit Nachholbedarf

          Als Grundlage für den bundesweiten Vergleich mit Blick auf die Zufriedenheit im Beruf wurden dabei fast 150.000 Bewertungen, die innerhalb der letzten 12 Monate zu deutschen Arbeitnehmern abgegeben wurden, ausgewertet und ein sogenannter „Happiness Score“ ermittelt. Der Glückswert stieg dabei im Vergleich zum Vorjahr von 3,58 auf 3,63. In den westldeutschen Bundesländern verbesserte er sich von 3,59 auf 3,63, in den ostdeutschen von 3,50 auf 3,58.

          Insgesamt zeigen die Daten, dass deutsche Arbeitnehmer mit der Zeit immer zufriedener werden. Auch der Abstand zwischen den zufriedensten und den unzufriedensten Regionen verringert sich. „Das Land wirkt homogener als noch vor einigen Jahren“, sagt Johannes Prüller von Kununu.

          Doch auch wenn der Osten stetig aufholt, Nachholbedarf in punkto Mitarbeiterzufriedenheit scheint es dennoch zu geben: Bis auf Berlin liegen alle ostdeutschen Bundesländer wie im Vorjahr unter dem Bundesdurchschnitt von 3,63. Den größten Sprung in Sachen Zufriedenheit machte das letztjährige Schlusslicht Thüringen von 3,34 auf 3,58 und schaffte es damit auf Platz 13.

          Süddeutsche Bundesländer leicht abgehängt

          Dass Hamburg als „Tor zur Welt“ mit 3,72 und das Startup-Mekka Berlin mit 3,71 Punkten abermals auf Platz eins und zwei der Zufriedenheitsrangliste landen, verwundert wenig. Dass sich die süddeutschen Bundesländer mit Bayern auf Platz fünf und Baden-Württemberg auf Platz sieben jedoch erst hinter Bremen (Platz drei), dem Saarland (Platz vier) und Hessen (Platz sechs) einordnen, erstaunt etwas, gilt die Region doch gemeinhin als finanzstark und die Automobilindustrie als attraktiver Arbeitgeber.

          Was macht Arbeitnehmer zufrieden?

          Doch was macht Arbeitnehmer eigentlich zufrieden? Eine aktuelle Studie des Berufsnetzwerkes Linkedin legt zumindest nahe, was Mitarbeiter an ihrem Arbeitgeber besonders schätzen und sie langfristig an ihn binden. Im Auftrag des Netzwerkes führte die Online-Umfrage-Plattform „Yougov“ Ende Mai dieses Jahres eine repräsentative Umfrage unter 2040 Personen ab 18 Jahren (davon 1010 Erwerbstätige) durch.

          Zunächst wurde erhoben, wie wichtig es den Befragten überhaupt ist, dass sich ihr Arbeitgeber bemüht, ein Gefühl der Zugehörigkeit herzustellen – 86 Prozent gaben an, dass sie es gutheißen, wenn ihr Unternehmen sich darum bemüht. All jene, bei denen das gelingt, entlohnen die Mühe mit Treue, die auch der Versuchung eines deutlich höheren Gehalts standhält: 18 Prozent würden es nicht in Betracht ziehen, zu einem kulturell schlechter passenden Arbeitgeber zu wechseln, mit 48 Prozent an Zustimmung will allerdings fast die Hälfte in diesem Fall mindestens ein Drittel mehr Gehalt, 12 Prozent mindestens zwei Drittel mehr.

          Mittels der Umfrage wurde weiter untersucht, welche Faktoren sich positiv auf Treue und Loyalität der Mitarbeiter gegenüber ihrem Arbeitgeber auswirken. Dabei wurde beispielsweise abgefragt, wie sich die Förderung von Diversity auswirkt, also kultureller Vielfältigkeit in der Belegschaft, welche Rolle eine bestimmte Haltung des Unternehmens zu politisch oder gesellschaftlich relevanten Themen spielt, etwa zu Chancengleichheit für alle Bevölkerungsschichten, oder auch wie sich sogenannte „Corporate Social Responsibility“-Programme auswirken, also Initiativen, durch die der Arbeitgeber soziale Verantwortung übernimmt.

          Gleiche und faire Behandlung besonders wichtig

          Eine gleiche und faire Behandlung aller Mitarbeiter – beispielsweise in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit bei der Entlohnung oder bei befristeten Arbeitsverhältnissen – wurde dabei mit 58 Prozent an Zustimmung von mehr als der Hälfte der Befragten als wichtigster Faktor dafür genannt, wie Unternehmen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Loyalität schaffen können. Auf Platz zwei landete eine „offene und ehrliche Kommunikation“, was 16 Prozent als wichtigsten Faktor nannten. 11 Prozent entschieden sich auf Platz drei für eine hervorragende Mitarbeiterbeteiligung.

          Ein gleiches Gehalt für Männer und Frauen in vergleichbaren Positionen wählten bei einer genaueren Betrachtung des Faktors „Fairness“ übrigens mit 46 Prozent sehr viel mehr Frauen auf den ersten Platz als Männer (28 Prozent). Das Thema faire Verträge – in der Abfrage wurde etwa explizit der Verzicht auf sachgrundlose Befristungen als Beispiel genannt – wählten indes 15 Prozent aller Befragten als wichtigsten Faktor, für 44 Prozent der Befragten war dieser Punkt aber immerhin ebenfalls sehr wichtig oder wichtig.

          Bemühungen rund um das Thema Diversity und eine eindeutige Haltung zu politischen und gesellschaftlichen Themen schafften es zwar nur bei wenigen auf Platz eins. Jedoch wählten mit 24 Prozent knapp ein Viertel der Befragten Vielfalt im Unternehmen als einen Faktor, der Zugehörigkeit und Loyalität fördert, auf einen der ersten drei Plätze, 18 Prozent setzten Haltung auf Platz eins, zwei oder drei ihrer Prioritätenliste, um ein loyales Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber aufzubauen.

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