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Im Gespräch: Fabian Kienbaum : „Den Schlips ausziehen reicht nicht“

Geht es nach Fabian Kienbaum, müssen die Chefs von ihren „hohen Rössern“ runter. Bild: Joachim Rieger

Der Juniorchef der Managementberatung Kienbaum geht hart mit Deutschlands Führungskräften ins Gericht: Die meisten zögerten zu sehr, ihre Unternehmen der Arbeitswelt der Zukunft anzupassen – aus Statusgehabe.

          Herr Kienbaum, alle reden von der Digitalisierung und darüber, wie sich die Arbeitswelt verändert. Wie viel davon ist schon in den Unternehmen angekommen?

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Leider nicht allzu viel. Wir haben eine aktuelle Stichprobe gemacht und etwas mehr als 100 Unternehmen dazu befragt. Die große Mehrheit sagt, dass das Thema „New Work“ auf ihrer Agenda steht. Fragt man tiefer, stellt man aber fest, dass die meisten nur Kosmetik betreiben.

          Einmal kurz der Reihe nach: Was genau verstehen Sie denn unter „New Work“?

          Grob gesagt die Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft. Die gesellschaftlichen Megathemen schwappen ja immer stärker in die Arbeitswelt hinüber: Digitalisierung, Vernetzung, Globalisierung, Innovationskultur und so weiter. Das schlägt sich dann idealerweise nieder in einer neuen Führungskultur, aber auch einer veränderten Architektur und Arbeitsorganisation in den Unternehmen.

          Und dabei betreiben viele nur Kosmetik?

          So ist es. Unsere Stichprobe zeigt, dass viele „New Work“ damit gleichsetzen, den Mitarbeitern Home-Office-Möglichkeiten zu geben und ihnen ein Dienst-Smartphone in die Hand zu drücken. Aber es geht um viel mehr!

          Worum genau?

          Um einen Wandel der Unternehmenskultur. Was haben Sie denn davon, wenn Ihr Unternehmen ein schickes Bistro baut und tolle Rückzugsräume - und am Ende bleiben doch alle in ihren Büros vor den Bildschirmen sitzen? Was bringt eine Home-Office-Möglichkeit, wenn sich keiner traut sie zu nutzen, weil eigentlich noch Präsenzkultur herrscht und man im Unternehmen nur etwas werden kann, wenn man ständig da ist?

          Und sie haben Hinweise darauf, dass viele Veränderungen nur oberflächlich sind?

          Ja! In unserer Stichprobe hat gerade mal ein knappes Fünftel der Unternehmen eine „Führung auf Augenhöhe“ etabliert. Nur 15 Prozent zahlen flexible Benefits, also lassen die Mitarbeiter wählen, wie gute Leistung belohnt wird - in Geld oder anders. Wenn's ums Geld geht, hört ja generell der Spaß oft auf.

          Was können Unternehmen denn tun, um unter die Oberfläche vorzudringen?

          Die Chefs müssen von ihren hohen Rössern absteigen.

          Okay. Was genau muss der moderne Chef aufgeben?

          Sein Einzelbüro, sein Statusgehabe, seine Macht. Er muss sich häufiger zeigen, Fehler zugeben können. Man darf sich auch nicht mehr zu schade sein, mal die Reisekostenabrechnung selbst zu machen. Einfach nur den Schlips ausziehen, reicht jedenfalls nicht!

          Oh je, die Reisekostenabrechnung! Ist die Arbeitszeit der Chefs dafür nicht viel zu teuer?

          Ja sicher. Dass sich Chefs ab und zu mal mit profaneren Tätigkeiten die Hände schmutzig machen, heißt ja nicht, dass sie das durchgängig immer übernehmen müssen. Aber ab und zu schärft zum Beispiel so etwas wie eine Reisekostenabrechnung den Blick dafür, wie eine Organisation tickt.

          Sich so umzustellen, schaffen ältere Chefs doch gar nicht!

          Es ist keine Altersfrage. Vielleicht tun sich die Jungen leichter damit und vielleicht ist es eine Chance, wenn die Babyboomer-Generation irgendwann in Rente geht. Grundsätzlich ist es aber eine Frage der richtigen Haltung. Die kann man in jedem Alter annehmen. John Legere von T-Mobile US ist 59 Jahre alt und schafft das. Der hat übrigens auch mehr als 4 Millionen Follower auf Twitter. Auch das ist keine Altersfrage.

          Stimmt. Siehe Donald Trump...

          Man kann viel über Trump sagen, aber das macht er richtig. Dass die Welt heute stärker emotionalisiert ist, das ist ja eine Tatsache, die sich nicht mehr zurückdrehen lässt. Und deshalb gehört es dazu, die sozialen Medien intelligent zu bespielen.

          Aber das fördert doch auch wieder mehr den schönen Schein als alles andere.

          Es stimmt, das ist eine Gefahr. Aber bestimmt nicht für die vielen Mittelständler dort draußen, die im sozialen Netz noch kaum oder gar nicht präsent sind. Die müssen auch in dieser Richtung was tun, sonst können sie als Arbeitgeber ja auch gar nicht auf sich aufmerksam machen. Und wenn man es nicht ernst meint mit der veränderten Arbeitskultur, spricht sich das sowieso auf Arbeitgeberbewertungsportalen schnell herum. Heute weiß doch jeder in Null Komma Nix, wo es flexibles Arbeiten nur auf dem Papier gibt und am Ende alle von 9 bis 5 im Büro hocken.

          Zur Person

          Fabian Kienbaum, 33, wird im kommenden Jahr Nachfolger seines Vaters Jochen Kienbaum an der Spitze der bekannten Managementberatung. Bislang verantwortet er die digitale Weiterentwicklung der Unternehmensgruppe und das Investmentgeschäft.

          Quelle: FAZ.NET

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