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Weltfrauentag : „Auch Führungskräfte sollten um 16.30 Uhr gehen dürfen“

Um 16.30 Uhr fluchtartig das Büro verlassen, um Zeit mit den Kindern zu verbringen? In Deutschland noch längst nicht so üblich wie in Schweden, sagt Anna Andersson. Bild: dpa

Schweden gilt als mustergültig in Frauenförderung und Familienfreundlichkeit. Aber funktionieren die Rezepte auch hierzulande? Eine schwedisch-deutsche Personalmanagerin der Möbelkette Ikea erzählt.

          Frau Andersson, 48 Prozent der Führungskräfte bei Ikea sind Frauen. Wie ist der Prozentsatz in Deutschland?

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In Deutschland sind derzeit 46 Prozent der Führungskräfte weiblich. In Deutschland sind wir also noch leicht unterdurchschnittlich.

          Für Deutschland ist das aber ziemlich viel…

          Ich bin damit noch nicht zufrieden. Ich möchte 50:50!

          Alles Quotenfrauen bei Ikea?

          Nein! Es geht nicht um die bloßen Zahlen. Unternehmen sind erfolgreicher, wenn sie vielfältige Teams haben. Das gilt übrigens nicht nur für das Geschlecht. Das gilt auch für Herkunft, Alter und so weiter.

          In welcher Hinsicht genau sind die vielfältigen Teams bei Ikea erfolgreicher? Machen Sie doch mal ein Beispiel!

          Es gibt sehr viele Studien darüber, dass Unternehmen produktiver sind, wenn sie einen ähnlich hohen Anteil von Frauen und Männern im Management haben. Oder, dass ihr Börsenwert steigt, sobald die Geschlechterverhältnisse in der Führungsetage ausgewogener sind. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Mal davon abgesehen macht es viel mehr Spaß in einem vielfältigen Team zu arbeiten. Man kriegt viel mehr Input aus allen Richtungen, man ist viel kreativer!

          Sie stammen aus Schweden, das als Musterland für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gilt. Was läuft dort anders?

          In Schweden gibt es eine komplett andere Arbeitskultur: Es ist viel gängiger, eine Führungsposition in Teilzeit innezuhaben – jedenfalls, wenn man kleine Kinder hat. Und das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Außerdem ist es üblich, dass Eltern um spätestens 16.30 Uhr das Büro verlassen, um ihre Kinder abzuholen. Auch bei den Führungskräften wird das so gelebt, bei Männern wie bei Frauen.

          Und was können Sie als Unternehmen dafür tun, dass solche Gewohnheiten auch unter deutschen Führungskräften Einzug halten?

          Das ist eine Frage der Unternehmenskultur: Wir können zum Beispiel darauf achten, dass Meetings am Vormittag oder frühen Nachmittag stattfinden und nicht um sieben Uhr morgens oder acht Uhr abends. Wir rechnen nicht damit, dass um solche Uhrzeiten jemand im Büro ist. Außerdem müssen wir als Arbeitgeber flexible Lösungen anbieten. Eine gute Führungskraft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie abends möglichst lange im Büro ist.

          Anna Andersson ist stellvertretende Leiterin der Personalabteilung bei Ikea Deutschland. Die gebürtige Schwedin arbeitet dort seit Juni 2016 und war zuvor auch lange Jahre in Schweden im HR-Bereich tätig.
          Anna Andersson ist stellvertretende Leiterin der Personalabteilung bei Ikea Deutschland. Die gebürtige Schwedin arbeitet dort seit Juni 2016 und war zuvor auch lange Jahre in Schweden im HR-Bereich tätig. : Bild: Ikea

          Stoßen Sie auf Überraschung, wenn Sie solche Regeln in Deutschland kommunizieren? Und machen die Leute überhaupt davon Gebrauch?

          Es stimmt schon: Deutschland ist da noch etwas patriarchaler eingestellt als Schweden. Der Mann arbeitet Vollzeit und mehr, die Frau Teilzeit und kümmert sich um die Kinder. Das ist hier bei vielen einfach noch normal und es braucht Zeit, bis sich die Menschen an etwas anderes gewöhnen. Aber die  jüngeren Beschäftigten machen schon viel bereitwilliger von dieser Flexibilität Gebrauch. Und wir als Arbeitgeber müssen auch individuelle Lösungen anbieten, wenn wir für junge Menschen als Arbeitgeber attraktiv sein möchten.

          Sehen Sie sich vor allem als Unternehmen in der Pflicht, einen solchen Kulturwandel herbeizuführen oder haben Sie da auch Wünsche an die Politik?

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