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Entertainment für Hotelgäste : „Wer das ohne Liebe macht, ist kein guter Animateur“

Julie Muller ist 23 Jahre alt und Animateurin auf Korfu. Bild: Privat

Der Beruf des Hotel-Animateurs klingt für viele alles andere als erstrebenswert: Rund um die Uhr ein Lächeln aufsetzen, ständig Show machen, Touristen ertragen. Ist das wirklich so? Eine Animateurin auf Korfu erzählt.

          Frau Muller, gestern Abend noch sind sie ins Glitzer-Abba-Kostüm geschlüpft, gerade haben Sie Ihre Kolleginnen in den Dino-Vormittag für die Kinder entlassen und bereiten jetzt ein Quiz vor. Vergeht Ihnen bei 40 Grad im Schatten nicht das Lachen?

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Überhaupt nicht. Mir macht das Spaß. Das ist ein Job, den man lieben muss. Schauspielern funktioniert gar nicht, denn das merken alle sofort. Bei meiner Arbeit bin ich glücklich, mache gerne Quatsch mit Gästen. Meine ersten zwei Wochen als Animateurin habe ich als anstrengend empfunden, alles fühlte sich neu an. Man gewöhnt sich aber daran. Auch die Hitze macht mir nichts aus.

          Sie sind Französin, haben nach dem Wirtschaftsabitur einen Tourismus-Bachelor in Dijon gemacht und dann ein Au-Pair-Jahr in Köln verbracht. Wie sind Sie denn überhaupt auf die Idee gekommen, Animateurin zu werden?

          Strenggenommen bin nicht ich auf die Idee gekommen. Ich habe mit meinen Eltern immer Urlaub in Ferienapartments in Südfrankreich gemacht und Cluburlaub als Kind nie erlebt. Mich hat meine Kölner Gastfamilie darauf gebracht. Sie betreiben ein Restaurant, ich habe ab mittags auf die zwei kleinen Kinder aufgepasst. Und sie meinten, ich solle mich mal bewerben, das wäre etwas für mich.

          Das haben Sie dann getan.

          Ich habe eine Online-Bewerbung bei Tui gemacht und wurde dann zu einem Auswahlverfahren geladen. Der Job-Day war in Wuppertal, es gab unter anderem einen Englischtest. Jeder sollte eine dreiminütige Präsentation zeigen. Ich habe eine Kinder-Disco moderiert, andere haben Fitnessübungen vorgeführt. Da waren coole Aktionen drunter. Danach haben wir kleine Rollenspiele gemacht und es wurde geschaut, wie wir auf bestimmte Situationen reagieren. Am Abend hatte ich die Zusage.

          Wo lag ihr erster Arbeitsplatz?

          In der Türkei. Im Sommer vor drei Jahren habe ich in der Nähe von Antalya angefangen, ganz klassisch in der Kinderanimation für die Drei- bis Sechsjährigen, mit Piraten- und Indianertagen. Das sind Standards, die jeder umsetzen muss.

          Woche für Woche Pirat spielen, ermüdet das nicht?

          Das fühlt sich nie gleich an, weil immer andere Leute da sind. Klar gibt es Routinen, aber wir sollen eigene Ideen einbringen. Mein Lieblingsprojekt war die Unterwasserwelt, da haben sich Fische zu Bonbons verwandelt und wurden in lustigen Aktionen befreit. Das ist gut angekommen. Ich war richtig stolz auf mich. Das Kriterium ist: Den Kindern muss es Spaß machen und es muss gut zu organisieren sein. Wenn man sieht, den Kindern gefällt es gar nicht, muss man einen Plan B haben.

          Was folgte auf die türkische Riviera?

          Ich bin zurück nach Frankreich zu meinen Eltern nahe Lyon und war drei Monate Zuhause. Von Januar bis November bin ich nach Ägypten gegangen. Dann war ich zwei Monate in Frankreich, bin wieder nach Ägypten und habe eine Teamleiterausbildung im Trainingscamp gemacht. Danach bin ich als Teamleiterin nach Kos gegangen. Den letzten Winter habe ich auf Teneriffa gearbeitet und bin seit Mai hier auf Korfu.

          Was muss ein Animateur mitbringen, um gut zu sein?

          Er soll vor allem flexibel sein und bereit sein, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Das bezieht sich auf die Einsatzorte und die unterschiedlichen Gäste. Hier in der Bucht von Lefkimi haben wir viele deutsche Gäste. Auf Teneriffa waren wir ein sehr internationales Team und haben jeden Tag 60, 70 Kinder betreut, die Moderation auf Russisch, Englisch und Deutsch gemacht. Wichtig ist die Liebe für den Job. Ich will alles geben, um die Gäste, das Team und mich glücklich zu machen. Wer das ohne Liebe macht, der ist kein guter Animateur.

          Die Sache mit der Liebe scheint aber nicht ohne zu sein. Wie geht das mit nervigen Gäste, denen die Sonne zu heiß, das Meer zu salzig, das Essen zu kalt, die Handtücher zu pink sind?

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