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Home Office : Lieber Büro als Arbeitszimmer

  • Aktualisiert am

Selten genutzte Heimarbeit: Viele gehen lieber ins Büro. Bild: dpa

Im Schlafanzug vor dem Laptop am Küchentisch die Geschäfts-E-Mails checken: So schön kann die Arbeit im Home Office sein. Doch das finden immer weniger Deutsche - und stellen sich damit ganz gegen den europäischen Trend.

          Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Yahoo-Chefin Marissa Mayer in ihrem Unternehmen gegen das „Home Office“ zu Felde zog, also gegen das Arbeiten von zu Hause aus. Zurück an die Schreibtische in der Firmenzentrale, hieß die Devise. Den Trend gibt es offensichtlich in Deutschland schon viel länger als im Silicon Valley: Heimarbeit befindet sich hierzulande seit Jahren auf dem absteigenden Ast, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden.

          2012 arbeiteten einer neuen Studie des Forschungsinstituts zufolge 4,7 Millionen Menschen überwiegend von zu Hause aus, 800.000 weniger als noch vier Jahre zuvor. Die Zahl der Heimarbeiter sei in nahezu allen Berufsgruppen mit zweistelligen Raten zurückgegangen, schreibt der Studienautor Karl Brenke.

          Bei Arbeitnehmern wie Selbständigen ist die Zahl der Heimarbeiter gesunken.
          Bei Arbeitnehmern wie Selbständigen ist die Zahl der Heimarbeiter gesunken. : Bild: DIW Berlin

          Sehr viel häufiger als in Deutschland arbeiten die Skandinavier im Home-Office. Das passt ins Bild, schließlich stehen diese Länder von je her für jede Menge Flexibilität im Arbeitsleben, eine geringe Präsenzkultur und gute Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Doch nicht nur die Nordeuropäer, auch die Franzosen, Briten, Schweizer, Österreicher, Belgier und Luxemburger arbeiten viel öfter von zu Hause aus als die Deutschen. Und damit nicht genug: Als übten wir hierzulande fleißig die Rolle rückwärts hat über ganz Europa gerechnet der Anteil der Heimarbeiter an allen Arbeitnehmern stetig zugenommen, während er in Deutschland abgenommen hat.

          Woran das liegt – darüber kann das DIW bislang nur rätseln. „Zwar gibt es in Deutschland viele Arbeitsplätze in der Industrie, die sich für Heimarbeit nicht eignen, doch insgesamt dürfte sich die Berufsstruktur nur wenig von Ländern wie der Schweiz oder Schweden unterscheiden“, sagt Brenke. Als Erklärung bliebe lediglich die These, dass in anderen Ländern bessere Bedingungen für Heimarbeit herrschten oder dass dort das Home Office unter Chefs und Kollegen einen besseren Ruf genieße.

          Das Home Office ist in der EU deutlich beliebter als in Deutschland.
          Das Home Office ist in der EU deutlich beliebter als in Deutschland. : Bild: DIW Berlin

          Die Studie macht auch Aussagen dazu, in welchen Berufen die Menschen in Deutschland eher zum Home Office neigen und in welchem Beschäftigungsverhältnis sie stehen. 2,7 Millionen Heimarbeiter in Deutschland waren abhängig beschäftigt, was rund acht Prozent aller Arbeitnehmer entspricht. Unter den Angestellten waren es vor allem die Hochqualifizierten, die eher einer Arbeit von zu Hause  aus nachgingen als die weniger gut ausgebildeten.

          Deutlich verbreiteter ist die häusliche Erwerbstätigkeit unter Selbständigen: Die Hälfte der Selbständigen, die ihr Geschäft als Einzelkämpfer ohne Angestellte betrieben arbeiteten 2012 von zu Hause aus. Auch bei den Selbständigen mit Angestellten lag der Anteil der Heimarbeiter bei einem Drittel. Doch auch unter den Selbständigen ist das heimische Arbeitszimmer nicht mehr im Trend; der Heimarbeiter-Anteil fiel zuletzt wieder auf das niedrige Niveau von 1992 zurück.

          Der Anteil der Heimarbeiter ist unter den Solo-Selbständigen am größten.
          Der Anteil der Heimarbeiter ist unter den Solo-Selbständigen am größten. : Bild: DIW Berlin

          Besonders viele Heimarbeiter gibt es nach wie vor unter den Lehrern, die vom häuslichen Schreibtisch aus in der Regel ihre Unterrichtsstunden vorbereiten. Vergleichsweise viele Arbeitnehmer, die zu Hause arbeiten, finden sich auch unter Führungskräften, Vertretern, Publizisten, Juristen, IT-Kräften, Ingenieuren sowie Geistes- und Naturwissenschaftlern.

          Quelle: nab./FAZ.NET

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