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Anders Arbeiten : Ein Hoch auf das Großraumbüro

Sauberkeit und Hygiene lassen ebenfalls nicht nur im Großraumbüro zu wünschen übrig. Echte Messies versauen auch ihr Einzelbüro. Wer es ordentlich mag, wird hingegen selbst im Großraum im Handumdrehen einen sauberen Arbeitsplatz haben. Desinfektionsmittel kann man nutzen, muss man aber nicht. Wozu gibt es Abwehrkräfte? Mein Rat an alle, die sich im Großraumbüro vor Viren fürchten: Längeres kaltes Abduschen am Morgen stärkt die persönliche Resistenz in einer erstaunlichen Art und Weise. Damit übersteht man sogar manche Attacke durch die Viren der eigenen Kinder. Und die sind, wie jeder weiß, erheblich gefährlicher als alles, was die Kollegen im Großraum zu bieten haben.

Und natürlich, die Computer an den Arbeitsplätzen müssen funktionieren. Das tun sie nach meiner Erfahrung dort aber genauso gut oder genauso lange wie am Einzelarbeitsplatz. Dass im großen Team stets der Letzte die Hotline anruft, wenn wirklich kein einziger anderer Schreibtisch als der mit dem defekten Rechner mehr frei ist, dürfte ein Gerücht sein. Ganz grundsätzlich gilt, dass man sich in Großraumbüros ein wenig gegenseitig erziehen kann – und darf: übrigens abermals zum eigenen Vorteil. Kollegen, die überhaupt nicht in der Lage sind, irgendeine Art von Sozialkompetenz zu erwerben, sollten ohnehin nicht Teil eines Teams werden, auch nicht eines Teams, das ausschließlich in Einzelbüros sitzt.

In Einzelzellen sitzen auch die Einsamen

Dass es gut wäre, wenn im Großraumbüro ein jeder mindestens einen verschließbaren Rollcontainer hätte, auf den er verlässlich zugreifen kann, ist keine Frage. Andere Ablageflächen in Schränken wären ebenfalls hilfreich. Wo das nicht so ist – und auch sonst die Quadratmeterzahl oder der Schallschutz von vorne bis hinten nicht passt – der sollte mit dem Betriebsrat seines Vertrauens sprechen. Eine Mitschrift oder eine Akte lässt sich sowieso überall verlegen, unabhängig von der Frage der Ablageflächen. Man könnte auch die These wagen, dass das Großraumbüro in dieser Hinsicht stärker diszipliniert als die große Freiheit des Einsamen in seiner Einzelzelle. Natürlich braucht man solche Rückzugsräume, um auch einmal in Ruhe telefonieren und recherchieren zu können. Eine Arbeitsumgebung, die ausschließlich aus einem oder mehreren Großraumbüros besteht, dürfte es dort, wo Köpfe arbeiten müssen oder sollen, sowieso nirgendwo geben. Private Dialoge wiederum lassen sich heute auf die Schnelle und in aller Stille mit Whatsapp auf dem Handy erledigen; im Zweifel steht man auf und telefoniert auf dem Gang.

Falls Ihnen dieser Artikel gefallen hat, könnte das übrigens daran liegen, dass er selbstverständlich in der Mitte eines Großraumbüros entstanden ist. Hier habe ich nun statt zwei drei Monitore um mich herum (was ein Vorteil ist), Kollegen haben parallel über spannende Themen gesprochen – und außerdem weiß ich jetzt, dass es unter den Kollegen hier sogar noch mehr Fans von Arminia Bielefeld gibt als bisher gedacht. Auch so etwas erfährt man nur im Großraumbüro.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war statt Einsamkeit von Autismus die Rede. Damit sollte die Diagnose “Autismus“ nicht verharmlost werden, weshalb wir das Wort ausgetauscht haben.

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