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Selbstoptimierung : Nicht ohne meinen Coach

Sich einen „Life-Coach“ zu nehmen, ist schick. Nicht nur hier der RTL-II-Sendung „Extrem schwer - Mein Weg in ein neues Leben“. Bild: obs

Früher galt es als Schwäche, einen Berater zu nehmen. Heute ist es schick, ins Coaching zu gehen. Längst nicht nur im Top-Management.

          Natürlich hatte so jemand wie Steve Jobs einen persönlichen Berater, der ihm beruflich auf die Sprünge half. Der legendäre Apple-Vorstandsvorsitzende war kein Naturtalent in Sachen Business und Management, ebenso wenig wie Amazon-Gründer Jeff Bezos oder Google-Chef Larry Page. Wer ist schon ein Naturtalent? Sie alle brauchten einen Coach. Und vielleicht wird es ja schon in wenigen Jahren normal sein, dass nicht nur Vorstände, Chefs und Führungskräfte einen Coach an die Hand bekommen, sondern alle Mitarbeiter - und die Nichtarbeiter erst recht.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An Letzterem arbeitet zumindest Frank-Jürgen Weise, Chef der Arbeitsagenturen, der in einem Modellprojekt Behördenmitarbeiter zu Beratern ausbilden lässt. Denn Weise, der Mann für die Arbeitslosen, hat Angst, dass seine Leute andernfalls selbst arbeitslos werden könnten, weil man in Zeiten der Vollbeschäftigung keine Arbeitsvermittler mehr braucht. Statt die Behörde abzuwickeln, will er lieber das Geschäftsmodell verändern, die Mitarbeiter umschulen und ganz Deutschland coachen lassen: Berufliches Coaching könnte schon bald vom Arbeitsamt verordnet werden.

          Früher gönnten sich nur die Top-Vorstände der Konzerne solche persönlichen Berater. Sie hatten die Idee von Top-Sportlern entlehnt, die sich von ihren Trainern zu Höchstleistungen anspornen ließen. Das englische Wort „Coach“ bedeutet ursprünglich „Kutsche“. Seit 1848 wurde der Begriff umgangssprachlich für private Tutoren benutzt, die Studenten auf die Sprünge halfen. Im sportlichen Bereich wird das Wort seit 1885 in England und in Amerika gebraucht.

          Immer mehr Normalbürger nehmen Beratung in Anspruch

          Von den hiesigen Dax-Vorständen kommt heutzutage kaum einer ohne solche Sparringspartner aus, die längst aber auch Führungskräfte der mittleren und gehobenen Ebene trainieren. Vom Chef spendiert, wird ein Coaching sogar zum Ritterschlag, denn wem solche Förderung zuteil wird, mit dem hat die Firma offenbar Großes vor.

          Neuerdings verordnen sich auch immer mehr Normalbürger eine solche Beratung selbst. Die einen, weil sie am Anfang ihres Lebens stehen und bloß nicht den falschen Weg einschlagen wollen. Die anderen, weil sie sich in der Mitte des Lebens in vielen offenen Fragen verheddern: Soll das schon alles gewesen sein, oder könnte ich mehr aus mir machen? Wie viel Arbeitszeit oder Familienleben muss eigentlich sein? Wieso gerate ich immer wieder mit denselben Charakteren und Kollegen aneinander? Warum rackere ich mich eigentlich ständig für Chefs, Lebenspartner und Kinder ab - und wo bleibe dabei ich?

          Viele haben das Gefühl, sie können oder wollen solche Fragen gar nicht ganz für sich allein entscheiden. Schließlich hängt von der Antwort oft das Schicksal der Familie ab oder zumindest der Rest des eigenen Lebens. Das ist einer der Gründe, aus denen die Coaching-Branche weltweit boomt.

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