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Mobilität bei Führungskräften : Pendeln? Nein, danke!

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Unter Führungskräften ist Pendeln unbeliebt. Einer Studie zufolge würde nur jeder dritte Vorgesetzte von der Familie getrennt leben. Bild: dpa

Ein karrierebedingter Umzug kommt für immer weniger Führungskräfte infrage. Das heißt aber nicht, dass sie generell unflexibel sind.

          Möglichst wenig umziehen und erst recht nicht pendeln: Die Mobilität der Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Das geht aus dem „Manager-Barometer“ hervor, das die Personalberatung Odgers Berndtson am Donnerstag für 2017 veröffentlicht hat. Zum siebten Mal untersuchte das Unternehmen die berufliche Einstellung und Motivation von Führungskräften. Die knapp 1900 Befragten arbeiten für Unternehmen verschiedener Branchen und Größen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

          Die Studie ergab: Das familiäre Umfeld wird immer wichtiger, während die Bereitschaft, den Wohnsitz aufzugeben, sinkt. Aktuell würden demnach nicht mal die Hälfte der Führungskräfte für ihren nächsten Karriereschritt umziehen. Vor fünf Jahren seien dazu noch fast zwei Drittel der Manager bereit gewesen, so das Beratungsunternehmen. Die Vorstellung, aus Deutschland wegzuziehen, kommt dabei noch schlechter an als der Wohnsitzwechsel im Inland. Nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten erklärten sich bereit dazu, für die Karriere ins Ausland zu gehen.

          Außerdem können sich immer weniger Führungskräfte vorstellen, von ihrem Partner oder ihrer Familie räumlich getrennt zu leben: Nur 35 Prozent der Befragten würden heute ein Pendlerdasein in Kauf nehmen. Vor zwei Jahren waren dazu noch 38 Prozent der Führungskräfte bereit, vor fünf Jahren sogar 45 Prozent.

          Bereitschaft zum Pendeln abhängig von Alter, Branche und Geschlecht

          „Die abnehmende Mobilität der Manager beobachten wir seit Jahren, und zwar über alle Branchen, Altersklassen und Hierarchieebenen hinweg“, sagt Kristin van der Sande, Partnerin bei Odgers Berndtson und Leiterin der Studie. In diesem Jahr sei die Mobilität insgesamt auf dem geringsten Stand seit Beginn der Erhebung. „Das Privatleben wird wichtiger – ob mit oder ohne Kinder.“

          Die Generation Y scheint besonders stark an ihrem Wohnsitz zu hängen. Nur jeder Fünfte der befragten jüngeren Führungskräfte schließt nicht aus, für die nächste Stelle eine Fernbeziehung zu führen. Bei den vor 1965 geborenen „Babyboomern“ hingegen wären 41 Prozent dazu bereit. Frauen würden sich mit dem Pendeln ebenfalls häufiger schwertun: Nur 29 Prozent der weiblichen Führungskräfte könnten sich eine räumliche Trennung von Partner oder Familie vorstellen.

          „Manager zwischen 35 und 45 Jahren, bei denen beide Partner berufstätig sind und die Kinderbetreuung mit hohem Aufwand organisiert ist, sind verständlicherweise weniger mobil“, sagt van der Sande. Dass die Bereitschaft zu pendeln oder umzuziehen so stark gesunken ist, bezeichnet sie allerdings als alarmierend. „Die Arbeitgeber müssen flexibler darauf reagieren, sonst gehen ihnen über kurz oder lang die Talente aus.“

          Mehr Flexibilität bei Branche und Fachwissen

          Die Einstellung zum Wohnortswechsel hängt zudem von der Branche ab: Während unter den Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern nur 43 Prozent für eine neue Arbeitsstelle umziehen würden, sind Manager aus der Konsumgüterbranche der Studie zufolge häufiger damit einverstanden.

          Die Studienergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass Führungskräfte generell unflexibel sind. Weiterhin würden vier von fünf Befragten für eine neue berufliche Chance die Branche wechseln, zwei Drittel dafür auch fachlich in eine neue Richtung gehen und mehr als die Hälfte eine neue Sprache lernen. Auch die Zufriedenheit mit der aktuellen Position stieg abermals. Waren im Vorjahr noch 75 Prozent mit ihrer Arbeitsstelle zufrieden oder sehr zufrieden, stimmten dieser Aussage in der aktuellen Befragung 80 Prozent zu.

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