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Digitalisierte Arbeitswelt : Die Arbeiter bleiben in der Fabrik

  • -Aktualisiert am

Alles demnächst automatisch? Oder wird der Mensch doch noch gebraucht? Bild: dpa

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist in aller Munde. Roboter verändern unser Leben und Arbeiten. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir nichts mehr zu tun hätten.

          An Negativszenarios ist kein Mangel: Die Digitalisierung vernichtet Arbeitsplätze, heißt es. Fünf Millionen Jobs binnen fünf Jahren gehen verloren, prophezeit das Weltwirtschaftsforum (WEF) und verstärkt die Sorgen der Mittelschicht in den Industrieländern. Immer höherqualifizierte Arbeitsplätze würden wegdigitalisiert. Dies muss aber nicht zur Realität werden, wenn wir unsere Aus- und Weiterbildung konsequent anpassen und unsere Wirtschaft und Gesellschaft auf die digitale Vernetzung ausrichten.

          Richtig ist: Wir durchleben eine Phase radikalen technologischen Umbruchs. In Deutschland spricht man von einer vierten industriellen Revolution, weil die Digitalisierung in ihren Folgen der Einführung von Dampfmaschine, Fließband und Industrieroboter gleichkommt. Jede Stufe der Industrialisierung kostete viele Jobs - und schuf neue. Arbeitsplätze, die oft interessanter waren, besser bezahlt und weniger gefährlich als zuvor. So ersetzten Industrieroboter in den achtziger Jahren viele Arbeitsplätze. Die Anpassungsphase war hart. Nach dem Übergang aber standen die deutsche Wirtschaft und ihre Beschäftigten besser da als zuvor. Ebenfalls in den Achtzigern mühten sich in vielen Firmen noch große Teams mit der Nachkalkulation ab. Heute wird dies maschinell erledigt. Das mittlere Management muss kaum noch rückwärtsgewandt Bilanzen prüfen. Vorausschauend werden Prognosen erstellt und neue Geschäfte geplant. In diesem Sinne sollten wir nicht überlegen, ob und wie wir die Digitalisierung bremsen, sondern wie wir sie für uns nutzen.

          Die Angst vor der Massenarbeitslosigkeit relativiert der nähere Blick in die Studie des WEF: Gehen in den nächsten fünf Jahren tatsächlich fünf Millionen Arbeitsplätze in den 15 größten Industrienationen verloren, würde die Arbeitslosenquote in den betroffenen Ländern um weniger als 0,3 Prozentpunkte zunehmen. Im Vergleich dazu stieg die Arbeitslosenquote während der Finanz- und Euro-Krise (2008 bis 2013) EU-weit um 3,9 Prozentpunkte, in den Krisenländern sogar um 15 bis 20 Prozentpunkte. Um Missverständnisse zu vermeiden: Auch hinter 0,3 Prozentpunkten mehr Arbeitslosigkeit stehen dramatische Einzelschicksale. Ein radikaler Wandel auf dem Arbeitsmarkt aber sieht anders aus. Die Herausforderung Digitalisierung ist lösbar. Deutschlands Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, wie. Trotz der Finanzkrise sank hierzulande die Arbeitslosigkeit. Einer der Gründe dafür war die hohe Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Automatisierung und Digitalisierung hatten daran einen wichtigen Anteil. Gehen wir nun den Schritt zur Industrie 4.0, können wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken, Arbeitsplätze im Hochlohnland Deutschland halten und sogar neue Jobs schaffen. Erste Firmen denken bereits darüber nach, ausgelagerte Arbeitsplätze nach Deutschland zurückzuholen.

          Was sich sinnvoll automatisieren lässt, wird automatisiert

          Die Menschen werden dabei nicht aus den Fabrikhallen verschwinden. Die Sorgen um den Arbeitsplatz müssen wir trotzdem ernst nehmen. Was sich sinnvoll automatisieren lässt, wird automatisiert. Der Stellenabbau kann aber durch Wachstumsimpulse überkompensiert werden. Die Beratungsfirma BCG rechnet allein im Maschinenbau in den nächsten zehn Jahren mit rund 95 000 zusätzlichen Jobs. Die Arbeit verschwindet also nicht, sie wird neu definiert. Um etwa Datenaustausch in Echtzeit und eine vernetzte Produktion umzusetzen, brauchen wir Teams aus allen Ingenieurdisziplinen. Spezialisierte Fachkräfte bedienen und warten die Maschinen. Der Bedarf an Experten aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) steigt. Viele junge Menschen aber schrecken leider vor einer technischen Berufsausbildung zurück. Ihnen ist nicht bewusst, wie gut eine MINT-Fachkraft verdient. Hier muss die Berufsberatung verbessert werden.

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