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Frauen in Führungspositionen : Sichert euren Aufstieg!

  • -Aktualisiert am

Eine gute Seilschaft ist essentiell, um nach oben zu kommen - und auch dort zu bleiben. Bild: Rüchel, Dieter

Der Weg nach oben ist für Managerinnen meist steinig. Doch oben angekommen, fangen die Probleme mit Chef, Kunden oder Kollegen oft erst richtig an. Und dann? Sechs Tipps.

          Frauen erreichen im Beruf heute viel schneller Spitzenpositionen als je zuvor. Die Bundesregierung hat sogar den Weg für mehr Frauen in den Aufsichtsräten großer Unternehmen geebnet - das Kabinett verabschiedete Ende vergangenen Jahres einen Gesetzentwurf, der von 2016 an für die Aufsichtsräte von Großunternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent vorschreibt. Es gibt Karriereberater, die sagen, das reiche aus, um endgültig mehr Frauen in die erste Reihe zu bringen.

          Andere glauben dagegen, dass sogar Frauen aus Dax-Vorständen immer noch schlecht gerüstet seien für den Aufstiegskampf - vor allem, was ihre Kommunikationsstrategien betrifft. Wir zeigen Ihnen, wie man es im Ernstfall schafft, unverschämte Kollegen in die Schranken zu weisen. Und welche Fehler im Umgang mit gleichrangigen und höhergestellten Kollegen unbedingt vermieden werden sollten:

          Bei Meetings mit Männern

          Die Situation:

          Der Manager eines Chemieunternehmens unterbricht kurz und knapp seine Kollegin, die auf der gleichen Hierarchieebene ist. Statt weiter zu sprechen, lässt sie es zu. Der Kollege fasst nonchalant alles Gesagte zusammen und macht dann Vorschläge für die nächsten Schritte.

          Wie können Sie darauf reagieren?

          Mit einer klaren Ich-Botschaft. „Einen Angriff sollten Sie in diesem Fall vermeiden, also den Kollegen nicht maßregeln oder zurechtweisen, weil er sie unterbrochen hat, das wirkt nur zickig“, sagt Gabriele Schlegel, Beraterin aus Bonn. Besser ist, sofort weiterzusprechen und lauter zu werden. „Einen Augenblick bitte, ich bin noch nicht fertig!“ wäre eine Variante. Eine andere ist die des positiven Verstärkens. „Richtig, Sie haben den Kern des Problems erkannt, und ich denke, genau an dem Punkt unterscheiden sich unsere Sichtweisen.“ Dann präsentieren Sie Ihre Lösungsvorschläge für das Problem.

          Bei eiligen Aufträgen des Chefs

          Die Situation:

          Ihr unmittelbarer Vorgesetzter möchte einen Bericht oder eine Präsentation zu einer bestimmten Deadline vorliegen haben. Sie können den Termin zwar einhalten, schaffen es aber nicht, alle Fakten in der Kürze der Zeit zu sammeln und in Ihrem Bericht unterzubringen.

          Wie können Sie darauf reagieren?

          Lernen Sie das Mogeln. Und lernen Sie, sich selbst zu loben. Es nützt nichts, in diesem Fall kleinlaut zuzugeben, dass Sie aus diesen und jenen Gründen nicht perfekt fertig geworden sind, vielleicht kennt Ihr Chef nicht einmal alle Details. Geben Sie von Anfang an Mängel zu, wird das hängenbleiben. Sie sollten hier kleine Lücken lieber kaschieren. Streichen Sie stattdessen heraus, welche Fakten Sie zusammentragen konnten und was Ihnen gelungen ist. „Frauen glauben oft immer noch, dass der Chef ihre fachlichen Kompetenzen erkennt, dabei hat er in Detailfragen oft weniger Wissen als Sie. Darum müssen Sie Ihre Erfolge noch viel stärker betonen“, sagt Angela Hornberg, Karriereberaterin und Headhunterin in Frankfurt. „Genau das machen Alphamänner untereinander auch.“ Geben Sie also ruhig etwas mehr an. Kritik kommt von außen ohnehin, Sie müssen sich also selbst nicht kleiner machen, dafür sorgt schon ihre Konkurrenz. Wird ein Fehler entdeckt, sagen Sie knapp: „Richtig, gut, dass Sie mich darauf hinweisen, das korrigiere ich gleich noch.“

          Termine mit schwierigen Kunden

          Die Situation:

          Sie haben einen Termin, und Ihr Kunde lässt Sie eine halbe Stunde warten. Oder: Sie erscheinen mit einem Kollegen, der in der Hierarchie unter Ihnen steht, und der Kunde richtet sein Wort zuerst an Ihren Mitarbeiter.

          Wie können Sie darauf reagieren?

          Ist der Verspätete ein sehr wichtiger Kunde, können Sie ihn anrufen und ihm anbieten: „Ich komme gern in zwei Stunden in Ihr Büro.“ Das zeige, „dass Sie ihn respektieren, sich aber nicht zum Spielball degradieren lassen“, sagt Gabriele Schlegel. Auf keinen Fall sollten Sie länger als eine Viertelstunde auf einen Geschäftspartner warten, ohne aktiv zu werden. Zumindest nicht in Deutschland. Wenn ein Mitarbeiter Sie begleitet und von Ihrem Kunden automatisch als Chef wahrgenommen wird, obwohl Sie in Wirklichkeit die Hosen anhaben, müssen Sie das ohne Umschweife klarstellen und zu Ihrem Geschäftspartner sagen: „Guten Tag, ich bin Ihr Ansprechpartner.“

          Bei Gesprächen mit Untergebenen

          Die Situation:

          Sie sollen Aufträge und Arbeit an Ihre Mitarbeiter verteilen und sind neu in der Abteilung oder an der Spitze eines Unternehmens.

          Wie können Sie darauf reagieren?

          Natürlich sollten Sie Ihre Abteilungsleiter kennenlernen und wertschätzen, aber machen Sie von Beginn an deutlich, wer der Chef ist. Das ist nun mal Ihr Job. Und Männer respektieren Sie sonst nicht. „Zu mir kommen oft Frauen, die auf einen Konsens aus sind“, sagt Angela Hornberg. Sie fragen dann ihr Gegenüber: „Ist es okay für Sie, wenn wir...?“ Hier müssen Sie sich bewusst machen, dass Sie Macht haben und dass Sie andere, unter Umständen auch ältere Teammitglieder, führen sollen. Und dass die Spielregeln dafür immer noch männliche sind. Männer bilden Hackordnungen. Auch Ihren Mitarbeitern gegenüber können Sie also ruhig forsch auftreten. Laut werden ist eher ein Zeichen von Führungsschwäche. Was hilft, sind kurze Sätze. „Könnten Sie sich bitte darum kümmern, dass ich die Kopien bekomme“ ist zwar nett, aber zu lang, und das wirkt sehr soft. Gerade wenn Sie mit vielen Männern zusammenarbeiten, werden diese Ihre Höflichkeit nicht unbedingt einordnen können. „Ich brauche die Kopien, bitte!“ ist knapper, das unterstreicht Ihre Autorität.

          Nach einer Beförderung

          Die Situation:

          Sie sind neu im Vorstand, im Aufsichtsrat oder im Top-Management, und Sie sind die einzige Frau unter Männern.

          Wie können Sie darauf reagieren?

          Angela Hornberg, eine begeisterte Bergsteigerin, erzählt ihren Klientinnen gern folgende Metapher: „Sie kommen vom Tal bis zur Schneegrenze mehr oder weniger mit derselben Ausrüstung und einem normalen Training. Sie brauchen eine gute Kondition, einen Anorak im Rucksack für Regen - und das war’s schon. Damit können Sie im Wald, auf Felsen oder auf Geröll gehen. Irgendwann erreicht man aber die Schneegrenze oder den Gletscher. Von da an müssen Sie vieles ändern. Sie müssen vorsichtig gehen, um nicht auszurutschen, Ihre Ausrüstung muss eine andere sein, und - das Wichtigste - Sie können nicht mehr allein gehen, sondern müssen jetzt mit anderen Bergsteigern angeseilt gehen, also eine Seilschaft bilden.“

          Stellen Sie Leute ein, denen Sie vertrauen und die Sie unterstützen. Viele Männer tauschen in dieser Situation die Mitarbeiter aus, ohne mit der Wimper zu zucken. Das hat seine Gründe. Männer gehen nicht ohne Unterstützung in ein feindliches Gebiet, und jedes fremde Terrain ist für Männer erst mal Feindesland. Darum suchen sie sich Weggefährten. „Frauen unterschätzen das und glauben hier leider, es käme auf ihre fachliche Kompetenz an.“ Jeder, der Macht hat, braucht Vertraute, die ihn oben halten, ihm Informationen zutragen und gegen Angriffe von außen verteidigen. Intrigen sind leider normal im Geschäftsleben. Damit muss man ab einer bestimmten Ebene rechnen.

          Als Chef einer eigenen Firma

          Die Situation:

          Sie leiten ein eigenes Unternehmen und müssen Kunden und Mitarbeiter überzeugen.

          Wie können Sie darauf reagieren?

          Holen Sie sich Unterstützung. Sie müssen professionell für sich werben können, öffentliche Auftritte erfolgreich verkaufen, Marketingstrategien entwickeln. Es ist generell wichtig, sich von einer bestimmten Hierarchieebene an regelmäßig mit einem Coach zu treffen, weil man ganz oben nur wenige Freunde hat, die einem die Wahrheit erzählen. Engagieren Sie einen Medienberater, einen PR-Berater. Suchen Sie sich gute Experten in den Gebieten, in denen Sie keiner sind. „Der größte Fehler, den Frauen machen, ist, dass Sie glauben, alles Fachliche allein schaffen zu müssen“, sagt Angela Hornberg. Das ist ein fataler Irrtum. Sie sind der Boss, und Sie bezahlen gute Leute für den Input, den Sie für Ihr Geschäft oder Ihre Arbeit brauchen.

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