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Forschung aus Norwegen : Sind Frauen die besseren Führungskräfte?

  • Aktualisiert am

Chefin mit eher schwieriger Persönlichkeit: Miranda Priestly in „Der Teufel trägt Prada“ Bild: dpa

Es haben schon viele Forscher versucht zu argumentieren, dass Frauen eigentlich die besseren Chefs abgeben. Aber alle Studien teilen dasselbe Problem. Diese hier versucht es mal auf andere Weise.

          Dass mehr Frauen in Führungspositionen sollen – davon ist unablässig die Rede. Und es gab schon viele Studien, die versuchten zu argumentieren, dass Frauen mindestens gleich gute, wenn nicht gar bessere Chefs abgeben. Bislang haben Forscher aber noch kaum darauf geschaut, warum das möglicherweise so sein könnte.

          Wissenschaftler um Oyvind Lund Martinsen von der Norwegian Business School haben nun genau das getan und ließen 2900 Führungskräfte hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsmerkmale untersuchen. Sie definierten fünf Charakterzüge, die für gutes Management wichtig sind: Emotionale Stabilität, Extrovertiertheit, Offenheit, Geselligkeit und Gewissenhaftigkeit. Und tatsächlich: Die untersuchten Frauen kamen im Durchschnitt in vier der fünf Kategorien auf bessere Ergebnisse als die untersuchten Männer.

          Das Vorgehen der Forscher ist deshalb so spannend, weil bisherige Studien vor allem darauf schauten, ob mehr Frauen im Management dazu führen, dass Unternehmen bessere Umsätze oder Gewinne erwirtschaften oder einen höheren Börsenwert haben. So fanden etwa Forscher des Peterson Instituts for International Economics in Washington in der bislang größten Studie zum Thema in 91 Ländern heraus, dass ein um 30 Prozent höherer Frauenanteil in der Chefetage mit einem um 15 Prozent erhöhten Netto-Umsatz einhergeht. Und McKinsey stellte schon im Jahr 2007 fest, dass eine signifikante Korrelation besteht zwischen einem höheren Frauenanteil in den Führungsteams und einem Anstieg in der Eigenkapitalrendite sowie der Ebit-Marge. Viele Schlagzeilen machten später auch Studien der Schweizer Bank Credit Suisse aus dem Jahr 2012 und 2014. Das Ergebnis: Unternehmen mit mindestens einer Frau im Vorstand erwirtschaften höhere Renditen.

          Sind Frauen auch gut auf der Leitungsebene?

          All diese Erkenntnisse klären aber nicht unbedingt die Frage, ob Frauen gleich gute oder gar bessere Führungskräfte sind als Männer. Denn schließlich könnte es auch sein, dass gerade diejenigen Unternehmen, die ohnedies erfolgreich sind, es sich leisten können, auf Geschlechtervielfalt zu achten. Dann würden gerade die sowieso Erfolgreichen gleichzeitig auch die meisten Frauen im Management haben.

          Die Norwegian Business School nähert sich jetzt mit ihrem Ansatz eher der Frage nach den möglichen Gründen für einen Vorteil von mehr Frauen im Management. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mit Blick auf die Persönlichkeit, Frauen fitter für Führungspositionen sind als ihre männlichen Kollegen, jedenfalls in den Dimensionen Klarheit, Innovationskraft, Unterstützung und zielgerichtete Genauigkeit“, schreiben die norwegischen Forscher. Allerdings zeige die Studie auch, dass weibliche Führungskräfte eine etwas stärkere Tendenz zur Besorgnis hätten und in der Dimension „emotionale Stabilität / Stressresistenz“ schlechter abschnitten als die Männer.

          Quelle: nab.

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