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Neue Umfrage zeigt : Finanzbranche bei Frauen besonders unbeliebt

Aktienhändlerin an der Frankfurter Börse Bild: AFP

Aktienhändler oder Fondsmanager sind klassische Männerdomänen – immer noch. Dafür gibt es Gründe, geht aus einer neuen Umfrage hervor.

          Es gibt viele Berufsfelder, in denen der Anteil der Männer traditionell überwiegt. Die Finanzbranche zählt sicherlich dazu, auch wenn sich natürlich nicht alle Bereiche über einen Kamm scheren lassen. So sind Frauen in Finanzunternehmen bislang besonders häufig im Marketing, in der Personalabteilung oder in der Abwicklung, dem „Backoffice“, zu finden. Viele andere Aufgabegebiete werden dagegen oft gemieden. So gibt es zum Beispiel nur wenige Fondsmanagerinnen oder auch geldpolitische Expertinnen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das hat vielerlei Gründe. Einige davon hat eine Umfrage der Universität Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Karrierenetzwerk Fondsfrauen zutage gebracht. Befragt wurden gut 1100 Studierende der Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt, Mannheim und St. Gallen im Durchschnittsalter von 23 Jahren – rund die Hälfte Frauen. Demnach gilt die Finanzbranche als sehr wettbewerbsorientiert. Dies bewerten zwar rund drei Viertel der männlichen Studenten als positiv.

          50 Prozent der weiblichen Umfrageteilnehmer mögen dies jedoch nicht und schätzen eher die Arbeit im Team. Der Finanzbereich gilt zudem als männerdominiert, was fast die Hälfte der befragten Frauen anders als die Männer als unangenehm und abschreckend empfindet. Einig sind sich beide Gruppen darin, dass in der Finanzbranche gut bezahlt wird. Doch die weiblichen Studenten schätzen ihr künftiges Gehalt signifikant niedriger ein als die Männer.

          Faire Work-Life-Balance gefragt

          Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Vor allem weibliche Studierende scheuen die aus ihrer Sicht mangelnde Vereinbarkeit der Branche mit ihren eigenen Moralvorstellungen. Unabhängig vom Geschlecht schätzen die Befragten die öffentliche Wahrnehmung der Finanzbranche als denkbar schlecht ein, was nicht zuletzt an der Finanzkrise und immer neuen Skandalen liegen dürfte. Unter 13 Industrien landete sie, vor Energiekonzernen, auf dem vorletzten Platz; in Deutschland war die Branche sogar das Schlusslicht. Die Umfrageteilnehmer sagen dennoch mehrheitlich, dass die Finanzindustrie interessante Berufsperspektiven bietet. Insbesondere männliche Studierende sehen die Branche als attraktiven Arbeitgeber. Die befragten Frauen bevorzugten Marketing und Personal. Die Männer zeigten dagegen eine stärkere Präferenz für das Portfoliomanagement.

          Als Fach machen „Finanzen“ den Befragten beider Geschlechter mehrheitlich Spaß, jedoch glauben Frauen weniger als Männer, dass sie in diesem Bereich gut sind. Die Umfrage der Universität Mannheim fördert auch Gründe zutage, die vor allem die weitere Lebensplanung betreffen. Besonders weibliche Studenten nehmen die Branche als wenig familienfreundlich wahr und befürchten, dort keine faire „Work-Life-Balance“ vorzufinden, den Einklang zwischen dem Arbeits- und Privatleben.

          Moralische Standards als Werbebotschaft ?

          Die tatsächlichen Zahlen sprechen für sich. Der Anteil weiblicher Portfoliomanager aller in Deutschland zum Vertrieb stehenden Investmentfonds betrug 2016 nur gut 9 Prozent. Dies ergab eine Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG zusammen mit den Fondsfrauen unter Investmentgesellschaften. In Amerika seien es rund 10 Prozent. Im Marketing von Finanzunternehmen wiederum belief sich der Frauenanteil demnach hierzulande auf drei Viertel und im Personalbereich sogar auf 90 Prozent. Und selbst hier gelinge es deutlich weniger Frauen als Männern, in Führungspositionen zu kommen.

          Und was könnte die Branche tun, um mehr Frauen für Aufgaben wie Portfoliomanagement, Vertrieb oder Produktentwicklung zu gewinnen? Für die gezielte Ansprache weiblicher Studenten sei eine völlig andere Botschaft nötig, als bisher oft kommuniziert, sagt die wissenschaftliche Leiterin der Studie und Professorin Alexandra Niessen-Ruenzi. Es sei keine gute Idee, sich vor allem als ein auf Profitmaximierung und Wettbewerb ausgerichtetes Unternehmen zu präsentieren und ein „Wolves of Wall-Street“-Image zu vermitteln. Die Arbeitgeber der Finanzindustrie sollten besser glaubhaft darlegen, dass Teamgeist oder die Einhaltung moralischer Standards zentrale Bestandteile der Arbeit seien.

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