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Fehlende Englischkenntnisse : „Hällo, sis is Dieter koling!“

Bild: Cyprian Koscielniak

In vielen Büros gehört Englisch zum Arbeitsalltag - zumindest das, was viele dafür halten. Denn Deutsche stehen mit der Sprache oft auf Kriegsfuß. Elegantes Parlieren klingt anders.

          Nur wenigen Deutschen gelingt es, elegant auf Englisch zu parlieren, aber selten geht ein Satz von fundamentaler Tragweite so sehr in die Hose: „I think ... there will no ... it will not happen, that there will be a Staatsbankrott in Greece“, stotterte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Oktober 2012 vor einem Millionenpublikum in die Fernsehkameras. Never mind, dass die Finanzkrise einem neuen Höhepunkt entgegensteuerte. Never mind, dass sich die krisengebeutelten Europäer nichts sehnlichster wünschen als eine Führungsfigur, zu der sie aufsehen können. Da ist ein solcher Satz nicht gerade hilfreich - wohl aber der souveräne Umgang mit den sprachlichen Fehlleistungen. „Mir tut jeder leid, der mein Englisch ertragen muss“, witzelte Schäuble wenig später im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und gab gut gelaunt kund: „Aber schlecht gesprochenes Englisch ist schließlich eine der am meisten gesprochenen Sprachen der Welt.“

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Allerdings. Und die Deutschen könnten ein Lied davon singen, wenn sie einmal ihre Englischkenntnisse selbstkritisch beurteilen würden. Das allerdings tun nur die wenigsten, im Gegenteil: Kaum ein Unternehmen von internationalem Rang und Namen - und davon gibt es in Deutschland viele -, das seinen Mitarbeitern im Arbeitsalltag nicht regelmäßig die gepflegte englische Konversation abverlangen würde: in endlosen Conference Calls und einem regen E-Mail-Verkehr werden Mitarbeiter dazu gezwungen, ihre unterentwickelten Englischkenntnisse vor einem mehr oder weniger größeren Kollegenkreis zur Schau zu stellen. „Hällo, sis is Dieter koling. Ei kant hier ju. Eim on my händi.“ Über den mitunter verheerenden Eindruck bei Geschäftspartnern wird dabei geflissentlich hinweggesehen. Dabei gehört es zu einer Binsenweisheit, dass selbst die klügsten Gedanken im Jammertal der Lächerlichkeit versinken, wenn sie mit einer verhunzten Grammatik und einem starken Akzent übermittelt werden.

          Lieber technische als grammatikalische Konstruktionen

          Die fehlenden Sprachkenntnisse ziehen sich dabei durch alle Branchen - vor allem in Bereichen, in denen Abiturienten bei der Auswahl ihres Studiums den Fokus nicht zuerst auf die Internationalität gelegt haben. Viele Ingenieure begeistern sich naturgemäß mehr für technische Konstruktionen als für grammatikalische. Auch Mediziner dürften sich in erster Linie für Biologie interessieren und weniger begeistert darüber sein, den neusten Stand der Forschung nur anhand von englischen Fachaufsätzen verfolgen zu können. Und Juristen sind zwar an Sprache interessiert - allerdings zuallererst an ihrer eigenen. Nicht selten verzweifeln Richter an Patent- und Arbeitsgerichten daran, dass zu Beweiszwecken immer häufiger englische E-Mails herangezogen werden.

          Der anekdotische Eindruck wird auch empirisch belegt durch eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung Gfk, die im April und Mai mehr als 2100 Personen über ihre Englischkenntnisse befragte: Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer verfügen der repräsentativen Umfrage zufolge nur über mangelnde Englischkenntnisse. Wie praktisch, dass ein Sprachkurseanbieter als Auftraggeber der Studie gleich die passende Abhilfe anbieten kann. Doch teure Sprachkurse dürften die ganze Tiefe des Problems gar nicht abdecken, denn für eine vernünftige Arbeitsebene ist eine weit höhere Qualifkationsstufe gefragt als die lockere Konversation. Und davon kann in deutschen Büros noch keine Rede sein: Lediglich jeder Zehnte spricht fließend, gerade einmal 2,1 Prozent der Arbeitnehmer sind verhandlungssicher.

          Lieber nach Holland

          Dabei können Englischkenntnisse sogar eine Rolle bei Standortentscheidungen spielen. Der amerikanische Online-Händler Fab.com etwa hat zwar seine Europa-Zentrale in Berlin, aber für das geplante erste europäische Logistikzentrum des Unternehmens bekam das holländische Eindhoven den Zuschlag. Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Jason Goldberg nennt mangelhaftes Englisch als einen der Gründe, warum Deutschland den kürzeren zog. „Die Holländer beherrschen die Sprache viel besser. In Deutschland haben wir schlechte Erfahrungen gemacht,“ sagte Goldberg. Bislang kommt die Ware von Fab aus einem von der Deutschen Post DHL betriebenen Lager in Kassel. Fab habe festgestellt, dass viele der dortigen Mitarbeiter nur über sehr dürftige Englischkenntnisse verfügen, selbst wenn es sich um Führungskräfte handelt. Goldberg meint, für sein Unternehmen sei auch in einem Distributionszentrum unverzichtbar, dass die Mitarbeiter mit Englisch umgehen können. „Unsere ganzen Systeme, Verpackungen und Dokumente sind auf Englisch.“ Die Sprachdefizite sind Goldberg nicht nur im Lager aufgefallen. „Wir hatten auch in Berlin oft Schwierigkeiten, Mitarbeiter für die Kundenberatung zu finden, die gut Englisch sprechen.“

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