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Familie und Beruf : Karrierefalle Mütterauszeit

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Lange Zeit entpuppte sich der Erziehungsurlaub für Frauen als Karrierefalle. Angesichts des Fachkräftemangels denkt die Wirtschaft um. Karriere und Kind zu verbinden wird einfacher – wenn die Weichen früh gestellt werden.

          Früher Nachmittag, ein Sandkasten irgendwo in Deutschland. Am Rand zwei Frauen, beide Ende dreißig, beide irgendwie genervt. „Natürlich ist das Geld knapp“, klagt die erste, „aber auf meine Führungsposition konnte ich nicht zurückkehren. Dazu ist der Kleine zu oft krank.“ „Kenne ich“, stimmt die zweite zu. „Ich wollte Teilzeit arbeiten, und nun bin ich die Assistentin meines ehemaligen Praktikanten.“ Gemeinsames Seufzen, bis sich eine dritte ins Gespräch mischt. „Und warum?“, fragt sie provokant. „Das hätte man doch auch rechtzeitig anders regeln können ...“

          Hätte man? Die Antworten, die nun auf die arme Frau einprasseln, kennt nicht nur Frauke Spreckels, Vorstandsvorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter (VBM), aus dem Effeff: „Einer muss sich ja um die Kinder kümmern.“ „Alles geht eben nicht.“ Und nicht nur das: Spreckels kann sie sogar verstehen. Denn vor gar nicht langer Zeit, gibt sie zu, hätten sie auch aus ihrem Munde kommen können. Der Soziologin ist selbst passiert, was auch heute noch für viele Mütter zur Falle wird: Sie stieg vollkommen unbedarft aus dem Job aus. Als Ende 2000 ihr zweites Kind geboren wurde, wollte sie die Zeit erst mal genießen. Schon vorher hatte sie selbständig gearbeitet, danach, so ihr damaliger Irrglaube, ginge das auch noch. Doch als sie sich vier Jahre später wieder auf dem Markt zurückmeldete, „waren die alten Kontakte weg“.

          Viele schaffen den Wiedereinstieg nicht

          Heute weiß Frauke Spreckels, dass das, was sie erlebt hat, typisch ist. Auch viele festangestellte Frauen schaffen den Wiedereinstieg nicht – trotz gesetzlicher Rückkehrgarantie. Natürlich seien die Gründe dafür vielfältig, und natürlich spiele auch die regional mitunter schwierige Betreuungssituation eine Rolle, räumt Spreckels ein. Sehr oft jedoch, so auch das Ergebnis einer 2007 von der EU geförderten Regionalstudie am Niederrhein, ist es aber auch die Naivität der Frauen selbst, die die Rückkehr erschwert. Statt offensiv mit dem Thema umzugehen, beschäftigen sich viele werdende Mütter vor dem Ausstieg gar nicht mit dem Thema und sind dann bei ihrer Rückkehr von der Situation überfordert. Klassisches Beispiel: Die Frau will Teilzeit arbeiten, der Arbeitgeber bietet eine Position, die weit unter ihrer Qualifikation liegt. Viele Frauen lassen sich dann darauf ein oder verzichten lieber ganz – beides Optionen, auf die sich Frauen angesichts des neuen Unterhaltsrechts eigentlich gar nicht mehr einlassen dürften: „Sie tun es aber.“

          Dabei ließe sich ein solcher unfreiwilliger Ab- oder Ausstieg oft ganz einfach vermeiden, wenn rechtzeitig agiert würde. Das zeigt das Beispiel von Petra Trautwein. Sie hat in nur sechs Jahren drei Kinder bekommen und arbeitet trotz Teilzeit wieder wie zuvor im Großkundenmarketing. Zwar hat auch sie pausiert, aber vor jedem Ausstieg ihrem Arbeitgeber, dem Softwarehersteller Microsoft, klar kommuniziert, dass und wann sie wiederkommen wird – und der hat ihr keine Steine in den Weg gelegt. Warum auch: Seit Jahren schon ist es erklärte Personalpolitik des Konzerns, qualifizierte Frauen im Unternehmen zu halten. Dafür werden Müttern, die frühzeitig mit dem Arbeitgeber kommunizieren, Lösungen maßgeschneidert. Alle Teilzeitmodelle sind denkbar; soweit machbar, werden auch Arbeitsplätze zu Hause eingerichtet. Anders, so hat Geschäftsführer Achim Berg wiederholt erklärt, sei es auch gar nicht möglich, dem zunehmenden Bevölkerungsschwund zu begegnen.

          Alarmglocken schrillen in den Unternehmen

          Fast zwangsläufig in Branchen und Berufen, in denen das Stichwort Fachkräftemangel in aller Munde ist, aber zunehmend auch in anderen Bereichen sind die Unternehmen bereit, auf die Frauen zuzugehen. Noch vor ein paar Jahren schmückten sich viele mit großzügigen Verlängerungen der Erziehungszeiten, einige kauften den werdenden Müttern sogar ihre Stellen ab. Spätestens jedoch seitdem im vergangenen Jahr gleich mehrere Studien, darunter eine der Unternehmensberatung McKinsey, belegten, dass Unternehmen mit Frauen in den Führungsetagen eine höhere Eigenkapitalrendite erzielen, schrillen die Alarmglocken.

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