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Exoskelette : Ein Roboter für den Körper

  • -Aktualisiert am

Dieses Exoskelett wird über die Schultern geschnallt - wie ein Trekking-Rucksack. Bild: Fraunhofer

Ein Exoskelett ist eine Art Maschine zum Anziehen. Wer es trägt, sieht wie Superman aus. Bei körperlich schwerer Arbeit kann es helfen – aber auch Schaden anrichten.

          Ein Stuhl, der keiner ist, sorgt in der Industrie seit einiger Zeit für Aufsehen. Beispielsweise beim Autokonzern Audi, wo der „Chairless Chair“ immer mehr Mitarbeitern in der Produktion hilft, sich hinzusetzen – ganz ohne Möbelstück. Der Chairless Chair ist eine mechanische Unterstützung vom Schweizer Start-up Noonee. Er sieht aus wie ein Plastikteller, der unter dem Gesäß des Trägers sitzt und aus dem zwei künstliche Beine ragen. Die reichen an der Rückseite seiner wirklichen Beine entlang bis auf den Boden. Das Sitzen auf dem Plastikteller verleiht Menschen eine andere Haltung, verringert die körperliche Belastung und verändert so die Arbeitsbedingungen.

          Viel ist die Rede von Veränderungen der Arbeitswelt und Industrie 4.0. Meist geht es darum, wie die Digitalisierung unsere Art, zu arbeiten, und Abläufe in der Produktion prägen wird – und oft steht der Geist im Mittelpunkt: Überall lesen wir Thesen über Künstliche Intelligenz, Algorithmen und smarte Zusammenarbeit. Darüber allerdings, wie sich die harte körperliche Arbeit durch angewandte Forschung verändern lässt, liest man bedeutend weniger. Obwohl es ein Feld ist, auf dem sich gerade eine dynamische Entwicklung vollzieht: In unzähligen Unternehmen laufen schon Tests mit sogenannten Exoskeletten – außerhalb des Körpers angebrachte Vorrichtungen, die Belastungen abfedern, Schäden vorbeugen und in schwierigen Haltungen helfen. Schon bald dürften sie vielerorts nicht mehr wegzudenken sein. In der Pflege, in Autofabriken und in Logistikzentren stehen die Exoskelette kurz vor dem Durchbruch.

          Bei Audi beschäftigt sich die Abteilung des Industrie-Ingenieurs Ralph Hensel seit drei Jahren im Zuge der Ergonomie-Strategie mit Exoskeletten – auch in einer federführenden Rolle für den gesamten Volkswagen-Konzern. „Wir schauen uns an jedem Standort und in allen Bereichen der Logistik und Produktion genau an, wo solche Lösungen den Mitarbeitern weiterhelfen können“, sagt Hensel. Dabei war es anfangs gar nicht leicht, geeignete Partner für Tests zu finden. Bei einer Sondierung des Marktes fand Audi 44 Angebote zu Exoskeletten, doch nur elf verfügten über die nötigen Zertifizierungen. Ohne CE-Siegel darf aber kein neues Gerät an der Produktionslinie eingesetzt werden.

          Keine Zwischenfälle, keine Stürze

          Mit zwei Partnern hat man nun ausgiebig und mit positivem Zwischenfazit getestet. Einsatzorte waren stationäre Arbeitsplätze in der Vormontage und einzelne Punkte entlang der Produktionslinie, etwa beim Verkabeln des Motorraums oder bei der Anbringung der Einstiegsleisten. Dort, sagt Hensel, entlasteten die Exoskelette die Mitarbeiter. Zwar solle etwa der „Chairless Chair“ keinen Stuhl ersetzen, doch könne er eben bei stehenden Tätigkeiten entlasten und helfen, Zwangshaltungen zu vermeiden. Natürlich sei es Gewöhnungssache für die Mitarbeiter, mit einem solchen Fremdkörper auf Tuchfühlung zu arbeiten. Doch habe es bislang keine negativen Zwischenfälle oder gar Stürze gegeben, sagt Hensel.

          Auch Robert Barthel steht im regen Austausch mit dem Audi-Ergonomie-Spezialisten Hensel und vielen anderen Spezialisten aus der Industrie. Barthel, für Deutschland verantwortlicher Manager beim Arbeitsschutzspezialisten Iturri, vertreibt hierzulande die Exoskelette des niederländischen Unternehmens Laevo – die ebenfalls im Volkswagen-Konzern getestet werden. Anders als der „Chairless Chair“ sitzt das Laevo-System nicht an den Beinen, sondern ähnlich wie ein Backpacker-Rucksack zwischen Schultern und Hüfte. Es unterstützt Arbeiter mittels eines Federmechanismus bei Hebearbeiten in ansonsten stark belastender körperlicher Haltung.

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