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Emotionen im Büro : Zeigt mehr Gefühl!

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak

Wutausbrüche, Liebesschwüre, Trauerphasen - Emotionen bestimmen unseren Berufsalltag. Mit dem richtigen Umgang tun sich Betroffene und Vorgesetzte aber häufig schwer.

          An diesen Wutausbruch erinnert sich Peter Meiser bis heute. Die Scheidung war gerade ausgesprochen, seine finanzielle Situation deswegen ein Desaster, und mit dem neuen Kollegen kam er einfach nicht klar. Gleich mehrere Projekte stockten. Da kam die junge Teamassistentin gerade recht, der es auch im dritten Anlauf nicht gelang, eine fehlerfreie Power-Point-Präsentation vorzulegen. Zehn Minuten lang musste sie sich alles anhören, was der Controller schon immer mal hatte sagen wollen - bevor er, laut Türen schlagend, aus dem Büro stürmte. Bis heute, betont Meiser, eigentlich ein sehr ruhiger Mensch, sei ihm die Szene peinlich.

          Dabei hatte Meiser, der in Wirklichkeit anders heißt, noch Glück im Unglück. Sein Chef reagierte besonnen, sah das Gefühlschaos, aus dem sein Mitarbeiter nicht herausfand, und verordnete ihm zunächst ein paar Tage Auszeit. Danach schickte er ihn auf ein Seminar mit dem Schwerpunkt Konfliktmanagement. In anderen Unternehmen hätte das auch anders ausgehen können.

          Inzwischen, betont Tim Hagemann, Inhaber des Lehrstuhls Arbeitsorganisation an der Fachhochschule Bielefeld, ist es zwar Allgemeinwissen, dass „menschliches Handeln ohne Gefühle nicht möglich ist“. Dennoch, erlebt der Arbeitspsychologe immer wieder, wird das Thema in der Arbeitswelt längst nicht so offen behandelt wie im Fall Meiser. Gefühlsausbrüche sind vielerorts tabu, Gefühle überhaupt unbekanntes Terrain.

          Nicht zu ignorieren

          Eine Einschätzung, die sich auch in vielen Antworten auf Interviewanfragen an Unternehmen widerspiegelt. „Spannendes Thema“, hieß es mehr als einmal, „aber da es bei uns hierzu keine festen Strukturen gibt, möchten wirlieber nichts dazu sagen.“

          Dabei kann kein Unternehmen das Thema wirklich ignorieren. Denn es ist egal, ob die Empfindungen privater Natur sind wie Trauer, Liebeskummer oder auch neues Liebesglück. Oder ob sie direkt mit dem Beruf zusammenhängen - immer gibt es direkte Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, darin sind sich Arbeitspsychologen, Managementtrainer und Personalexperten einig. Und schlimmer noch: Werden sie verdrängt, sind diese sogar noch stärker.

          Strukturelle Veränderungen im Unternehmen zum Beispiel oder neue Vorgesetzte lösen oft Ängste aus, berichtet auch Friedrich-Wilhelm Falkenreck, Personalleiter im Continental-Konzern. Werden diese nicht thematisiert, leidet darunter die Qualität der Arbeit. Sympathien oder Antipathien können sogar ganze Projektgruppen auseinanderbrechen lassen.

          Das Innenleben deuten

          An diesem Punkt sind die Vorgesetzten gefragt. Nur wenn es den Führungskräften gelingt, das Innenleben ihrer Mitarbeiter zu erkennen und zu deuten, erläutert der Bremer Persönlichkeitstrainer Michael Blochberg, können sie ihre Führungsaufgaben wirklich erfüllen. Personalmanager Falkenreck sagt: „Gute Führung gelingt nur, wenn Führungskräfte offen sind und sich ihre Mitarbeiter auch trauen, in schwierigen Situationen, ihre Gefühle zu zeigen.“

          Dass es dennoch so wenig Bereitschaft gibt, über emotionale Themen zu sprechen, erklären die Experten damit, dass die Gemütsregungen in der Arbeitswelt gerade erst ankommen. Noch bis vor ein paar Jahren, erinnert sich ein Personalverantwortlicher aus der Bankenbranche, ging es in Mitarbeitergesprächen ausschließlich um Zielvereinbarungen und harte Zahlen. „Heute wird auch mal nachgefragt, wie es die Mitarbeiterin denn verkraftet, dass vor kurzem beide Eltern gestorben sind.“ Die Wahrnehmung ändert sich, wie auch das Beispiel Meiser zeigt. Aber „sehr, sehr langsam“, findet Coach Blochberger.

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