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Dueck dagegen : Warum Intros schlafen gehen und Extros an die Bar

  • -Aktualisiert am

Nach dem Meeting noch an die Bar? Intros wollen lieber schnell ins Bett. Bild: Patrick Junker

Ich bin introvertriert. Wir Introvertierten hassen lange Meetings, Facebook-Likes und Smalltalk. Wir denken lieber nach. Ist das noch normal?

          Ich oute mich: Ich bin introvertiert. Deshalb ärgere ich mich grimmig über die vielen Bücher, die den Extrovertierten erklären, wie anders doch Introvertierte „ticken“. Denn sie verstehen die Introvertierten nicht. Ohne erläuternde Bücher gelesen zu haben, finden sie Introvertierte in erster Linie seltsam und irgendwie komisch-verdächtig. Das stört das Zusammenleben, und so verraten ihnen die vielen Ratgeber, dass Introvertierte auch gute Eigenschaften haben können. Aha! Extrovertierte sind eben „normal“, weil sie in der Mehrheit sind. Daher, so finden sie, haben sie alle normal gewünschten Eigenschaften – das ist ja das Wesen des Normalen.

          Bekanntlich unterscheiden sich Intros und Extros in ihrem Umgang mit Energie. Wenn sie unter vielen Menschen sind, fühlen sich Extros pudelwohl. Dagegen werden Intros bei zu viel Kommunikation überstrapaziert, weil sie ständig wirklich zuhören und nachdenken. Die Extros dagegen reden begeistert drauflos, gerne mal ins Unreine. Intros melden sich nur nach reiflicher Überlegung zu Wort und wirken daher im Gemenge unauffällig und still. Extros sprudeln sofort über, einfach so – egal, ob sie etwas zu sagen haben oder nicht. Intros dagegen legen auf den Inhalt ihrer Äußerungen Wert und wollen zusätzlich sicher sein, dass man ihre Beiträge auch würdigt und ernst nimmt, sonst sagen sie lieber nichts. Einfach so reden? Nein. Daher hassen sie auch alle die inhaltslosen Smalltalks.

          Gunter Dueck

          Extros sind in Meetings in ihrem Element und drehen stundenlang richtig auf. Sie baden in der Menge! Intros aber finden lange Meetings ätzend und sehr anstrengend. Wenn ein zehnstündiges Meeting endet, gehen Intros ganz überanstrengt sofort auf ihr Hotelzimmer, Extros aber müssen erst noch runterkommen und an der Bar absacken, wo sie noch lange weiterreden. Intros nehmen es übel, dass es lange Meetings gibt. Extros können es nicht glauben, dass andere nicht an die Bar wollen. Sie finden deshalb, das Intros schwierige Menschen sind, die sich ungesellig benehmen und nicht einfach so sind „wie alle“. Introvertierte denken selbst, sie stimmen ihre Gedanken nicht mit anderen ab und kümmern sich vorrangig um Wahrheit und nicht darum, was alle denken. Sie sind einfach nur Eigenbrötler, schlimm! Sie weigern sich auch gerne, Projektleiter oder Führungskraft zu werden, sie haben einen eigenen Kopf und erscheinen im Ganzen „nicht normal“, was für Extrovertierte irgendwie nach „neurotisch“ und „defizitär“ riecht.

          Eine gigantische Geldverschwendung

          Deshalb schlage ich jetzt einmal zurück. Auf diese ganze Hammelherde drauf und auf die Lemminge, die sich benehmen, wie „man“ sein soll oder wie alle es gut finden. Verzeihen Sie mir, es muss einmal raus. Es sagt ja sonst keiner. Es liegt daran, dass viele nicht wissen, was einen Intro ausmacht. Jeder versteht doch den Unterschied zwischen Mann und Frau. Und es wird heute anerkannt, dass im Beruf immer nur all das normal ist, was männlich ist. Der Hauptgeschlechterkampf dreht sich darum, das allgemeine Verständnis männlich = maßgebend aufzuheben. Aber das Verständnis extro = maßgebend wird noch gar nicht angetastet. Um diese Front zu eröffnen, schieße ich einfach einmal Brandpfeile in die ungefähre Richtung.

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