http://www.faz.net/-gyl-15vx8

Doppelkarrieren : Nicht ohne meinen Partner

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Wollen in einer Beziehung beide Karriere machen, bedarf es einer guten Planung - und der Bereitschaft, sich von alten Rollenbildern zu lösen. Denn das Leben zwischen Job, Kindergarten und Haushalt ist nicht immer einfach zu managen.

          Es gibt echte Traumpaare - auch im Beruf: Maria Fresia und Luca Scardovi machen ihre Karriere im Gleichschritt. Sie haben beide in Genua studiert und in Elektrotechnik promoviert, gemeinsam erst in Belgien geforscht, dann an einer amerikanischen Eliteuniversität. Seit vergangenem Herbst leben sie in München. Scardovi hat an der Technischen Universität eine Juniorprofessur angenommen, Maria Fresia arbeitet in der Forschungsabteilung des Chipherstellers Infineon.

          Wo du hingehst, da will auch ich hingehen? Für die beiden Wissenschaftler war das eine bewusste Entscheidung: „Als wir geheiratet haben, war für uns klar, dass wir aus Italien wegwollten, weil dort eine akademische Karriere schwierig und die Bezahlung schlecht ist“, erzählt die Dreißigjährige. „Und der Plan war, dass einer von uns eine gute Position finden muss und dass dann der andere versucht, eine Stelle ganz in der Nähe zu bekommen.“ Eine Fernbeziehung, wie sie viele Paare mit dem gleichen Forschungsgebiet führen, kam für sie nicht in Frage. „Eher sind wir bereit, Kompromisse bei den angebotenen Stellen einzugehen.“

          Immer weniger Frauen konzentrieren sich voll auf die Familie

          Hochqualifizierte Doppelkarrierepaare wie Fresia und Scardovi, die synchron die Karriereleiter erklimmen, gibt es immer öfter. Michel Domsch vom Institut für Personalwesen und internationales Management der Hamburger Bundeswehr-Universität geht davon aus, dass mittlerweile 40 Prozent der männlichen Führungskräfte im Alter bis zu 45 Jahren in Doppelkarrierepartnerschaften leben. Bei den über Sechzigjährigen ist der Anteil noch wesentlich niedriger. „Doppelkarriere ist eben auch eine Generationenfrage“, erklärt Domsch. „Das wächst aus der Gesellschaft heraus.“ Seine Beobachtung: Während die Zahl der Frauen mit hoher bis sehr hoher Berufsorientierung steigt, nimmt die Zahl derer stetig ab, die sich voll auf die Familie konzentrieren.

          Denn erstens sind immer mehr Frauen gut ausgebildet und möchten ihre hohe Qualifikation beruflich auch umsetzen - zur Freude der Arbeitgeber. Hinzu kommt: „Die Frauen sagen sich: Wenn meine Beziehung in die Brüche geht und ich habe mein Berufsleben gestoppt, dann kann ich nicht für mich selbst sorgen und bekomme keine Altersversorgung“, sagt Domsch. Dass dieser Gedanke berechtigt ist, bestätigen seine Forschungen: Von den 300 Doppelkarrierepaaren, deren Lebensweg der Professor seit mehr als zehn Jahren verfolgt, hat sich die Hälfte mittlerweile getrennt.

          Bei vielen Paaren beginnt es zu kriseln, wenn einer der Partner aus beruflichen Gründen umziehen muss. Wenn aus der vertrauten Nähe eine Fernbeziehung wird, bleibt die Liebe oft auf der Strecke. Das ist fatal, denn die Bereitschaft, für den Arbeitgeber ein- oder mehrmals den Wohnort zu wechseln oder sogar für eine Weile ins Ausland zu gehen, ist mittlerweile eine der Grundvoraussetzungen, wenn man Karriere machen möchte.

          Ohne Mobilität keine Karriere in der Wissenschaft

          Im Hochschulbereich gilt das besonders. „Ohne Mobilität keine Karriere in der Wissenschaft. Das ist einfach so“, sagt Anne Jansen. Weil sie und ihr Mann David beide eine Professorenlaufbahn anstreben, führen die Geisteswissenschaftlerin und der Informatiker seit fast zehn Jahren ein Leben als Jobnomaden, zeitweise über Kontinente hinweg. Gerade stecken sie wieder mitten in einem Umzug. David wechselt mit seiner kompletten Forschungsgruppe an die Technische Universität München. Für Anne bedeutet das, künftig dreimal in der Woche von München nach Mannheim zu pendeln, denn dort hat sie ihre Stelle. „Zum Glück habe ich eine Chefin, die unsere Situation nachvollziehen kann und mich unterstützt, denn sie ist ja selbst Professorin und auch mit einem Professor verheiratet“, sagt die Einunddreißigjährige.

          Geschichten wie die der Jansens hört Kerstin Dübner-Gee öfter. Seit zwei Jahren leitet die Personalentwicklerin das „Dual Career Office“ der Technischen Universität München. Ihre Aufgabe ist es, die Partner von Spitzenwissenschaftlern, die die Hochschule für sich gewinnen möchte, in der Stellensuche im Raum München gezielt zu unterstützen. Herzstück der „Dual Career Office“ ist ein Netzwerk aus wissenschaftlichen und industriellen Arbeitgebern.

          Weitere Themen

          Dänen sagen Qualifikationsspiel ab

          Frauenfußball : Dänen sagen Qualifikationsspiel ab

          Dänemark bringt sich durch den Streit um die Entlohnung der Fußballerinnen wohl um die WM-Chance. Der Verband hat das Qualifikationsspiel gegen Schweden am Freitag abgesagt. Es drohen Spielwertung und Punktabzug.

          Topmeldungen

          Telekom-Aktien verkaufen, um den Breitbandausbau zu finanzieren? Das fordern zumindest FDP und Grüne.

          Jamaika sucht Geldquellen : Verkauft der Bund die Telekom-Aktien?

          Um neue Ausgaben und Steuersenkungen zu finanzieren, suchen Politiker einer künftigen Jamaika-Koalition nach Geldquellen. Alleine mit Telekom- und Post-Anteilen ließen sich Milliarden generieren.

          Brexit-Verhandlungen : Ohne Qualen geht es nicht

          Theresa May flehte diese Woche in Berlin, Paris und Brüssel um Hilfe bei den Brexit-Verhandlungen. Die Europäer blieben hart. Aber sie gaben sich Mühe, nett zu sein.
          Für mehr Recht und Ordnung im eigenen Land: Macron will härter gegen kriminelle Ausländer vorgehen.

          Macrons Abschiebekurs : Mit harter Hand

          Der brutale Mord an zwei jungen Frauen durch einen illegalen Einwanderer erschüttert Frankreich. Nun plant Präsident Macron konsequenter bei der Abschiebung krimineller Ausländer durchzugreifen. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwerer als gedacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.